Mitte Dezember herrschen schon langsam die Temperaturen, bei denen man einen “Eisbrecher” benötigt und so war der “Eisbrecher” aus dem fernen Bayern beim Basler Z7 vor Anker gegangen, denn die Herren befanden sich gerade auf grosser Jubiläumstour. Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sich Alexander “Alexx” Wesselsky und Jochen “Noel Pix” Seibert von “Megaherz” trennten und “Eisbrecher” ins Leben riefen. “Megaherz” gibt es auch heute noch, doch während sich die ehemaligen Mitstreiter mit ihrem Album “Götterdämmerung” mit einem respektablen Platz 19 begnügen mussten, konnten “Eisbrecher” mit ihrer fast zeitgleich erschienenen fünften Studioplatte “Die Hölle muss warten” den dritte Chartposition sichern. An diesem Freitagabend, den 13. Dezember, hatten jede Menge Fans den Weg ins Z7 gefunden, um zusammen mit der Band und dem Support “A Life Divided” die Geburtstagsfeier steigen zu lassen und beide Bands heizten dem gut gefüllten Z7 so richtig ordentlich ein.

Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour

Angeblich standen fast zwei Stunden vor Konzertbeginn sich Hardcore-Fans in Pratteln bei eisigen Minustemperaturen die gefrorenen Beine in den Bauch, was bei mir nur bemitleidendes Kopfschütteln auslöst, da es sich hier um keine Teenie-Band handelt und wenn man es sich schon selbst aussucht, so früh dort zu sein, sollte man anschliessend nicht noch über die Kälte jammern, sondern den Eisbrecher seines Amtes walten lassen. So kam es, dass schon bei den Special Guests das Z7 gut gefüllt war. Die Münchner “A Life Divided” überzeugten mit eingängigem Rock, welchen sie zu vielen Teilen mit elektronischen Elementen ausschmückten. Jürgen Plangger und seine Bandkollegen verstanden es, die Konzertbesucher, die ungeduldig auf die Headliner warteten, in ihren Bann zu ziehen und konnten sicherlich an diesem Abend einige neue Fans hinzugewinnen.

Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour 2013 Z7

“A Life Divided” bewiesem direkt nach einem langen Intro mit “The Lost” vom diesjährigen Longplayer “The Great Escaape” in bester Feierlaune zu sein. So wurde auch “It Ain’t No Good” kräftig mitgeklatscht und mit “Words” folgte ein knackiger Shouter vom 2011er Longplayer “Passenger”, bevor das melodische “Feel” poppige Versatzstücke im Rock-Gewand servierte. “Hey You” schickte unter Lichtgewittern einen Gitarrenorkan nebst Trommeltornado über die Bühne, ehe selbige für das VNV-NATION-Cover “Perpetual” in blaues Licht getaucht wurde. “A Life Divided” liessen es düster-metallisch krachen und man musste schon genau hinhören, um den Ursprungssong zu erkennen, wobei die Jungs ihre Sache wahrlich nicht schlecht gemacht haben. Immerhin gibt es auch diese Formation bereits seit zehn Jahren und Kollege Plangger, der seit 2006 auch bei “Eisbrecher” die Gitarre zupft, wusste durchaus, wie er sein Publikum zu “The Last Dance” bewegen konnte.

Es gab NDH-Standards für den Dancefloor, um schliesslich mit dem abwechslungsreichen “Heart On Fire” die Textsicherheit der Zuschauerschaft abzufragen. Hier tummelten sich ganz offensichtlich jede Menge Wiederholungstäter und so wunderte es nicht, dass es nach einer guten halben Stunde reichlich verdienten Applaus zu hören gab. Meiner Meinung nach ist der Sound der Band absolute Spitzenklasse, die Stimme von Jürgen Plangger ist aber nicht mein Fall. Nicht das diese schlecht wäre, ganz und gar nicht, mir persönlich ist sie einfach etwas zu hell, so dass sie aus meiner Sicht den Sound der Band eher stört, als ergänzt. Aber zum Glück sind die Geschmäcker verschieden. “A Life Divided” ist ein grossartige Live Band, da gibt es nix zu meckern, mein Fall ist es jedoch nicht, aber den Jürgen sollte man nach einer kleinen Verschnaufpause ja noch einmal zu sehen und zu hören bekommen. “A Life Divided” legte von der ersten Minute an los, als wären sie der Headliner und der abschliessende Applaus war auf jeden Fall eines Headliners würdig.

Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour 2013 Z7

Begleitet von 70er-Jahre Disko ging es in die Pause, ehe die Titelmelodie des A-Teams den Spannungsbogen wieder ansteigen liess. Die zwei an den beiden Bühnenrändern positionierten Fäuste in Übergrösse leuchteten in einem tiefen Rot auf und eine Computerstimme begrüsste das zahlreiche Publikum. Endlich fanden auch die Hauptakteure auf die Bühne und die Herren boten ein zweistündiges Auf und Ab an alten und neuen Songs, dass es nur so krachte. So ging die Party mit “Kein Mitleid” los und man setzte im folgenden Set auf Highlights der letzten Dekade und es ging somit mit “Willkommen im Nichts”, “Adrenalin” und “Antikörper” weiter. Vor mit dem hymnischen “Augen unter Null” wurde die Bühne in rotes Licht getränkt und da wurde erstmals aktuellere Kost geboten. Anschliessend konnte “Amok” abermals durch seine Choreo mit den schon fast altgedienten Fässern ein optisches Highlight setzen und auch “Eiszeit”, bei dem dann doch noch die Polarausrüstung zum Einsatz kam, wirkte vertraut. Das sich anschliessende “Leider” rockt immer noch, mindestens genauso euphorisch mitgeklatscht wurde bei “Prototyp”. Die Spielfreude war jedem auf der Bühne anzumerken und die Zuschauer und Band steigerten sich von Song zu Song.

Die Setlist war im Vergleich zur “Die Hölle muss warten” Tour um- und ausgebaut worden und gespickt mit redegewandten Anmoderationen von Alexx, der sein Publikum mittlerweile völlig in der Hand hatte, ging es weiter mit “Engel”. Die grossartige, selbstbetitelte Bandhymne, die in einer 2013er Version auf der “10 Jahre Eisbrecher” Single zu finden ist und bei der Alexx nunmehr zu Kapitänsmütze und Eispickeln griff, leitete nachfolgend den nächsten Klassiker-Abschnitt ein: Dieser wurde unter anderem ergänzt durch “Schwarze Witwe”, zu der ein wenig Hochprozentiges gereicht wurde. Weiter gings mit “Vergissmeinnicht”, “Herzdieb” und “This is deutsch” beendete fulminant als deutschrockendes Musikantenstadl mit Rauchsäulen den regulären Teil der Show, der nach nur kurzer Unterbrechung in “Heilig” jedoch seine verdiente Fortsetzung fand. “Verrückt” endete mit tosendem Applaus und war an dieser Stelle natürlich nur noch zu toppen vom “Miststück”. Doch die Herren liessen sich nicht lumpen und kamen nach einer weiteren Pause noch einmal mit “Ein Leben lang unsterblich” zurück. Dann war aber endgültig Schluss, auch wenn ein, zwei Stücke wie zum Beispiel “Kann denn Liebe Sünde sein” nach meinem Geschmack noch gegangen wären. Aber dann halt wieder beim nächsten Mal.

Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour 2013 Z7

Viele glückliche Gesichter und ein sichtlich geschaffter Sänger bedankten sich gegenseitig beieinander und machten sich jeweils auf ihren Heimweg. Alexx und Noel Pix haben mit ihren Musikern eine routinierte Band beisammen und lieferten eine gelungene Show, die vor allem durch ihre abwechslungsreiche Setlist überzeugte, für eine volle Halle sorgte und mächtig Laune machte. Eine klasse Bühnenshow und auf “Eisbrecher” darf man sich immer freuen, die Jungs haben es einfach drauf! Die Mannen geben Vollgas und das Publikum frisst Sänger Alexx vom ersten Ton an aus der Hand. Der Mann ist eine Rampensau, der man jedes einzelne Klischee fast schon abkauft. Natürlich hat er neben seinem coolen Acting auch eine grosse Portion Humor und ist schlicht und einfach der geborene Entertainer. Eisbrecher rockten die Bühne vom Feinsten. Requisiten wurden zu fast jedem Song auf die Bühne getragen und Alex war eloquent wie gewohnt. Ein grossartiger Abend und eine absolut würdige Reise durch 10 Jahre “Eisbrecher”, die immer noch eine Schippe drauflegten und nicht zur Ruhe kamen. Wir hoffen und freuen uns, dass es genau so weitergeht, denn 2014 dürfen die Fans auf ein neues Album hoffen, das an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen soll. In diesem Sinne: Auf die nächsten 10!

Setlist Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour

  1. Kein Mitleid
  2. Willkommen im Nichts
  3. Antikörper
  4. Adrenalin
  5. Augen unter Null
  6. Amok
  7. Eiszeit
  8. Leider
  9. Prototyp
  10. Die Engel
  11. Eisbrecher
  12. Schwarze Witwe
  13. Vergissmeinnicht
  14. Herzdieb
  15. This is deutsch
  16. Heilig
  17. Verrückt
  18. Miststück
  19. Ein Leben lang unsterblich

Nachfolgend für euch noch der Trailer zur Eisbrecher 10 Jahre Jubiläums Tour 2013:

Mitte Dezember herrschen schon langsam die Temperaturen, bei denen man einen "Eisbrecher" benötigt und so war der "Eisbrecher" aus dem fernen Bayern beim Basler Z7 vor Anker gegangen, denn die Herren befanden sich gerade auf grosser Jubiläumstour. Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sich Alexander "Alexx" Wesselsky und Jochen "Noel Pix" Seibert von "Megaherz" trennten und "Eisbrecher" ins Leben riefen. "Megaherz" gibt es auch heute noch, doch während sich die ehemaligen Mitstreiter mit ihrem Album "Götterdämmerung" mit einem respektablen Platz 19 begnügen mussten, konnten "Eisbrecher" mit ihrer fast zeitgleich erschienenen fünften Studioplatte "Die Hölle muss warten" den dritte Chartposition sichern. An diesem Freitagabend, den 13. Dezember, hatten jede Menge Fans den Weg ins Z7 gefunden, um zusammen mit der Band und dem Support "A Life Divided" die Geburtstagsfeier steigen zu lassen und beide Bands heizten dem gut gefüllten Z7 so richtig ordentlich ein. Angeblich standen fast zwei Stunden vor Konzertbeginn sich Hardcore-Fans in Pratteln bei eisigen Minustemperaturen die gefrorenen Beine in den Bauch, was bei mir nur bemitleidendes Kopfschütteln auslöst, da es sich hier um keine Teenie-Band handelt und wenn man es sich schon selbst aussucht, so früh dort zu sein, sollte man anschliessend nicht noch über die Kälte jammern, sondern den Eisbrecher seines Amtes walten lassen. So kam es, dass schon bei den Special Guests das Z7 gut gefüllt war. Die Münchner "A Life Divided" überzeugten mit eingängigem Rock, welchen sie zu vielen Teilen mit elektronischen Elementen ausschmückten. Jürgen Plangger und seine Bandkollegen verstanden es, die Konzertbesucher, die ungeduldig auf die Headliner warteten, in ihren Bann zu ziehen und konnten sicherlich an diesem Abend einige neue Fans hinzugewinnen. "A Life Divided" bewiesem direkt nach einem langen Intro mit "The Lost" vom diesjährigen Longplayer "The Great Escaape" in bester Feierlaune zu sein. So wurde auch "It Ain’t No Good" kräftig mitgeklatscht und mit "Words" folgte ein knackiger Shouter vom 2011er Longplayer "Passenger", bevor das melodische "Feel" poppige Versatzstücke im Rock-Gewand servierte. "Hey You" schickte unter Lichtgewittern einen Gitarrenorkan nebst Trommeltornado über die Bühne, ehe selbige für das VNV-NATION-Cover "Perpetual" in blaues Licht getaucht wurde. "A Life Divided" liessen es düster-metallisch krachen und man musste schon genau hinhören, um den Ursprungssong zu erkennen, wobei die Jungs ihre Sache wahrlich nicht schlecht gemacht haben. Immerhin gibt es auch diese Formation bereits seit zehn Jahren und Kollege Plangger, der seit 2006 auch bei "Eisbrecher" die Gitarre zupft, wusste durchaus, wie er sein Publikum zu "The Last Dance" bewegen konnte. [youtube id="rN6x9Bs844w" align="center"] Es gab NDH-Standards für den Dancefloor, um schliesslich mit dem abwechslungsreichen "Heart On Fire" die Textsicherheit der Zuschauerschaft abzufragen. Hier tummelten sich ganz offensichtlich jede Menge Wiederholungstäter und so wunderte es nicht, dass es nach einer guten halben Stunde reichlich verdienten Applaus zu hören gab. Meiner Meinung nach ist der Sound der Band absolute Spitzenklasse, die Stimme von Jürgen Plangger ist aber nicht mein Fall. Nicht das diese schlecht wäre, ganz und gar nicht, mir persönlich ist sie einfach etwas zu hell, so dass sie aus meiner Sicht den Sound…

Die Eiszeit is ausgebrochen - Eisbrecher lassen es in der Schweiz krachen!

