Album Review: Riot V – Unleash The Fire

Die Bandgeschichte von „Riot“ beinhaltet zahlreiche musikalische Meisterleistungen, aber auch mindestens ebenso viele Rückschläge und Tragödien. Es würde den Rahmen sprengen, hier die Details zu berichten, doch wer die Band kennt, wird wissen, dass Anfang 2012 Bandgründer Mark Reale verstarb. Nach dem Tod von Mark machte die 1975 gegründete New Yorker Band unter „Riot V“ weiter, denn Mark habe vor seinem Tod den Willen geäussert, dass es nach ihm mit der Band weitergehen solle. So zeigten Bassist Don Van Stavern und Gitarrist Mike Flyntz einmal mehr Durchhaltevermögen und leidenschaftliche Hingabe zur Musik. Sie versammelten alte und neue Bekannte unter dem Banner „Riot V“ und präsentieren mit „Unleash The Fire“ nun ein Debüt, das paradoxerweise zwangsläufig mit seinen Vorgängern verglichen werden wird. Ganz im Sinne des Albumtitels muss man „Unleash The Fire“ nicht unbedingt durch die Retro-Brille betrachten, denn die Band hat immer noch das Potenzial, so ziemlich alle Hörerschichten zwischen „Helloween“, „Iron Maiden“, „Judas Priest“ und „Thin Lizzy“ nicht nur anzusprechen, sondern zu begeistern.

Riot V - Unleash The Fire

Der Nachfolger des 2011er Comeback-Albums „Immortal Soul“ bietet Power Metal in Perfektion, Musik in bester Riot-Tradition und das Material darauf überzeugt ziemlich, denn „Unleash The Fire“ ist voll von Riot Trades. Die Scheibe wird all jene Fans begeistern, die vor allem auf die Thundersteel-Ära der Riot-Karriere stehen, denn die meisten Songs stammen von Don Van Stavern, Mark Reales langjährigen Kreativpartner und einflussreichen Komponisten, der seinen Stempel bereits „Thundersteel“ und „The Privilege Of Power“ aufgedrückt hatte. Unterstützt wurde Don Van Stavern von Songschreiber Mike Flyntz, seinem langjährigen Riot-Bandkollegen, der mehr als 20 Jahre lang Reales Gitarrenpartner war. Zusammen haben sie Songs produziert, die mit grossem Stolz als Riot-Album veröffentlicht werden und die auch Reale garantiert geliebt hätte. In all den Jahren hat die Truppe immer wieder grandiose Alben aufgenommen, angesichts der Songs ihrer neuesten Scheibe kann man daher nur zu einem Schluss kommen: Weitere erfolgreiche Jahre liegen vor dieser Band!

Riot V - Band

Stilistisch war die Band schon immer schwer einzuordnen, spielte sie doch Speed Metal („Warrior“), bevor es diesen überhaupt gab, ehe es mal bluesig („Restless Breed“), mal metallisch („Thundersteel“), mal bluesig-metallisch (die Alben mit Mike DiMeo am Gesang) zuging. Das neue Album deckt fast die gesamte Spannweite ab. Der Gesang von Todd Michael Hall und die trockene Produktion wecken Erinnerungen an „Thundersteel“, während einige Stücke sich nicht nur in Sachen Songtitel an den hardrockigeren Frühwerken orientieren („Return Of The Outlaw“ und „Take Me Back“). „Unleash The Fire“ klingt ganz klar nach Riot, Shouter Todd Michael Hall klingt nun wieder mehr wie sich selbst, ohne auf die Stimmfarben seiner vier Vorgänger bei Riot Rücksicht nehmen zu wollen oder gar zu müssen. Mit dem Bonustrack einer Liveaufnahme von „Thundersteel“ kommt „Unleash The Fire“ mit dreizehn Tracks auf eine volle Stunde hochwertigen Materials, dass das hohe Niveau eisern hält.

Video Thumbnail
Riot - Take Me Back (with lyrics) (from "Unleash The Fire" album 2014 - japanese edition)

Die Gitarrenabteilung Mike Flyntz und sein Schüler Nick Lee waren quasi beide bei Mark Reale in der Lehre, Lee allerdings durch Flyntz. Das ist auch der Grund warum hier nichts, aber auch wirklich gar nichts anbrennt. Natürlich gibt es genügend melodische Hymnen wie „Metal Warriors“ und „Land Of The Rising Sun“, die auch Altfans zum Kauf animieren sollten und auch das Titelbild reiht sich nahtlos in die Riot-Diskographie ein. Zwei ruhigere Stücke zollen Mark Reale direkt Tribut („Immortal“, „Until We Meet Again“) und die starke Judas Priest-Schlagseite von „Bring The Hammer Down“ und dem Titeltrack irritieren zu Anfang. Die Texte bestehen aus metallischen Standardvokabular und sind keine Meisterleistung. Von einem Trinkspiel, bei dem man für jedes gesungene „shine on“ einen Schnaps trinkt, muss ich auf alle Fälle abraten. Wie schon bei „Immortal Soul“ hätten es vielleicht zwei, drei Stücke weniger sein können, um ein schlüssigeres Album zu haben.

Riot V - Logo

Insgesamt ist „Unleash The Fire“ ein überdurchschnittliches Album, für alte Riot-Fans bleibt die Nostalgie jedoch ein zweischneidiges Schwert. Man freut sich, dass der Outlaw zurück ist und die zweistimmigen Gitarren-Leads funkeln. Man hat aber auch das Gefühl, dass hier noch mehr geht. So kann man nur hoffen, dass wir in Zukunft noch viel von „Riot V“ zu hören bekommen werden, auch wenn alte Fans der Band noch etwas Zeit brauchen. Nach den vielen tragischen Ereignissen aber auch grossen internationalen Erfolgen gehören zur aktuellen Besetzung der Band der Sänger Todd Michael Hall (Burning Starr, Reverence), Frank Gilchriest (Virgin Steele, Riot’s Army of One) und der frühere Gitarrenschüler von Mike Flyntz, Shredder-König Nick Lee und diese halten stolz die Riot-Flagge hoch, in Gedenken an die verstorbenen Bandmitglieder und als riesigen Dank an die vielen Fans, die der Gruppe seit Jahren die Treue gehalten haben. „Riot V“ sind passionierte Metal-Soldaten, die unablässig weiter marschieren und einen gerechten Kampf kämpfen, um ihren Fans jene Musik zu bringen, die man sich von der Band erhofft hat. Mark, Guy und Rhett lächeln aus dem Rock’n’Roll-Himmel auf die Erde und erkennen, dass das Riot-Erbe bis in alle Ewigkeit leuchten wird!

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Tracklist:

  1. Ride Hard Live Free
  2. Metal Warrior
  3. Fall from the Sky
  4. Bring the Hammer Down
  5. Unleash the Fire
  6. Land of the Rising Sun
  7. Kill to Survive
  8. Return of the Outlaw
  9. Immortal
  10. Take Me Back
  11. Fight Fight Fight
  12. Until We Meet Again
  13. Thundersteel (live) – Bonus Track
Album Review: Riot V - Unleash The Fire
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Tempo9
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Gesang7
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