Atmosphäre - 100%
Performance - 100%
Akustik - 100%
Sichtverhältnisse - 95%
Vor-Ort-Service - 95%
Sanitäre Einrichtungen - 30%
Parkplatzsituation - 80%
Zusammenfassung

Alexx und Noel Pix haben mit ihren Musikern eine routinierte Band beisammen und lieferten eine gelungene Show, die vor allem durch ihre abwechslungsreiche Setlist überzeugte, für eine volle Halle sorgte und mächtig Laune machte. Eine klasse Bühnenshow und auf "Eisbrecher" darf man sich immer freuen, die Jungs haben es einfach drauf! Die Mannen geben Vollgas und das Publikum frisst Sänger Alexx vom ersten Ton an aus der Hand. Der Mann ist eine Rampensau, der man jedes einzelne Klischee fast schon abkauft. Natürlich hat er neben seinem coolen Acting auch eine grosse Portion Humor und ist schlicht und einfach der geborene Entertainer. Ein grossartiger Abend, der nach lange hätte weitergehen dürfen, doch leider war uns dies nicht vergönnt. Daher freuen wir uns doch auf das nächste Mal, wenn der "Eisbrecher" wieder im Schweizer Hafen, dem Z7 anlegt und dass Eis so richtig krachen und bersten lässt! In diesem Sinne: Auf die nächsten 10!

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Zwei Stühle, ein Keyboard und eine Akustikgitarre, viel mehr braucht Everlast nicht, um sich auf der Bühne wohlzufühlen. Die Rap-Attitüde hat der Amerikaner seit einem Jahr in den Keller verbannt, nachdem er mit “House Of Pain” 2012 zum 20-jährigen Bandjubiläum auf Tour war, hat er jetzt genug davon. “Hip-Hop gehört den Jungen”, erklärt er im Interview. “Ich werde zwar noch im Studio rappen, aber für so exzessive Tourneen bin ich zu alt.” Auch heute bezeichnet er sich und seine Musik noch als “puren HipHop”, letztlich geht es doch ums Storytelling. Da spielt es keine Rolle, ob man als MC oder als Singer/Songwriter die Gefolgschaft an seinen Lebensgeschichten teilhaben lässt. Everlast hat in den vergangenen Jahren gelernt, wie er das tiefe Timbre seines Organs ausreizen kann. Seine Stimme klingt an diesem Abend jedenfalls, als hätte er in den letzten 25 Jahren nie etwas anderes gemacht. Die Stimmung im ausverkauften Kofmehl konnte besser nicht sein und der mittlerweile komplett ergraute New Yorker Mittvierziger konnte mit seiner eineinhalbstündiger Singer and Songwriter-Performance absolut begeistern.

An Acoustic Evening With Everlast

Es bedarf keiner zwei Songs um die Wohlfühlatmosphäre auf der Bühne auch in die ausverkaufte Location zu übertragen. Es gibt wahrlich nicht viele Künstler, die dermassen authentisch zwischen zwei – oberflächlich betrachtet – grundverschiedenen Musikgenres hin- und herpendeln können wie Everlast. Der ehemalige House Of Pain-Frontmann will Geschichten erzählen. Ob mit Hilfe eines kompletten DJ-Sets oder lediglich Akustisch: Everlast ist und bleibt ein Lyric-Wizard, der den musikalischen Background nur als Soundtrack für seine Erzählungen nutzt. Dem heisernen Bariton des Erik Schrody (so Everlasts bürgerlicher Name) vermag sich keiner zu entziehen und so brennt sich dieser im kollektiven Gedächtnis mit seinem Blues fest. Es braucht nicht viel für ein intimes Konzert. Nämlich einen Keyboarder und einen Mann an der Gitarre. Den Rapper sieht man ihm allerhöchstens am etwas weitgeschnittenen Kleidungsstil an. Everlast singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass er Zeilen wie “I Kill Anyone For You” von sich geben kann, ohne, dass jemand Angst vor ihm haben müsste. Der Künstler selbst wirkt in seiner spärlichen Instrumentalisierung sehr zufrieden und die Stimmung im Kofmehl ist nicht nur heiss, sondern kochend. So schweisstreibend, dass Everlast immer wieder seine Gitarre und sein Gesicht mit einem Tuch abwischen muss und man sich wünschte, der Gig hätte in einem kleinen, verrauchten Club stattgefunden und nicht im ausverkauften Kofmehl.

“Ich habe bei Shows immer auch ein paar akustische Nummern gespielt. Mit der Zeit wurden es immer mehr. Und viele gefielen mir so besser als in den ursprünglichen Rock-Arrangements, weil das die Form ist, in der ich sie schreibe.” So hat Everlast im Frühjahr die CD “Life Acoustic” veröffentlicht, die die Akustik-Versionen seiner bekanntesten Songs (inklusive des House-Of-Pain-Hits “Jump Around”) zusammenfasst. “Lieder und Texte zu schreiben ist mein Leben”, sagt er. “Dafür verehre ich Tom Waits und Bill Withers: Deren Songs sind ewig gültig. Der heutige Rap aber ist zu 90 Prozent Mist. Da gibt es keine Aussage mehr, die verkaufen den Kids doch nur mehr Mode oder – noch schlimmer – Drogen. Die Rapper von heute sind nur mehr Sklaven der grossen Konzerne, haben an nichts Interesse als an einem fetten Bankkonto.” Mit Songs wie “Black Jesus” hat Everlast selbst auch schon einige Songs geschrieben, die in ihrer Sozialkritik heute noch relevant sind. Was ihn inhaltlich aber nicht stört: “Wer sagt, dass wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln müssen? Ich schreibe über die Natur der Menschen und die dreht sich wie alles in der Natur im Kreis. Es wird nie eine Zeit ohne Kriege, Korruption und Hunger geben – da habe ich keinerlei Illusionen. Halte ich das für falsch? Natürlich! Also werde ich nicht aufhören, über diese Dinge zu schreiben und aufzuschreien, wenn ich etwa finde, dass meine Regierung Scheisse baut.”

An Acoustic Evening With Everlast

Zwischen den Songs nimmt sich der New Yorker immer wieder Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen. Everlast hat in seinem Leben viel erlebt und er lässt seine Anhängerschaft gerne daran teilhaben. Erik Schrody nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Anhängerschaft bedankt sich wahlweise andächtig lauschend oder frenetisch jubelnd. Die Bodenständigkeit, die der Sänger ausstrahlt ist beeindruckend. Er widmet den Song “Stone in my Hand” den inhaftierten Frauen von “Pussy Riot” und wirkt sehr ehrlich dabei. Als bei der langsamen, akustischen Version des “House of Pain”-Klassikers “Jump Around” einige Zuschauer der lyrischen Aufforderung folgen, ist er sichtlich überrascht. “Ich dachte nicht, dass man zu dieser Version tatsächlich hüpfen kann”, sagt er. “Ihr habt mir das Gegenteil bewiesen.” Das Duo fährt so ziemlich alles auf, was der Everlast-Katalog zu bieten hat und bleiben dem Kofmehl keinen Hit schuldig. Von “Black Jesus” über “White Trash Beautiful” bis zu “What It’s Like” fehlte nichts. Leise und aufbrausende Passagen sowie das Spiel mit der Dynamik beherrschen Everlast und sein Keyboarder äusserst gut, dadurch wird die minimal instrumentalisierte Musik nie langweilig.

An Acoustic Evening With Everlast

Everlast sah auf dem Balkon das Transparent einer jungen Frau, auf dem stand “Please Play Maybe”. “Ich habe dein Schild gesehen”, sagt der stämmige Amerikaner und erfüllt ihren Wunsch, obwohl er den Song offensichtlich länger nicht mehr gespielt hatte, “Ich versuche mich gerade an den Song zu erinnern.” Los gehts mit viel Improvisation und kurzen Pausen, um nach den richtigen Akkorden zu suchen. “Sorry, aber ich glaube nicht, dass wir das Lied je live gespielt haben.” und als er sich vergriff, blickte er die junge Frau mit schuldbewusstem Hundeblick an und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Das Publikum ist ausser sich. Besser kann ein Konzert wohl kaum laufen und das war der Moment des Abends und unterstrich die Authentizität des Mannes auf der Bühne. Der Amerikaner verfügt über eine Ausstrahlung, die dafür sorgt, dass die Menschen ihm aus der Hand fressen, was spätestens bei den nicht enden wollenden “NaNaNa”-Gesängen von “Put Your Lights On” gut zu sehen war. Everlast sorgte im Kofmehl für Gänsehaut und der Sound von ihm erzeugt stets Bilder im Kopf. Nach knapp eineinhalb Stunden ist endgültig Schluss, auch wenn viele noch hoffen, dass sich der “White Devil” noch einmal blicken lässt, doch daraus wurde nichts. Ein grossartiger Abend mit einem noch viel grossartigeren Künstler, bei dem man sich einzig der Performance entsprechend den Auftritt in einer kleinen Bar, mit viel weniger Leuten, bei Whiskey und Zigarre gewünscht hätte.

Zwei Stühle, ein Keyboard und eine Akustikgitarre, viel mehr braucht Everlast nicht, um sich auf der Bühne wohlzufühlen. Die Rap-Attitüde hat der Amerikaner seit einem Jahr in den Keller verbannt, nachdem er mit "House Of Pain" 2012 zum 20-jährigen Bandjubiläum auf Tour war, hat er jetzt genug davon. "Hip-Hop gehört den Jungen", erklärt er im Interview. "Ich werde zwar noch im Studio rappen, aber für so exzessive Tourneen bin ich zu alt." Auch heute bezeichnet er sich und seine Musik noch als "puren HipHop", letztlich geht es doch ums Storytelling. Da spielt es keine Rolle, ob man als MC oder als Singer/Songwriter die Gefolgschaft an seinen Lebensgeschichten teilhaben lässt. Everlast hat in den vergangenen Jahren gelernt, wie er das tiefe Timbre seines Organs ausreizen kann. Seine Stimme klingt an diesem Abend jedenfalls, als hätte er in den letzten 25 Jahren nie etwas anderes gemacht. Die Stimmung im ausverkauften Kofmehl konnte besser nicht sein und der mittlerweile komplett ergraute New Yorker Mittvierziger konnte mit seiner eineinhalbstündiger Singer and Songwriter-Performance absolut begeistern. Es bedarf keiner zwei Songs um die Wohlfühlatmosphäre auf der Bühne auch in die ausverkaufte Location zu übertragen. Es gibt wahrlich nicht viele Künstler, die dermassen authentisch zwischen zwei – oberflächlich betrachtet – grundverschiedenen Musikgenres hin- und herpendeln können wie Everlast. Der ehemalige House Of Pain-Frontmann will Geschichten erzählen. Ob mit Hilfe eines kompletten DJ-Sets oder lediglich Akustisch: Everlast ist und bleibt ein Lyric-Wizard, der den musikalischen Background nur als Soundtrack für seine Erzählungen nutzt. Dem heisernen Bariton des Erik Schrody (so Everlasts bürgerlicher Name) vermag sich keiner zu entziehen und so brennt sich dieser im kollektiven Gedächtnis mit seinem Blues fest. Es braucht nicht viel für ein intimes Konzert. Nämlich einen Keyboarder und einen Mann an der Gitarre. Den Rapper sieht man ihm allerhöchstens am etwas weitgeschnittenen Kleidungsstil an. Everlast singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass er Zeilen wie "I Kill Anyone For You" von sich geben kann, ohne, dass jemand Angst vor ihm haben müsste. Der Künstler selbst wirkt in seiner spärlichen Instrumentalisierung sehr zufrieden und die Stimmung im Kofmehl ist nicht nur heiss, sondern kochend. So schweisstreibend, dass Everlast immer wieder seine Gitarre und sein Gesicht mit einem Tuch abwischen muss und man sich wünschte, der Gig hätte in einem kleinen, verrauchten Club stattgefunden und nicht im ausverkauften Kofmehl. [youtube id="Ik1g1zTsUBI" align="center"] "Ich habe bei Shows immer auch ein paar akustische Nummern gespielt. Mit der Zeit wurden es immer mehr. Und viele gefielen mir so besser als in den ursprünglichen Rock-Arrangements, weil das die Form ist, in der ich sie schreibe." So hat Everlast im Frühjahr die CD "Life Acoustic" veröffentlicht, die die Akustik-Versionen seiner bekanntesten Songs (inklusive des House-Of-Pain-Hits "Jump Around") zusammenfasst. "Lieder und Texte zu schreiben ist mein Leben", sagt er. "Dafür verehre ich Tom Waits und Bill Withers: Deren Songs sind ewig gültig. Der heutige Rap aber ist zu 90 Prozent Mist. Da gibt es keine Aussage mehr, die verkaufen den Kids doch nur mehr…

Everlast - "Life Acoustic"-Tour

Atmosphäre - 95%
Performance - 95%
Akustik - 95%
Sichtverhältnisse - 90%
Vor-Ort-Service - 90%
Sanitäre Einrichtungen - 85%
Parkplatzsituation - 80%
Zusammenfassung

Everlast sorgte im Kofmehl für Gänsehaut und der Sound von ihm erzeugt stets Bilder im Kopf. Ein grossartiger Abend mit einem noch viel grossartigeren Künstler, bei dem man sich einzig der Performance entsprechend den Auftritt in einer kleinen Bar, mit viel weniger Leuten, bei Whiskey und Zigarre gewünscht hätte. Everlast verfügt über eine Ausstrahlung, die dafür sorgt, dass die Menschen ihm aus der Hand fressen. Auch heute bezeichnet er sich und seine Musik noch als "puren HipHop", letztlich geht es doch ums Storytelling. Da spielt es keine Rolle, ob man als MC oder als Singer/Songwriter die Gefolgschaft an seinen Lebensgeschichten teilhaben lässt. Everlast hat in den vergangenen Jahren gelernt, wie er das tiefe Timbre seines Organs ausreizen kann. Seine Stimme klingt an diesem Abend jedenfalls, als hätte er in den letzten 25 Jahren nie etwas anderes gemacht. Die Stimmung im ausverkauften Kofmehl konnte besser nicht sein und der mittlerweile komplett ergraute New Yorker Mittvierziger konnte mit seiner eineinhalbstündiger Singer and Songwriter-Performance absolut begeistern.

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Das Heidenfest zieht plündernd durchs Land und ist wohl die grösste Viking- und Pagan Metal-Sause dieses Spätsommers. Daher haben sich wohl alle Wikinger, Horntrinker und Schwertträger den letzten Sonntag rot im Kalender angestrichen um sich unter eiserner finnischer Doppelspitzenführung von “Ensiferum” und “Turisas” auf das Schlachtfeld zu stürzen. Mit dabei waren auch zwei deutsche Folk Metal-Instanzen, nämlich “Equilibrium” und “Suidakra” und als Special Guests heizten die finnischen Melodic/Folk Metaller “Frosttide” im legendären Z-7 in Pratteln, Basel so richtig ein. Das Z-7 war praktisch ausverkauft und nicht nur schwermetallischen Trinkhorn-Stemmer waren zugegen, nein, auch die holde Weiblichkeit war erstaunlich gut im Publikum vertreten. Das Heidenfest hat sich in den letzten Jahren zur absoluten Tour-Instanz gemausert und hat auch letzten Sonntag das Z-7 in Schutt und Asche gelegt!

Heidenfest 2013 - Auf in die Schlacht!

Man sollte meinen, dass es den Metalfans hierzulande so langsam reicht mit kleinen Festivals heidnischer Prägung, aber weit gefehlt; das Z-7 ist brechend voll, als an diesem Sonntag Abend das Heidenfest 2013 zum Abfeiern einlädt. Und besagtes Abfeiern ist wohl einer der Hauptgründe dafür, dass das geneigte langhaarige Volk so zahlreich erschienen ist. Ein Bier nach dem anderen wandert über den Tresen und es wird allerorten immer lauter und lustiger. Pünktlich um 18:30 Uhr gehen die Lichter aus und die Bühne gehört “Frosttide“, welche gleich richtig heftig loslegen. Die 5-köpfige Band ist seit 2009 musikalisch aktiv und vermag das Publikum vom ersten Ton an zu begeistern, obwohl die Band auf dem europäischen Festland noch nicht so bekannt ist. Dieser Umstand scheint die Band aber eher zu motivieren und so nutzen die Jungs die halbe Stunde ihres Auftritts um einen ausserordentlich guten Eindruck zu hinterlassen. Die Bühnenpräsenz von Sänger Joni Snoro und Keyboarder Felipe Munoz ist absolut grandios und die ganze Band ist eine absolute Offenbarung an diesem Abend. “Frosttide” lassen keinen Stein auf dem anderen, heizen dem Publikum so richtig ein und es lohnt sich sicherlich, die Herren einmal bei einer anderen Gelegenheit wieder zu sehen.

Kurz nach sieben betraten die fünf Ruhrpottler von “Suidakra” die Bühne. Für mich war es hier auch das erste Mal, die Herren live zu sehen und was man zu sehen bekam, war absolut stark! Grossartige 40 Minuten mit Songs wie “Inner Sanctum”, “Isle of Skye”, “Dead Man’s Reel”, “Pendragon’s Fall”, “March of Conquest” und “Wartunes” aus ihren letzten Studio-Album liessen einem kaum Luft holen. Sänger Arkadius Antonik hat eine grossartige Bühnenpräsenz und es gelingt ihm, alle Anwesenden völlig in seinen Bann zu ziehen. Das Publikum tobt und bangt was das Zeug hält und falls es jemand gegeben hat, bei dem noch nicht bei “Frosttide” der Funken übergesprungen ist, war spätestens bei “Suidakra” Feuer und Flamme. Eine solche Begeisterung sieht man nicht alle Tage und es wäre zu erwarten gewesen, dass es erst bei “Ensiferum” und “Turisas” so abgeht, doch weit gefehlt, das Quartett aus Düsseldorf brennt das Z-7 bereits jetzt völlig nieder. Insgesamt war dies ein absolut überzeugender Auftritt und die Band hatte mit ihrem fetzigen Sound das Publikum innert kürzester Zeit buchstäblich völlig erobert.

Heidenfest 2013 - Auf in die Schlacht mit Turisas

Nach dem grossartigen Auftritt von “Suidakra”, ist der Moment gekommen für “Equilibrium” mit ihrem epischen Folk/Viking Metal. Und hier begann der Bär erst so richtig steppen. Die Dame und Herren um Rampensau Robse und Songwriter-Mastermind René hatten so manch neuen Song im Gepäck, wie “Waldschrein”, “Zwergenhammer” und “Himmelsrand”, dem Skyrim Theme, welches wohl auch den letzten Nerd in der Halle packte und alle auf der letzten EP “Waldschrein” zu finden sind. Munich’s Finest versprühen eine chaotische Atmosphäre, sowohl auf der Bühne sowie davor: Der Moshpit tobt und Pogo ist angesagt! Met-Flaschen finden den Weg ins Publikum, genau wie Trinkhörner und gereckte Fäuste den Weg in die Luft. Die fünfköpfige Band bietet insgesamt ein äusserst überzeugendes Konzert mit viel Spielfreude und ner Menge Energie schmeisst man dem hungrigen Publikum Hits wie “Blut im Auge”, “Der Sturm”, “Unter der Eiche”, “Met” und “Unbesiegt” entgegen. Die Meute dankt es, indem sie das Z-7 zum Überkochen bringt. “Equilibrium” waren zugegebenermassen erfrischend sympathisch und härter als gedacht. Wirklich exorbitant spielfreudig vermittelten die Münchner dem Publikum jedenfalls, dass nicht nur die Zuhörer Spass an der Show hatten, sondern auch die Musiker selbst. Aus meiner Sicht hätte die Band den Titel der besten Band des Abends verdient.

Ob nach geschlagener “Equilibrium”-Schlacht wohl noch Kraft für die Headliner bleib? Für “Turisas” wohl in jedem Fall, denn selbst wenn man der Musik künstlerisch nicht unbedingt was abgewinnen kann – ausser viel triumphales Tataa – so muss man doch anerkennen, dass die Band auf der Bühne richtig was hermacht, sowohl visuell als auch actionmässig. Die Nordmänner wissen, was Spass auf der Bühne bedeutet und so wurde es Zeit für die angemalte Mannen. “Turisas” konnten sich ebenfalls sehr schnell in die Herzen der Fans spielen. Der Sound ist gewaltig, auch wenn die Stimme von Sänger Mathias “Warlord” Nygård manchmal etwas leise ist. Der Song “For Your Own Good” liess die Hände in die Höhe steigen und ludt zum Feiern ein. Auch für die Epikfans gibt es mit „To Holmgard And Beyond“ Kost zum Abfeiern. Allgemein lassen “Turisas” kaum etwas anbrennen und zeigen sehr viel Professionalität auf der Bühne. Immer wieder wird das Publikum animiert alles zu geben, und dies wird auch mit grossem Einsatz der Fans belohnt. Obwohl “Turisas” sehr viele lange Lieder in ihren Laufbahn geschrieben haben und inzwischen nun genug Material da ist, um die Massen sehr lange zu begeistern, gibt es gerade einmal 60 Minuten Aktion auf der Bühne. Am Ende wurde mit “Stand Up and Fight” ein Schlussstrich gezogen und zurück bleibt eine tobende Meute, die eine gute Show mit sehr gutem Licht, Sound und Bühnenpräsenz bekommen hat.

Setlist Turisas:

  1. The Bosphorus Freezes Over
  2. For Your Own Good
  3. A Portage to the Unknown
  4. Ten More Miles
  5. Piece By Piece
  6. To Holmgard and Beyond
  7. Greek Fire
  8. As Torches Rise
  9. Battle Metal
  10. We Ride Together
  11. Stand Up and Fight
  12. Toreador Song (Georges Bizet Song)

Heidenfest 2013 - Auf in die Schlacht mit Ensiferum

Da möchte man meinen, dass “Ensiferum” es im Anschluss schwer haben, die Spannung aufrecht zu erhalten, aber sie haben wirklich unglaublich viele treue Fans, die auch beim x-ten Gig wieder und wieder ausflippen. So wurde es (endlich) Zeit, für die epischen “Ensiferum”, dem zweiten Headliner an diesem Abend, welche man des öfteren bei Veranstaltungen heidnischer Prägung antrifft. “Ensiferum” aus Finnland spielen eine recht eingängige Mischung aus Folk und Metal, auf genau diese Mischung fährt das Publikum des heutigen Abends offenbar völlig ab und so wurde das Ende des Abends mehr als energisch. Wie gewohnt mit nacktem Oberkörper, mit Schottenröcken bekleidet und mit der typischen Kriegsbemalung im Gesicht, die sich auch der ein oder andere Fan verpasst hat, kommen die vier Jungs aus dem hohen Norden zu “Ensiferum, Ensiferum”-Chören auf die Bühne, das Mädel trägt eine fetzige Lederkluft. In der folgenden Stunde passiert nicht viel Ungewöhnliches und darüber würden sich die Fans wohl auch eher ärgern, doch der Schluss sollte dennoch eine Überraschung bieten. Den Anfang macht die Truppe mit “Into Battle” vom Album “Iron”, doch gibt es auch neueres Material in Form von “In My Sword I Trust” sowie “Unsung Heroes” vom aktuellen, gleichnamigen Album. Zwei Drittel des Gigs werden mit älterem Material bestritten, darunter obligatorische Stücke wie “From Afar”, “Ahti” und “Twilight Tavern”.

Dem Publikum sind keine Ermüdungserscheinungen anzumerken und routiniert und energiegeladen zieht das Quartett sein Set durch, die Songs hauen dank ordentlichem Sound auch total rein, Haare und Crowdsurfer fliegen in Massen durch die Gegend. Erstaunlich ist immer wieder das technische Können der Musiker, tadellos und makellos. Zum Schluss greifen die Dame und Herren hinter die Bühne, zaubern riesige Sombreros hervor, um diese gleich aufzusetzen und mit dem Cover Song “Bamboleo” die Menschenmenge auf eine ziemlich kuriose Art und Weise zu unterhalten. Wir sehen einen Petri Lindroos als Entertainer, begleitet von seinen treuen Kumpanen Sami Hinkka und Markus Toivonen, welche die Meute anstacheln zu diesem Song zu tanzen. Ein grossartiges Ende, mit einem herrlichen Zwinkern! Wieder einmal mehr bestätigt “Ensiferum”, dass sie eine der wenigen Bands sind, die wirklich in der Lage sind, die Zügel zu führen und zeigen, dass sie der perfekte Headliner für ein Festival sind. So waren “Ensiferum” ein würdiger Headliner, denen man ruhig etwas mehr Zeit hätte geben dürfen, aus ihrem grossen Repertoir zu schöpfen. Zugleich war es ein spassiger und fetziger Abschluss eines rundum gelungenen Festivals, das wirklich nur positive Eindrücke hinterliess. Neben der souveränen und höflichen Security, dem schnellen Service an den Getränkeausgaben, den friedlichen und fröhlichen Festivalbesuchern gilt es abschliessend nochmals die gelungene Organisation hervorzuheben. Das war einfach perfekt!

Setlist Ensiferum:

  1. Into Battle
  2. In My Sword I Trust
  3. Windrider
  4. Unsung Heroes
  5. Burning Leaves
  6. From Afar
  7. Twilight Tavern
  8. Ahti
  9. Tumman virran taa
  10. The Longest Journey (Heathen Throne, Part II)
  11. Zugabe:

  12. Wanderer
  13. Bamboleo (Gipsy Kings Cover)

Heidenfest 2013 - Auf in die Schlacht mit Ensiferum

Das Heidenfest zieht plündernd durchs Land und ist wohl die grösste Viking- und Pagan Metal-Sause dieses Spätsommers. Daher haben sich wohl alle Wikinger, Horntrinker und Schwertträger den letzten Sonntag rot im Kalender angestrichen um sich unter eiserner finnischer Doppelspitzenführung von "Ensiferum" und "Turisas" auf das Schlachtfeld zu stürzen. Mit dabei waren auch zwei deutsche Folk Metal-Instanzen, nämlich "Equilibrium" und "Suidakra" und als Special Guests heizten die finnischen Melodic/Folk Metaller "Frosttide" im legendären Z-7 in Pratteln, Basel so richtig ein. Das Z-7 war praktisch ausverkauft und nicht nur schwermetallischen Trinkhorn-Stemmer waren zugegen, nein, auch die holde Weiblichkeit war erstaunlich gut im Publikum vertreten. Das Heidenfest hat sich in den letzten Jahren zur absoluten Tour-Instanz gemausert und hat auch letzten Sonntag das Z-7 in Schutt und Asche gelegt! Man sollte meinen, dass es den Metalfans hierzulande so langsam reicht mit kleinen Festivals heidnischer Prägung, aber weit gefehlt; das Z-7 ist brechend voll, als an diesem Sonntag Abend das Heidenfest 2013 zum Abfeiern einlädt. Und besagtes Abfeiern ist wohl einer der Hauptgründe dafür, dass das geneigte langhaarige Volk so zahlreich erschienen ist. Ein Bier nach dem anderen wandert über den Tresen und es wird allerorten immer lauter und lustiger. Pünktlich um 18:30 Uhr gehen die Lichter aus und die Bühne gehört "Frosttide", welche gleich richtig heftig loslegen. Die 5-köpfige Band ist seit 2009 musikalisch aktiv und vermag das Publikum vom ersten Ton an zu begeistern, obwohl die Band auf dem europäischen Festland noch nicht so bekannt ist. Dieser Umstand scheint die Band aber eher zu motivieren und so nutzen die Jungs die halbe Stunde ihres Auftritts um einen ausserordentlich guten Eindruck zu hinterlassen. Die Bühnenpräsenz von Sänger Joni Snoro und Keyboarder Felipe Munoz ist absolut grandios und die ganze Band ist eine absolute Offenbarung an diesem Abend. "Frosttide" lassen keinen Stein auf dem anderen, heizen dem Publikum so richtig ein und es lohnt sich sicherlich, die Herren einmal bei einer anderen Gelegenheit wieder zu sehen. [youtube id="suYJ88ZQnPM" align="center"] Kurz nach sieben betraten die fünf Ruhrpottler von "Suidakra" die Bühne. Für mich war es hier auch das erste Mal, die Herren live zu sehen und was man zu sehen bekam, war absolut stark! Grossartige 40 Minuten mit Songs wie "Inner Sanctum", "Isle of Skye", "Dead Man's Reel", "Pendragon's Fall", "March of Conquest" und "Wartunes" aus ihren letzten Studio-Album liessen einem kaum Luft holen. Sänger Arkadius Antonik hat eine grossartige Bühnenpräsenz und es gelingt ihm, alle Anwesenden völlig in seinen Bann zu ziehen. Das Publikum tobt und bangt was das Zeug hält und falls es jemand gegeben hat, bei dem noch nicht bei "Frosttide" der Funken übergesprungen ist, war spätestens bei "Suidakra" Feuer und Flamme. Eine solche Begeisterung sieht man nicht alle Tage und es wäre zu erwarten gewesen, dass es erst bei "Ensiferum" und "Turisas" so abgeht, doch weit gefehlt, das Quartett aus Düsseldorf brennt das Z-7 bereits jetzt völlig nieder. Insgesamt war dies ein absolut überzeugender Auftritt und die Band hatte mit ihrem fetzigen Sound das Publikum innert kürzester Zeit buchstäblich völlig erobert.…

Heidenfest 2013 - Auf in die Schlacht mit Ensiferum, Turisas, Equilibrium, Suidakra und Frosttide

Atmosphäre - 95%
Performance - 95%
Akustik - 95%
Sichtverhältnisse - 90%
Vor-Ort-Service - 90%
Sanitäre Einrichtungen - 30%
Parkplatzsituation - 75%
Zusammenfassung

Das Heidenfest hat sich in den letzten Jahren zur absoluten Tour-Instanz gemausert und hat das Z-7 in Schutt und Asche gelegt! Ensiferum, Turisas, Equilibrium, Suidakra und Frosttide haben alles gegeben und jede Band war für sich einfach grossartig! Ein rundum gelungenes Festival, das wirklich nur positive Eindrücke hinterliess. Neben der souveränen und höflichen Security, dem schnellen Service an den Getränkeausgaben, den friedlichen und fröhlichen Festivalbesuchern gilt es abschliessend nochmals die gelungene Organisation hervorzuheben. Das war einfach perfekt!

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Um sich auf das heute Abend statt findende Fest einzustimmen, hier eine kleine Youtube Playlist mit über 175 Songs der Bands, die diese Sause veranstalten…

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Am Samstag, den 31. August, machte das Boom Open Air seinem Namen alle Ehre, denn es gab Metal von Eluveitie und Grave Digger. Das Boom Openair ist ein sehr junges Festival im Oberbaselbiet, genauer Diegten, welches vermutlich durch seine frische auf dem Veranstaltungsmarkt des verwöhnten Schweizer Publikums schlicht zu wenig bekannt ist, die Werbung alleine nicht die nötige Aufmerksamkeit erregte und an diesem Wochenende schlicht zu viele andere Events angesagt waren. So zogen diese zwei grossen Namen alleine nicht allzu viele Metalheads an, denn leider waren geschätzt an diesem Abend vielleicht 150 bis 200 Leute anwesend, um die zwei grossartigen Bands abzufeiern. Dies war aber für die Zuschauer kein Grund Trübsal zu blasen und die Konzerte waren alle erste Sahne!

Grave Digger

Mir persönlich war dieser familiäre Rahmen mehr als nur recht, da ich die grossen Konzert-Open-Airs eh nicht sooo mag, für die Veranstalter werden die spärlichen Zuschauer aber eher ein Desaster gewesen sein. Schade, denn das Boom Open Air war wirklich bestens organisiert, den Besuchern fehlte es weder an Speis und Trank, noch an den Sanitären Anlagen und wo andere Festivals mit teueren Cashless Systemen dieses Jahr so ihre Probleme hatten, zeigte das kleine Open Air den grossen Veranstaltern, dass auch mit einer einfachen Streichkarte gearbeitet werden kann, welche man für 50 Franken kaufen konnte, um den Rest des Abends bargeldlos zu bezahlen. Die Location war absolut genial und das Personal äusserst hilfsbereit und freundlich. Da ist es schon sehr bedauerlich, dass die Veranstalter nicht mit mehr Zuschauern beglückt wurden, denn anhand der vorhandenen Besucher werden sich die zwei Tage kaum ausgezahlt haben und die Durchführung eines weiteres Boom Open Air steht damit wohl mehr als nur in den Sternen…

Boom Openair

Den Abend eröffnete um 19:30 Uhr eine Schweizer Premiere, die Frankfurter Quietschboys, welche mit ihrem auf den Punkt gespielten Rock und mit hessischen Mundart gedichteten Texten auf internationale Hits wie “Nothing else matters” von Metallica (Ich werd fetter), “Angie” der Rolling Stones (Hähnche), “Have a nice day” von Bon Jovi (Die sauf ich mir schee) oder “Thunderstruck” von AC/DC (Günther Strack) dem Publikum ordentlich einheizte. Die Jungs machten ihren Job ganz gut, obwohl mir persönlich solche Coverversionen und Comedy- oder Fun-Metal à la J.B.O. weniger zusagen. Der leicht einsetzende Regen, der glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder aufhörte, liess uns dann doch unter das Zelt wechseln und den kulinarischen Angeboten frönen. Um ca. 21:30 Uhr legte dann die Schweizer Celtic Metal-Band Eluveitie los und vermochte wie üblich gleich von Anbeginn die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Da der grösste Teil der vorhandenen Besucher wegen genau dieser Band da waren, wurde dieses Konzert zu einem absoluten Heimspiel und die Band war sichtlich motiviert. Ein sauberes Konzert, bei dem der Funke sofort auf das Publikum übersprang und für die nächsten fast 2 Stunden das Feuer so richtig zum lodern brachte. Wie immer bot Eluveitie eine absolut geniale Show!

Grave Digger

Um ca. 23:30 Uhr wurde es schaurig düster auf der Bühne als der Reaper die Bühne betrat. Mit einem Dudelsack-Intro stimmte uns der Sensenmann auf den Auftritt von Grave Digger ein. Der maskierte Keyboarder Hans-Peter Katzenburg schritt dabei bedächtig über die Bühne und bereitete das Publikum mit dem Intro auf den Titeltrack des aktuellen Albums “Clash of the Gods” vor. Was dann kam, war wirklich mehr als beeindruckend, wenn man sich vor Augen hält, dass Grave Digger seit über 30 Jahren aktiv sind und die Herrschaften allesamt keine 20 mehr sind. Von Beginn an überrollten die Totengräber mit Frontmann Chris Boltendahl das noch vorhandene Publikum, leider waren bereits wieder einige nach dem Auftritt von Eluveitie gegangen. Grave Digger knüppelte sich mit glasklarem Sound und viel Druck durch ihre zahlreichen Klassiker. Auf dem höchst präzisen Rhythmusgerüst von Bassist Jens Becker und Stefan Arnold konnte sich Gitarrist Axel Ritt virtuos austoben. Es war schon erstaunlich, wie blitzsauber Axel die anspruchsvollsten Passagen spielen konnte und dabei keine Minute ruhig hielt, sondern wie ein Derwisch bangte und tobte. Nicht zu vergessen Chris Boltendahl, dessen Reibeisenstimme frischer denn je klang und der körperlich topfit wirkte. Es war eine rundum grandiose Show mit grossem Unterhaltungswert. Die Herren haben Songs quer durch ihre Alben gespielt und zum Schluss gab es noch drei Zugaben. Was die Fans an diesem Abend zu sehen bekamen, war phänomenal. Frontmann und Gründungsmitglied Chris Boltendahl sowie seine Mannen haben die Bühne par excellence gerockt und es wäre den Künstlern sowie dem Veranstalter zu gönnen, wenn das Publikum zahlreicher vorhanden gewesen wäre…

Am Samstag, den 31. August, machte das Boom Open Air seinem Namen alle Ehre, denn es gab Metal von Eluveitie und Grave Digger. Das Boom Openair ist ein sehr junges Festival im Oberbaselbiet, genauer Diegten, welches vermutlich durch seine frische auf dem Veranstaltungsmarkt des verwöhnten Schweizer Publikums schlicht zu wenig bekannt ist, die Werbung alleine nicht die nötige Aufmerksamkeit erregte und an diesem Wochenende schlicht zu viele andere Events angesagt waren. So zogen diese zwei grossen Namen alleine nicht allzu viele Metalheads an, denn leider waren geschätzt an diesem Abend vielleicht 150 bis 200 Leute anwesend, um die zwei grossartigen Bands abzufeiern. Dies war aber für die Zuschauer kein Grund Trübsal zu blasen und die Konzerte waren alle erste Sahne! Mir persönlich war dieser familiäre Rahmen mehr als nur recht, da ich die grossen Konzert-Open-Airs eh nicht sooo mag, für die Veranstalter werden die spärlichen Zuschauer aber eher ein Desaster gewesen sein. Schade, denn das Boom Open Air war wirklich bestens organisiert, den Besuchern fehlte es weder an Speis und Trank, noch an den Sanitären Anlagen und wo andere Festivals mit teueren Cashless Systemen dieses Jahr so ihre Probleme hatten, zeigte das kleine Open Air den grossen Veranstaltern, dass auch mit einer einfachen Streichkarte gearbeitet werden kann, welche man für 50 Franken kaufen konnte, um den Rest des Abends bargeldlos zu bezahlen. Die Location war absolut genial und das Personal äusserst hilfsbereit und freundlich. Da ist es schon sehr bedauerlich, dass die Veranstalter nicht mit mehr Zuschauern beglückt wurden, denn anhand der vorhandenen Besucher werden sich die zwei Tage kaum ausgezahlt haben und die Durchführung eines weiteres Boom Open Air steht damit wohl mehr als nur in den Sternen... Den Abend eröffnete um 19:30 Uhr eine Schweizer Premiere, die Frankfurter Quietschboys, welche mit ihrem auf den Punkt gespielten Rock und mit hessischen Mundart gedichteten Texten auf internationale Hits wie "Nothing else matters" von Metallica (Ich werd fetter), "Angie" der Rolling Stones (Hähnche), "Have a nice day" von Bon Jovi (Die sauf ich mir schee) oder "Thunderstruck" von AC/DC (Günther Strack) dem Publikum ordentlich einheizte. Die Jungs machten ihren Job ganz gut, obwohl mir persönlich solche Coverversionen und Comedy- oder Fun-Metal à la J.B.O. weniger zusagen. Der leicht einsetzende Regen, der glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder aufhörte, liess uns dann doch unter das Zelt wechseln und den kulinarischen Angeboten frönen. Um ca. 21:30 Uhr legte dann die Schweizer Celtic Metal-Band Eluveitie los und vermochte wie üblich gleich von Anbeginn die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Da der grösste Teil der vorhandenen Besucher wegen genau dieser Band da waren, wurde dieses Konzert zu einem absoluten Heimspiel und die Band war sichtlich motiviert. Ein sauberes Konzert, bei dem der Funke sofort auf das Publikum übersprang und für die nächsten fast 2 Stunden das Feuer so richtig zum lodern brachte. Wie immer bot Eluveitie eine absolut geniale Show! Um ca. 23:30 Uhr wurde es schaurig düster auf der Bühne als der Reaper die Bühne betrat. Mit einem Dudelsack-Intro stimmte uns der Sensenmann auf…

Grave Digger am Boom Openair

Atmosphäre - 95%
Performance - 95%
Akustik - 90%
Sichtverhältnisse - 100%
Vor-Ort-Service - 90%
Sanitäre Einrichtungen - 80%
Parkplatzsituation - 85%
Zusammenfassung

Das Boom Openair ist ein sehr junges Festival im Oberbaselbiet, welches vermutlich durch seine Frische auf dem Veranstaltungsmarkt des verwöhnten Schweizer Publikums schlicht zu wenig bekannt ist. So zogen die grossen Namen alleine nicht allzu viele Metalheads an, denn leider waren geschätzt an diesem Abend vielleicht 150 bis 200 Leute anwesend, um die grossartigen Bands abzufeiern. Dies war aber für die Zuschauer kein Grund Trübsal zu blasen und die Konzerte waren alle erste Sahne! Es war eine rundum grandiose Show mit grossem Unterhaltungswert. Die Bands haben Songs quer durch ihre Alben gespielt und was die Fans an diesem Abend zu sehen bekamen, war phänomenal. Es wäre den Künstlern sowie dem Veranstalter zu gönnen gewesen, wenn das Publikum zahlreicher vorhanden gewesen wäre...

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“Ist das noch Punkrock, wenn euer Lieblingslied in den Charts ist?”, fragen Die Ärzte in einem ihrer neuesten Songs und die Antwort wird gleich mit dazu geliefert: “Ich glaube nicht!” Dieser Meinung bin ich auch, doch Die Toten Hosen vermochten dennoch zu überzeugen. Gut möglich, dass Die Ärzte beim Dichten dieser Zeilen an die Fans der Truppe aus Düsseldorf gedacht haben. Und die Frage ist berechtigt! So erfolgreich wie die Band aus Düsseldorf ist derzeit im deutschsprachigen Raum nur noch der Schlager-Graf von Unheilig. Punk lehnte sich vor Urzeiten mal gegen den gesellschaftlichen Konsens auf, doch diese deutschrockige Bierseligkeit, welche die Hosen auf dem Gurten zelebrieren, ist wohl eher eine Art Antithese zum Punk. Ich habe die Hosen schon in den Jahren 1996 und 2002 auf dem Gurten genossen und vielleicht liegt es auch daran, dass die Hosen und ich alt geworden sind, wie singt Campino schon wieder? “Ich bin noch keine sechzig und ich bin auch nicht nah dran.” Tja, von wegen nah dran, bei Campino dauert es noch neun Jahre… bei mir zum Glück noch einiges mehr :)

Die Toten Hosen am Gurtenfestival

“No future – das war gestern, seit dem ist viel passiert”, um nochmals den Eingangs erwähnten Song zu zitieren und “das hat so den Coolnessfaktor von einem Gartentraktor” passt auch wieder wie Arsch auf Eimer. Doch kommen wir erst zum zweiten Tag des 30. Gurtenfestivals, dass mit über 20’000 Besuchern ausverkauft war. Auch hier wieder eine kleine parallele zu den Toten Hosen, welche letztes Jahr ihr 30 jähriges bestehen Feiern konnten. Zurück zum Festival, den Tag eröffneten Hoffmaestro aus Schweden mit einer geballten Ladung Ska. Gebändigten Indiepop präsentierten auf der Zeltbühne die Landsmänner von Friska Viljor und ähnlich wechselhaft wie das Konzertprogramm war das Wetter, welches nicht wusste, ob es sich zwischen brütender Wüstenhitze und Regenschauer entscheiden sollte.

Wer dem anbahnenden Regen entgehen wollte, verzog sich unter das Zelt der Zeltbühne, wo die Schweizer Celtic Metal-Band Eluveitie sich mit ihrem Sound deutlich von den bisherigen Acts auf dem Gurten positiv abhebte. Keltische Klänge, Dudelsäcke und urhelvetische Ikonografie lockten eingefleischte Metalheads an, schienen aber den Durchschnitts-Besucher eher zu verwirren. Letztere setzten sich daher doch lieber zu den braven Lunik auf der Waldbühne ab. Sophie Hunger schlägt sich derweil tapfer auf der Hauptbühne und ist sichtlich motiviert. Ein sauberes Konzert, doch der Funke will einfach nicht so recht auf das Publikum überspringen. Vereinzelte Zuschauer schunkeln zu den Big Band-Rythmen mit, aber Hunger kann sie auch mit grössten Anstrengung nicht zu mehr bewegen, denn alles wartet auf Die Toten Hosen.

Die Toten Hosen am Gurtenfestival

Dann, endlich, pünktlich wie angesagt um 21:45 Uhr, hissen die Hosen die Flagge auf der Hauptbühne. Frontmann Campino lässt nichts anbrennen und liefert gleich du Beginn eine Riesenshow ab. Bereits beim zweiten Song lässt er sich von seiner “Security” zu den Fans tragen. Das hungrige Publikum grölt begeistert Hits wie “Ballast der Republik”, “Bonnie & Clyde” und “Alles aus Liebe” mit. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und der Frontsänger Campino erzählt uns aus einer Welt, die sich hauptsächlich um Fussball, Gerstensaft, Party und Passivsport zu drehen scheint. Campino, der sich in letzter Zeit ganz gerne auch als Komponist etwas gar plakativer Zusammengehörigkeits-Hymnen (“An Tagen wie diesen”, “Steh auf, wenn du am Boden bist”) hervortut, ist ein geborener Entertainer.

Der Sänger erwähnt, dass er schon in den Jahren 1996 und 2002 auf dem Gurten war und er sich nach eigenen Angaben gut erinnern kann. Auch erinnerte er sich an den April 2012 anlässlich die Band auf der “Magical-Mystery-Tour” ein privates Hosen-Konzert auf einem Berner Dachboden, der zu einer Privatwohnung gehört, spielte und gemäss Campino eine der besten Parties überhaupt feierten. Ich selbst erinnerte mich daran, als “Die Goldenen Zitronen” ein Konzert in der Reithalle gaben und Campino, Kuddel und Wölli als Freunde mit auf Tour waren. An diesem Abend war es möglich, mit den Jungs ein paar Bierchen zu kippen, zu plaudern und einigen Unsinn anzustellen. Schön wars, doch das ist ewige Zeiten her, kaum mehr wahr und darum zurück zum Konzert. “Paradies” brach die Band plötzlich ab, denn einer (Pasci) im Publikum hielt ein Transparent hoch mit “Campino, das kann ich besser”. Campino bat Pasci aus dem Aargau mit den Worten “Hier ist die Bühne der Verlierer” auf die Bretter die die Welt bedeuten und der Aargauer macht seine Sache gar nicht schlecht und nutzte die einmalig grosse Bühne, um sich in Szene zu setzen und die 15 Minuten Ruhm zu geniessen.

Die Toten Hosen am Gurtenfestival

Weiter gings und spätesten bei “Alles aus Liebe” lagen sich die Menschen hüpfend in den Armen und Pyros werden gezündet, was die grimmigen Broncos in helle Aufregung versetzte. Bald war nicht mehr klar, was Schweiss, was verschüttetes Bier und was Freudentränen waren. Der grosse Headliner am Freitagabend brachte das textsichere Bern an den Rande des Kreislaufzusammenbruchs und bot ein gigantisches und energiegeladenes Konzert. Doch irgendwie war es vor vielen Jahren besser auf dem Güsche und dass machten nicht nur die teilweise fein rausgeputzten über 20’000 Zuschauer aus. Nein, irgendwie ist der Gurten Charme dem absoluten Kommerz gewichen, Freundschaften dem Sehen und Gesehen werden und irgendwie sehen sowieso alle gleich aus und das selbst an diesem Abend. Sie sind sauber, gesund, gutriechend, enthaart, leistungsfähig und unauffällig. Wie langweilig und irgendwie ekelhaft. Wo sind all die Freaks geblieben? Wo sind die Gruftis und Punks? All die “Spinner” kann man an einer Hand abzählen. Nix mehr los, überall gepflegte Menschen, die alle aussehen, als seien sie Mitte 30. Schon wenn sie 20 sind, sehen sie so aus. Wenn sie crazy sind, tragen sie Bärte und Hüte und ein Hosen Shirt.

Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht! - Die Toten Hosen am Gurtenfestival

Doch was solls, auch hier eine parallele zu der Band – und irgendwie macht es ja trotzdem Spass. Fast zwei Stunden rockte die Band und der stimmungsmässige Höhepunkt der diesjährigen Jubiläumsausgabe erwies sich einmal mehr als Idealbesetzung für ein Festival in diesen Breitengraden. Die gewohnte Spielfreude und Interaktion mit dem Publikum fehlte ebensowenig wie der crowdsurfende Ausflug Campinos zum Mischturm – inklusive bengalischer Fackel auf dessen Dach – und zurück. Der Gurten befindet sich beim Konzert der Toten Hosen im Sing-Along-Rausch, “Hier kommt Alex”, “Wünsch Dir was”, das Ärzte-Cover “Schrei nach Liebe”, “Tage wie diese” und als erste Zugabe den “eisgekühlten Bommerlunder”. Den Rest geben die müden Rebellen dem Gurten mit dem Abzählvers “Zehn kleine Jägermeister” und der amtlichen Verabschiedungshymne “Auf Wiedersehen”. Ganz viel Spektakel, doch was die Toten Hosen bieten hat mit Punk nicht mehr viel am Hut, ist wohl eher zum Schunkelpunk geworden. Macht ja nix, Heino covert mittlerweile auch nen Song von “Die Ärzte”, wird schon alles passen, ansonsten wird es passend “gemacht”… Bist du noch Punkrock?

Setlist der Toten Hosen am Gurtenfestival:

  1. Ballast der Republik
  2. Altes Fieber
  3. Auswärtsspiel
  4. Das ist der Moment
  5. Alles was war
  6. Heute hier, morgen dort
    (Hannes Wader Cover)
  7. Bonnie & Clyde
  8. Paradies
    (Kann es Pasci besser?)
  9. Niemals einer Meinung
  10. Alles aus Liebe
  11. Pushed Again
  12. Schrei nach Liebe
    (Die Ärzte Cover)
  13. Liebeslied
  14. Steh auf, wenn du am Boden bist
  15. Hier kommt Alex
  16. Wünsch dir was
  17. Tage wie diese
  18. Encore:

  19. Eisgekühlter Bommerlunder
  20. Alles wird vorübergehen
  21. Far Far Away
    (Slade Cover)
  22. Zehn kleine Jägermeister
  23. Schönen Gruss, auf Wiederseh’n
  24. Encore 2:

  25. Draußen vor der Tür
  26. Wort zum Sonntag
    (Campino Croudsurfing)
  27. Bis zum bitteren Ende
    (Campino Surfing Back)
  28. You’ll Never Walk Alone
    (Gerry & The Pacemakers cover)
"Ist das noch Punkrock, wenn euer Lieblingslied in den Charts ist?", fragen Die Ärzte in einem ihrer neuesten Songs und die Antwort wird gleich mit dazu geliefert: "Ich glaube nicht!" Dieser Meinung bin ich auch, doch Die Toten Hosen vermochten dennoch zu überzeugen. Gut möglich, dass Die Ärzte beim Dichten dieser Zeilen an die Fans der Truppe aus Düsseldorf gedacht haben. Und die Frage ist berechtigt! So erfolgreich wie die Band aus Düsseldorf ist derzeit im deutschsprachigen Raum nur noch der Schlager-Graf von Unheilig. Punk lehnte sich vor Urzeiten mal gegen den gesellschaftlichen Konsens auf, doch diese deutschrockige Bierseligkeit, welche die Hosen auf dem Gurten zelebrieren, ist wohl eher eine Art Antithese zum Punk. Ich habe die Hosen schon in den Jahren 1996 und 2002 auf dem Gurten genossen und vielleicht liegt es auch daran, dass die Hosen und ich alt geworden sind, wie singt Campino schon wieder? "Ich bin noch keine sechzig und ich bin auch nicht nah dran." Tja, von wegen nah dran, bei Campino dauert es noch neun Jahre... bei mir zum Glück noch einiges mehr :) "No future - das war gestern, seit dem ist viel passiert", um nochmals den Eingangs erwähnten Song zu zitieren und "das hat so den Coolnessfaktor von einem Gartentraktor" passt auch wieder wie Arsch auf Eimer. Doch kommen wir erst zum zweiten Tag des 30. Gurtenfestivals, dass mit über 20'000 Besuchern ausverkauft war. Auch hier wieder eine kleine parallele zu den Toten Hosen, welche letztes Jahr ihr 30 jähriges bestehen Feiern konnten. Zurück zum Festival, den Tag eröffneten Hoffmaestro aus Schweden mit einer geballten Ladung Ska. Gebändigten Indiepop präsentierten auf der Zeltbühne die Landsmänner von Friska Viljor und ähnlich wechselhaft wie das Konzertprogramm war das Wetter, welches nicht wusste, ob es sich zwischen brütender Wüstenhitze und Regenschauer entscheiden sollte. [youtube id="7eQ_xcabiWk" align="center"] Wer dem anbahnenden Regen entgehen wollte, verzog sich unter das Zelt der Zeltbühne, wo die Schweizer Celtic Metal-Band Eluveitie sich mit ihrem Sound deutlich von den bisherigen Acts auf dem Gurten positiv abhebte. Keltische Klänge, Dudelsäcke und urhelvetische Ikonografie lockten eingefleischte Metalheads an, schienen aber den Durchschnitts-Besucher eher zu verwirren. Letztere setzten sich daher doch lieber zu den braven Lunik auf der Waldbühne ab. Sophie Hunger schlägt sich derweil tapfer auf der Hauptbühne und ist sichtlich motiviert. Ein sauberes Konzert, doch der Funke will einfach nicht so recht auf das Publikum überspringen. Vereinzelte Zuschauer schunkeln zu den Big Band-Rythmen mit, aber Hunger kann sie auch mit grössten Anstrengung nicht zu mehr bewegen, denn alles wartet auf Die Toten Hosen. Dann, endlich, pünktlich wie angesagt um 21:45 Uhr, hissen die Hosen die Flagge auf der Hauptbühne. Frontmann Campino lässt nichts anbrennen und liefert gleich du Beginn eine Riesenshow ab. Bereits beim zweiten Song lässt er sich von seiner "Security" zu den Fans tragen. Das hungrige Publikum grölt begeistert Hits wie "Ballast der Republik", "Bonnie & Clyde" und "Alles aus Liebe" mit. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und der Frontsänger Campino erzählt uns aus einer Welt, die sich hauptsächlich um Fussball,…

Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht! - Die Toten Hosen am Gurtenfestival

Atmosphäre - 50%
Performance - 95%
Akustik - 95%
Sichtverhältnisse - 95%
Vor-Ort-Service - 60%
Sanitäre Einrichtungen - 50%
Parkplatzsituation - 30%
Zusammenfassung

Die gewohnte Spielfreude und Interaktion mit dem Publikum fehlte ebensowenig wie der crowdsurfende Ausflug Campinos zum Mischturm - inklusive bengalischer Fackel auf dessen Dach - und zurück. Ganz viel Spektakel, doch was die Toten Hosen bieten hat mit Punk nicht mehr viel am Hut und ist wohl eher zum Schunkelpunk geworden. Macht ja nix, Heino covert mittlerweile auch nen Song von "Die Ärzte". Doch irgendwie war es vor vielen Jahren besser auf dem Güsche und dass machten nicht nur die teilweise fein rausgeputzten über 20'000 Zuschauer aus. Nein, irgendwie ist der Gurten Charme dem absoluten Kommerz gewichen, Freundschaften dem Sehen und Gesehen werden und irgendwie sehen sowieso alle gleich aus und das selbst an diesem Abend. Sie sind sauber, gesund, gutriechend, enthaart, leistungsfähig und unauffällig. Wie langweilig und irgendwie ekelhaft. Wo sind all die Freaks geblieben? Wo sind die Gruftis und Punks? All die "Spinner" kann man an einer Hand abzählen. Nix mehr los, überall gepflegte Menschen, die alle aussehen, als seien sie Mitte 30. Schon wenn sie 20 sind, sehen sie so aus. Wenn sie crazy sind, tragen sie Bärte und Hüte und ein Hosen Shirt.

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An Open Air Festivals soll es ja jeweils hoch her gehen, so dass gewisse Leute kaum noch stehen können, so hab ich mir zumindest sagen lassen. Hier nun der Beweis:

Besoffen am Open Air unterwegs

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Im Jahr 1987 im “Palais de Beaulieu” in Lausanne konnte ich mein erstes Konzert von Depeche Mode sehen, damals bestritt Front 242 den ersten Teil der Show auf der “Music for the Masses” World Tour. 26 Jahre später durfte ich die Herren nun am letzten Freitag auf ihrer “Delta Machine” Tour bewundern und was soll ich sagen, Depeche Mode live ist einfach unbeschreiblich. Mit was vom besten, was ich bislang gehört und gesehen habe. Keine grosse Lightshow oder anderes Spektakel, im Fokus steht die Musik und nichts als die Musik und das ist gut so. Bei herrlichem Wetter begeisterte eine Band in Hochform über zwei Stunden das fast ausverkaufte Berner Stade de Suisse. Wo sonst die Götter des Fussballs ihren Ballzauber zeigen, spielten an diesem Abend die Götter des unverwechselbarem Sounds!

Konzert Review: Depeche Mode im Stade de Suisse, Bern

Im Mai 2013 hat die Band mit der “The Delta Machine”-Tour durch Europas Stadien begonnen, welche sie im Herbst nach Nordamerika führen wird. Als Support ist in Europa die Band “Trentemøller” mit von der Partie. Der dänische DJ und Produzent Anders Trentemøller heimste bis dato zahlreiche Auszeichnungen als Produzent und DJ ein und machte sich einen internationalen Namen als Remixer, u.a. für die “Pet Shop Boys” und 2011 hat er den Hit “Wrong” für Depeche Mode aufgefrischt. Mit dem Dänen haben sich Depeche Mode einen gefragten Musiker ins Boot geholt, der spätestens seit seinem viel gelobten Album “The Last Ressort” (2006) zu den gefragtesten Künstlern gehört und auch an diesem Freitag Abend in Bern absolut zu überzeugen vermochte.

Konzert Review: Depeche Mode im Stade de Suisse, Bern

Depeche Mode, die englische Synthie-Pop-Gruppe mit dem Namen eines französischen Modemagazins, hat sich nach massiven internen Querelen, dem Ausstieg von Keyboarder Alan Wilder Mitte der Neunziger und der Drogensucht und Suizidversuch von Sänger Dave Gahan wiedergefunden und heute haben alle Bandmitglieder den nötigen Freiraum, um sich selbst zu verwirklichen. Einige erfolgreiche Soloalben zeugen von diesem Schritt und das Ganze hat sich auch auf das Songschreiben ausgewirkt. War früher Martin Gore dafür zuständig, wirken heute alle Bandmitglieder mit. Der Auftritt von Depeche Mode am 7. Juni 2013 geriet zu einem wahren Triumphzug für die Band. Ein begeisterungsfähiges und singfreudiges Publikum sorgte von Beginn an für Euphorie auf den Rängen und auf der Bühne. Mit “Welcome To My World” begrüsst Depeche Mode am Freitagabend das Berner Stade de Suisse. Die Geschichte eines Depeche Mode Konzerts ist auch stets die Geschichte der Fans und ihrer sagenhaften Begeisterungsfähigkeit. Mit einem guten Sinn für Spannungsaufbau bringt die Band nach zwei Songs des neuen Albums den ersten Klassiker. Nach einem abstrakten Klangintro, das den Song noch nicht verrät, startet der Ohrwurm “Walking In My Shoes”. Sofort erhebt sich das Publikum auf den Rängen, um mitzusingen und mitzutanzen und die Begeisterung steigert sich noch mit dem folgenden, düster brodelnden “Black Celebration” und “Policy of Truth”.

Der 51-jährige Dave Gahan hat sichtlich Freude an der Atmosphäre, lächelt ins Publikum, tanzt über die Bühne und wackelt lasziv mit dem Hintern, worauf (vornehmlich) die weiblichen Besucher mit lauten Jubel reagieren. Er macht Grimassen und rudert mit den Armen. Einst war er schwer drogenabhängig, Selbstmord gefährdet und krebskrank. Doch am Konzert in Bern strotzt Dave Gahan vor Energie und ist auf der Bühne der Dreh- und Angelpunkt von Depeche Mode. Topfit wetzt er wie ein Irrer über die Bühne und übt sich in Posen der Rockstars. Soundtüftler und Hauptkomponist Martin Gore hielt sich mit wenigen Ausnahmen in der zweiten Reihe und überliess Gahan die Show und Animation. Andrew Fletcher, das dritte Urgestein, blieb ganz im Hintergrund. Unterstützt wurde das Trio von einem Schlagzeuger und einem weiteren Keyboarder. Live hat sich Depeche Mode längst vom reinen Spielart des Synthie-Pop der Anfangszeit wegbewegt und hat sich mit dem Stadionrock versöhnt. Sie, die einst die Gitarre aus der Popmusik verbannten, haben wieder auf das prägende Instrument des Rock zurück gegriffen.

Depeche Mode im Stade de Suisse, Bern

Dave Gahan hat bis jetzt bestechend klar und kräftig gesungen. Bei “Should be Higher” zeigen sich nun Schwächen in den oberen Lagen der Stimme. Doch er strapaziert diese nicht, sondern lässt sie dramatisch abbrechen, was die Wirkung des Textes über Liebe und Lüge noch verstärkt. Darauf folgen von Martin Gore gesungene Songs “Higher Love” und “When The Body Speaks” und diese lassen erkennen, dass Martin ein vielseitigerer und sicherer Sänger ist. Doch Mr. Bewegungslos hinter dem Keyboard, vermag ein voll besetztes Stadion einfach nicht recht zu packen, denn es mangelt seiner Stimme einfach an Charisma und so gehört dieser Part zu den langweiligsten Momenten des Konzerts. Das Publikum gibt sich zwar alle Mühe, sich für seine Songs mit warmherzigen Applaus zu bedanken, aber für ein Stadion sind seine Lieder einfach zu ruhig und vor allem zu lang und die anfängliche Euphorie hat sich wieder gelegt. Mit frischem Gilet erscheint Dave Gahan wieder auf der Bühne und es folgt das schleppende, melancholische “Heaven”, der eindringlichste Song des neuen Albums.

Der Tiefpunkt des ganzen Abends ist die Performance von “Soothe my Soul”. Die alternierenden Vocals zwischen Gahan und Gore funktionieren im dröhenden Live-Sound nicht und sowohl Text als auch Beats wirken flach und unoriginell. Depeche Mode spielen an diesem Abend zwar einige neuere Songs, aber natürlich wartet das Publikum auf die grossen 80er- und 90er-Hits. Depeche Mode könnte die Fans einfach mit originalgetreuen Versionen ihrer zahlreichen Hits begeistern, doch viele der Klassiker interpretiert die mit zwei Gastmusikern verstärkte Band deutlich anders. “A Pain That I’m Used To” wird in einer gradlinig pumpenden Dancefloor-Version dargeboten und auffallend locker und leicht gerät die Version von “A Question Of Time” aus dem Jahr 1986. Und so folgen die Lieder, auf die jeder wartet: “Enjoy The Silence” gerät zur erwarteten Mitsing-Orgie, während “Personal Jesus” extrem langsam beginnt, um dann regelrecht zu explodieren. Im Stück “Goodbye” hingegen verstärken die Musiker den klanglichen Kontrast zwischen bluesiger Gitarre, verzerrtem Electro-Sound und innigem Chorgesang. Stammdesigner Corbijn lässt über die Grossleinwände visuell so einiges an Filmchen und Kamera-Gimicks auf die Fans prasseln: Das Hütchen-Spiel wirkt witzig und die Feuerschwinger sind spektakulär, doch Sachen wie die Hundeparade sind einfach nur doof.

Inzwischen tanzen alle Zuschauer bis in die obersten Reihen und der Jubel kennt keine Grenzen mehr. Es folgen fünf Zugaben, darunter eine epischen Interpretation von “Just Can’t Get Enough»” aus dem Jahr 1981, deren Party-Groove auch an diesem Abend den Fans so richtig einheizt. Doch nach gut zwei Stunden ist es Zeit aufzuhören: Bei “I Feel You” wirkt Dave Gahan heiser und mit “Never Let Me Down Again” ruft Depeche Mode zum Schluss das zwischen Glückseligkeit und Wahnsinn rasende Gefühl in Erinnerung, das die Musiker Ende der 80er Jahre mit dem Welterfolg erlebten. Am Schluss also zwei Klassiker, die das Publikum vollends zum Ausrasten bringen. Um eine solche Stimmung nochmals zu erleben, muss man wohl warten bis zum nächsten Depeche Mode Konzert.

Depeche Mode im Stade de Suisse, Bern

Depeche Mode sind gerade als Liveband ein sicherer Wert und es ist sicher nicht ganz korrekt, Depeche Mode als “Frauenband” zu betiteln, aber der Frauen-Anteil ist weitaus höher als bei anderen Konzerten derselben Grössenordnung. Das liegt wohl zum grössten Teil an Dave, der immer noch eine Ausstrahlung und Bühnenpräsenz besitzt, die problemlos die hintersten Reihen des Berner Stadions erreichten. Der Frontmann fegt nur so über die Bühne, kreist cool die Hüften, stampft mit dem Mikrofonständer auf den Bühnenboden, entblösst seinen Oberkörper und wirkt genauso fit wie vor zwanzig Jahren. Dabei performt er seine Mitmusiker förmlich an die Wand, aber gerade das macht das Trio aus: Vorne tobt das Bühnentier Gahan, flankiert von Martin Gore und Andy Fletcher. Doch viel mehr als “Thank you” und “Come on” bringt auch Dave Gahan an diesem Abend nicht über die Lippen. Lieber dreht er dem Publikum hin und wieder den Rücken zu, blickt über seine rechte Schulter und wirft diesen fordernden, lasziven Blick in die Menge, was natürlich stets mit tosendem Applaus erwidert wird. Man kann sich Dave Gahan einfach nicht entziehen. Grossartig, diese Spielfreude und Dave’s unbändige Energie und dazu stahlte der Personal Jesus mit der Abendsonne um die Wette. Ihn so gutgelaunt zu sehen, tat gut, obwohl er sich mehrmals beim Zürcherpublikum (!) bedankte.

Depeche Mode live ist genial und die Herren hätten noch locker 2 Stunden länger spielen können, denn es fehlten unzählige Hits wie “People are People”, “Blasphemous Rumours”, “World in my Eyes”, “In your Room” um nur einige zu nennen. Was mich aber verwunderte fand nicht auf der Bühne, sondern im Publikum statt: Noch nie habe ich an einem Konzert so viele Sekttrinker, Abendkleid- und Anzugträger gesehen! Früher sah das Publikum noch anders aus: Düsterer, cooler, lässiger – heute gleicht das ganze fast einem Staatsball für Sekttrinker. Doch dank vieler originell arrangierter Oldies war es trotzdem ein runder Abend. Hätten die Drei jetzt noch statt 7 nur 3 neue Käse Lieder gebracht, wäre es wohl das Konzert des Jahres gewesen.

Setlist:

  1. Welcome to my world
  2. Angel
  3. Walking in my shoes
  4. Precious
  5. Black celebration
  6. Policy of truth
  7. Should be higher
  8. Barrel of a gun
  9. Higher love (Martin Gore)
  10. When the body speaks (Martin Gore)
  11. Heaven
  12. Soothe my soul
  13. A pain that I’m used to (Jacques Lu Cont’s Remix)
  14. A qestion of time
  15. Secret to the end
  16. Enjoy the silence
  17. Personal Jesus
  18. Goodbye
  19. Zugabe:

  20. Home (Acoustic)
  21. Halo (Goldfrapp Remix)
  22. Just can’t get enough
  23. I feel you
  24. Never let me down again

Depeche Mode im Stade de Suisse, Bern

Im Jahr 1987 im "Palais de Beaulieu" in Lausanne konnte ich mein erstes Konzert von Depeche Mode sehen, damals bestritt Front 242 den ersten Teil der Show auf der "Music for the Masses" World Tour. 26 Jahre später durfte ich die Herren nun am letzten Freitag auf ihrer "Delta Machine" Tour bewundern und was soll ich sagen, Depeche Mode live ist einfach unbeschreiblich. Mit was vom besten, was ich bislang gehört und gesehen habe. Keine grosse Lightshow oder anderes Spektakel, im Fokus steht die Musik und nichts als die Musik und das ist gut so. Bei herrlichem Wetter begeisterte eine Band in Hochform über zwei Stunden das fast ausverkaufte Berner Stade de Suisse. Wo sonst die Götter des Fussballs ihren Ballzauber zeigen, spielten an diesem Abend die Götter des unverwechselbarem Sounds! Im Mai 2013 hat die Band mit der "The Delta Machine"-Tour durch Europas Stadien begonnen, welche sie im Herbst nach Nordamerika führen wird. Als Support ist in Europa die Band "Trentemøller" mit von der Partie. Der dänische DJ und Produzent Anders Trentemøller heimste bis dato zahlreiche Auszeichnungen als Produzent und DJ ein und machte sich einen internationalen Namen als Remixer, u.a. für die "Pet Shop Boys" und 2011 hat er den Hit "Wrong" für Depeche Mode aufgefrischt. Mit dem Dänen haben sich Depeche Mode einen gefragten Musiker ins Boot geholt, der spätestens seit seinem viel gelobten Album "The Last Ressort" (2006) zu den gefragtesten Künstlern gehört und auch an diesem Freitag Abend in Bern absolut zu überzeugen vermochte. Depeche Mode, die englische Synthie-Pop-Gruppe mit dem Namen eines französischen Modemagazins, hat sich nach massiven internen Querelen, dem Ausstieg von Keyboarder Alan Wilder Mitte der Neunziger und der Drogensucht und Suizidversuch von Sänger Dave Gahan wiedergefunden und heute haben alle Bandmitglieder den nötigen Freiraum, um sich selbst zu verwirklichen. Einige erfolgreiche Soloalben zeugen von diesem Schritt und das Ganze hat sich auch auf das Songschreiben ausgewirkt. War früher Martin Gore dafür zuständig, wirken heute alle Bandmitglieder mit. Der Auftritt von Depeche Mode am 7. Juni 2013 geriet zu einem wahren Triumphzug für die Band. Ein begeisterungsfähiges und singfreudiges Publikum sorgte von Beginn an für Euphorie auf den Rängen und auf der Bühne. Mit "Welcome To My World" begrüsst Depeche Mode am Freitagabend das Berner Stade de Suisse. Die Geschichte eines Depeche Mode Konzerts ist auch stets die Geschichte der Fans und ihrer sagenhaften Begeisterungsfähigkeit. Mit einem guten Sinn für Spannungsaufbau bringt die Band nach zwei Songs des neuen Albums den ersten Klassiker. Nach einem abstrakten Klangintro, das den Song noch nicht verrät, startet der Ohrwurm "Walking In My Shoes". Sofort erhebt sich das Publikum auf den Rängen, um mitzusingen und mitzutanzen und die Begeisterung steigert sich noch mit dem folgenden, düster brodelnden "Black Celebration" und "Policy of Truth". [youtube id="M8NBRF3khBE" align="center"] Der 51-jährige Dave Gahan hat sichtlich Freude an der Atmosphäre, lächelt ins Publikum, tanzt über die Bühne und wackelt lasziv mit dem Hintern, worauf (vornehmlich) die weiblichen Besucher mit lauten Jubel reagieren. Er macht Grimassen und rudert mit den Armen.…

Depeche Mode im Stade de Suisse

Atmosphäre - 75%
Performance - 95%
Akustik - 90%
Sichtverhältnisse - 90%
Vor-Ort-Service - 85%
Sanitäre Einrichtungen - 80%
Parkplatzsituation - 40%
Zusammenfassung

Depeche Mode live ist genial und die Herren hätten noch locker 2 Stunden länger spielen können, denn es fehlten unzählige Hits. Was mich aber verwunderte fand nicht auf der Bühne, sondern im Publikum statt: Noch nie habe ich an einem Konzert so viele Sekttrinker, Abendkleid- und Anzugträger gesehen! Früher sah das Publikum noch anders aus: Düsterer, cooler, lässiger - heute gleicht das ganze fast einem Staatsball für Sekttrinker. Doch dank vieler originell arrangierter Oldies war es trotzdem ein runder Abend. Hätten die Drei jetzt noch statt 7 nur 3 neue Käse Lieder gebracht, wäre es wohl das Konzert des Jahres gewesen. Man kann sich Dave Gahan einfach nicht entziehen. Grossartig, diese Spielfreude und Dave's unbändige Energie und dazu stahlte der Personal Jesus mit der Abendsonne um die Wette. Ihn so gutgelaunt zu sehen, tat gut.

Beurteilung 79%
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Wer weiss, das er weiss – der schweige still, denn wer weiss – weiss auch um die List, die, wer schlau ist – es weiss – und es sagen will ums verrecken nicht niemals vergisst. Denn dem, der es sagt, dem traut man nicht und wer weiss, der weiss auch den Grund, warum man den schätzt, der es weiss und nicht spricht, so – nun weisst du’s – und jetzt halt den Mund!

Die wichtigsten Antworten für den Tontechniker

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Nichts bleibt für die Ewigkeit: Campino & Co. sind längst nicht mehr die anarchischen Punks, die sie früher einmal waren. Die einst zügellose Band hat sich selbst immer mehr Regeln verpasst. Begann ein Konzert früher selten nüchtern, ist Alkohol vor dem Auftritt längst verpönt. Was den Erfolg gefährden könnte, wird verbannt und obwohl ihre aktuelle Tour etwas von Rückschau auf gute alte Zeiten hat und die Punk-Attitüde schon ein bisschen zweifelhaft wirkt, bleiben die Toten Hosen lebende Legenden. Nun sind die Toten Hosen auf Jubiläums-Tour mit Titeln aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte wird das zahlreich erschienene Publikum in der St. Jakobshalle in Basel in den Bann gezogen. Nach dreissig Jahren Punk-Karriere spielten die Toten Hosen am Dienstag im Rahmen der “Der Krach der Republik – Tour” erstmals in Basel. Frontmann Campino trat zwei Stunden lang nicht auf die Bremse und fand sofort den Draht zum Publikum.

Zum bitteren Ende! - Die Toten Hosen: Der Krach der Republik Tour 2012

Als Support war die schwedische Alternative Rock-Band Royal Republic mit am Start. Sänger Adam Grahn, Gitarrist Hannes Irengard, Bassist Jonas Almén und Schlagzeuger Per Andreasson verfügen seit ihrem ersten Album “We Are The Royal” über eine beachtliche Fangemeinde und sind eine absolute Live-Band, zumindest schafften sie es mit ihrer punkigen Rockmusik die Hosen-Fans auf Betriebsemperatur zu bringen. Der Gig an sich war etwas kurz, aber so ist das halt, wenn man als Vorband auf de Bühne steht. Nachdem Royal Republic die Bühne geräumt hatten, folgte eine recht kurze Umbaupause, deren Verstreichen grafisch dargestellt wurde, indem das Reichsadlerskelett, welches an die Leinwand projiziert wurde, langsam nach unten verlief und nach gut 30 Minuten gingen dann endlich die Lichter aus und die Toten Hosen betraten die Bühne. Mit dem Intro “Drei Kreuze (dass wir hier sind)” und dem obligaten Aufzug der “Bis zum bittern Ende” Logos bis unter die Hallendecke, begann die Show der Düsseldorfer Helden.

Die St. Jakobshalle war restlos ausverkauft, als um neun Uhr die Ikonen des Deutschpunk die Bühne stürmten. Dreissig Jahre im Geschäft und k(l)ein bisschen müde, das bewiesen sie vom ersten Ton des Openers “Ballast der Republik”, dem Titelstück ihrer aktuellen CD. Das Logo dazu ist eine Mischung von Bundesadler und Hammer und Zirkel, dem Wappen des untergegangenen Arbeiter und Bauernstaates DDR. Treffender lässt sich die Rolle der Hosen in der Deutschen Musikgeschichte kaum versinnbildlichen. Bereits fünf Minuten nachdem die fünf Musiker die Bühne betraten, sangen rund 9000 in der ausverkauften Halle mit. Viele auf den vollen Sitzplatz Rängen nahmen ihre Plätze gar nie ein: Man sang, man gröhlte, man reckte die Arme, man stampfte. Nicht nur musikalisch war die Band in Topform, auch die gigantische Multimedia-Show auf den riesigen LED Screens im Rücken der Band sorgte für Hühnerhaut.

Es war eine knappe halbe Stunde nach Konzertbeginn, als Sänger Campino auch jene begrüsste, die zum ersten Mal ein Konzert der Toten Hosen besuchten. Viele können es nicht gewesen sein, denen diese Grussworte galten: Die Show der Düsseldorfer Punkrockband, die dieses Jahr ihr dreissigjähriges Bestehen feiert, war ein Heimspiel, ein Triumphzug. Campino und seine Kapelle schmissen für 9000 Fans, ach was, für 9000 Kumpels in der ausverkauften St. Jakobshalle die steilste Punk-Party des Jahres. Campino ist auch mit 50 noch ein begnadeter Entertainer. Ein energiegeladener Punk-Dirigent, der seine Menschenchöre mit dem kleinen Finger im Griff hat, der die ausgezehrte Meute in der ersten Reihe väterlich mit Getränken versorgt und sich selber das Wasser über den nackten Oberkörper kippt. So erlebte ich wie Campino in den Neunzigern auf dem Gurten die Querstrebe des Bühnenaufbaus erklomm und dabei noch sang. Ein anderes Mal verabschiedete sich die Band von der Bühne um etwa 10 Minuten später im Scheinwerferkegel eines ganz anderen Ortes der Halle wiederloszurocken, inmitten von Fanreihen. Und genau dies ist den Toten Hosen wichtig – Fannähe.

Ein bisschen verwundert hatte mich, dass man mit einem der besten Songs des neuen Albums begonnen hat – “Altes Fieber” – ein ganz starkes Stück, welches mir einfach aus dem Herzen spricht. Aber so ist es bei vielen Songs von den Toten Hosen, man erkennt sich wieder… Die erste grosse Überraschung kam für mich dann, als beim Cover von “Schrei nach Liebe”, welches im Original ja bekanntlicherweise von den ehemaligen Rivalen “Die Ärzte” stammt, aus der eigentlichen Textstelle “Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ne Kuschelrock-LP” von Campino gesungen wurde “Zwischen Störkraft und Bushido”. Soviel ich weiss, singen die Ärzte den Song mittlerweile auch in diesem oder ähnlichem Wortlaut, jedenfalls fand ich es gut, dass man mit dieser Textzeile dem Song etwas Aktualität einhauchte anstatt sich immer noch auf die Vergangenheit der Frankfurter Onkelz zu stürzen.

Zum bitteren Ende! - Die Toten Hosen: Der Krach der Republik Tour 2012

Meister Campino und seine treuen Gesellen Breiti, Andi, Kuddel und Vom warfen diesen Abend mit Hits nur so um sich, “Liebeslied”, “Bonnie & Clyde” oder das von Hannes Wader gekaperte “Heute hier, morgen dort”, von “Alex”, “Alles aus Liebe” und “Tage wie diese” ganz zu schweigen. Mit “Hang on Sloopy”, “The Little Drummer Boy” und “You’ll Never Walk Alone” spielten die Hosen an diesem Abend auch noch so einige weitere Coverversionen. Vor der Bühne wurden Fackeln abgebrannt und immer wieder schwenkten viele die Fahne mit dem Bundesadlerskelett. Die Revoluzzer der achtziger Jahre, die unermüdlich gegen gesellschaftliche Konventionen und die rechte Gewalt angesungen haben, die in den Neunzigern zum musikalischen Allgemeingut mutierten sind heute aktueller denn je. Mal reinrassiger Punkrock, mal beschleunigter Hardrock, mal schroffer Sixties Beat, den die Band in die Halle hinauspowerte. Frontmann Campino beschränkte sich auf kurze Überleitungen und stimmliche und körperliche Verausgabung, der Rest der Band auf herrliches Hinrotzen der Songs und das Publikum erwies sich als durch und durch textsicher.

Campino tobt zwei Stunden über die Bühne als gäbe es kein morgen. Wo sich andere Bands mühsam drei Zugaben ableiern, hauten die Hosen drei satte Zugabenblöcke raus, die ein Drittel des Konzerts ausmachten. Selbst nachdem sie mit “Schönen Gruss, auf Wiederseh’n” eigentlich klar signalisiert hatten, dass es jetzt nichts mehr gibt, jubelt das Publikum unermüdlich weiter, bis sie für “Paradies” noch einmal wiederkommen. Dazu holt Campino einen zwölfjährigen Jungen auf die Bühne und lässt ihn mitsingen. Eben doch wie beim Familienkonzert. Wenn aber eine Band, die eine so klare Botschaft von Toleranz und Freiheit vertritt, zu einem Massenphänomen wird, kann man eigentlich nur dankbar sein, dass es läuft, wie es läuft. Glücklicherweise verzichten sie grösstenteils auf die Lieder, die mehr an Schlager als an Rockmusik erinnern, erst ganz am Ende, als schon fast die ganze Herrlichkeit vorbei ist, kommt dann doch noch das unsägliche “Zehn kleine Jägermeister” und wird frenetisch bejubelt.

Setlist:

  1. Ballast der Republik
  2. Altes Fieber
  3. Auswärtsspiel
  4. Du lebst nur einmal (vorher)
  5. Alles was war
  6. Madelaine (aus Lüdenscheid)
  7. Heute hier, morgen dort (Hannes Wader Cover)
  8. Hang On Sloopy (The McCoys Cover)
  9. Bonnie & Clyde
  10. Call Of The Wild
  11. Das ist der Moment
  12. Niemals einer Meinung
  13. Europa
  14. Pushed Again
  15. Schrei nach Liebe (Die Ärzte Cover)
  16. Liebeslied
  17. Steh auf, wenn du am Boden bist
  18. Alles wird vorübergehen
  19. Hier kommt Alex
  20. Wünsch DIR was
  21. Tage wie diese
  22. Encore:

  23. Draussen vor der Tür
  24. Schade, wie kann das passieren?
  25. Alles aus Liebe
  26. Freunde
  27. Encore 2:

  28. The Little Drummer Boy (The Von Trapp Family Singers Cover)
  29. Still, Still, Still
  30. All die ganzen Jahre
  31. Schönen Gruss, auf Wiederseh’n
  32. Encore 3:

  33. Paradies
  34. Zehn kleine Jägermeister
  35. You’ll Never Walk Alone (Gerry & The Pacemakers Cover)

All das bei einem Repertoire, das 15 Alben umfasst. Der Mix aus alten und neuen Liedern kam beim Publikum sehr gut an, der Auftritt an und für sich war ganz grosses Kino vom Anfang bis zum Schluss und bis und mit dem andächtig gefeierten Liverpool-Heiligtum “You’ll Never Walk Alone”. Die Setlist enthielt von echt alten zu ganz neuen sowie von wilden bis romantischen Songs einfach alles. Eine perfekte Mischung aus gutverdaulichem Stoff. Mögen die neuen Lieder etwas weicher, die Texte tiefgründiger und die Gitarrenriffs ein wenig vielfältiger geworden sein – auf der Bühne strahlen die Punkrocker pure Energie aus, spielen ihre Lieder wie üblich schneller als auf der Platte und Campino hetzt über die Bühne fast wie vor zehn, zwanzig Jahren, aber eben nur fast, denn mir sind Konzerte aus früheren Tagen in Erinnerung, bei denen Campino doch noch etwas mehr Power an den Tag legte. Ob dies am Alter liegt, oder daran, dass er durch den Tag bereits Wassertreten musste und an einem Knäckebrot-Test mitmachte, lass ich mal dahingestellt, schliesslich ist auch Campino keine Zwanzig mehr und dies tat dem Auftritt der Hosen keinerlei Abbruch. Nachfolgend ein kleiner Zusammenschnitt der gerade genannten Aktivitäten. An Tagen wie diesen… wenn sich eine der besten Livebands überhaupt zu einer intensiven und schweisstreibenden Party trifft… wünscht man sich Unendlichkeit.

Nichts bleibt für die Ewigkeit: Campino & Co. sind längst nicht mehr die anarchischen Punks, die sie früher einmal waren. Die einst zügellose Band hat sich selbst immer mehr Regeln verpasst. Begann ein Konzert früher selten nüchtern, ist Alkohol vor dem Auftritt längst verpönt. Was den Erfolg gefährden könnte, wird verbannt und obwohl ihre aktuelle Tour etwas von Rückschau auf gute alte Zeiten hat und die Punk-Attitüde schon ein bisschen zweifelhaft wirkt, bleiben die Toten Hosen lebende Legenden. Nun sind die Toten Hosen auf Jubiläums-Tour mit Titeln aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte wird das zahlreich erschienene Publikum in der St. Jakobshalle in Basel in den Bann gezogen. Nach dreissig Jahren Punk-Karriere spielten die Toten Hosen am Dienstag im Rahmen der "Der Krach der Republik – Tour" erstmals in Basel. Frontmann Campino trat zwei Stunden lang nicht auf die Bremse und fand sofort den Draht zum Publikum. Als Support war die schwedische Alternative Rock-Band Royal Republic mit am Start. Sänger Adam Grahn, Gitarrist Hannes Irengard, Bassist Jonas Almén und Schlagzeuger Per Andreasson verfügen seit ihrem ersten Album "We Are The Royal" über eine beachtliche Fangemeinde und sind eine absolute Live-Band, zumindest schafften sie es mit ihrer punkigen Rockmusik die Hosen-Fans auf Betriebsemperatur zu bringen. Der Gig an sich war etwas kurz, aber so ist das halt, wenn man als Vorband auf de Bühne steht. Nachdem Royal Republic die Bühne geräumt hatten, folgte eine recht kurze Umbaupause, deren Verstreichen grafisch dargestellt wurde, indem das Reichsadlerskelett, welches an die Leinwand projiziert wurde, langsam nach unten verlief und nach gut 30 Minuten gingen dann endlich die Lichter aus und die Toten Hosen betraten die Bühne. Mit dem Intro "Drei Kreuze (dass wir hier sind)" und dem obligaten Aufzug der "Bis zum bittern Ende" Logos bis unter die Hallendecke, begann die Show der Düsseldorfer Helden. [youtube id="s02CXUk7kdU" align="center"] Die St. Jakobshalle war restlos ausverkauft, als um neun Uhr die Ikonen des Deutschpunk die Bühne stürmten. Dreissig Jahre im Geschäft und k(l)ein bisschen müde, das bewiesen sie vom ersten Ton des Openers "Ballast der Republik", dem Titelstück ihrer aktuellen CD. Das Logo dazu ist eine Mischung von Bundesadler und Hammer und Zirkel, dem Wappen des untergegangenen Arbeiter und Bauernstaates DDR. Treffender lässt sich die Rolle der Hosen in der Deutschen Musikgeschichte kaum versinnbildlichen. Bereits fünf Minuten nachdem die fünf Musiker die Bühne betraten, sangen rund 9000 in der ausverkauften Halle mit. Viele auf den vollen Sitzplatz Rängen nahmen ihre Plätze gar nie ein: Man sang, man gröhlte, man reckte die Arme, man stampfte. Nicht nur musikalisch war die Band in Topform, auch die gigantische Multimedia-Show auf den riesigen LED Screens im Rücken der Band sorgte für Hühnerhaut. [youtube id="W2Hh6KFZ6nE" align="center"] Es war eine knappe halbe Stunde nach Konzertbeginn, als Sänger Campino auch jene begrüsste, die zum ersten Mal ein Konzert der Toten Hosen besuchten. Viele können es nicht gewesen sein, denen diese Grussworte galten: Die Show der Düsseldorfer Punkrockband, die dieses Jahr ihr dreissigjähriges Bestehen feiert, war ein Heimspiel, ein Triumphzug. Campino und seine Kapelle schmissen für…

Bis zum bitteren Ende! - Die Toten Hosen in Basel

Atmosphäre - 90%
Performance - 95%
Akustik - 95%
Sichtverhältnisse - 95%
Vor-Ort-Service - 60%
Sanitäre Einrichtungen - 70%
Parkplatzsituation - 40%
Zusammenfassung

Der Mix aus alten und neuen Liedern kam beim Publikum sehr gut an, der Auftritt an und für sich war ganz grosses Kino vom Anfang bis zum Schluss und bis und mit dem andächtig gefeierten Liverpool-Heiligtum "You'll Never Walk Alone". Die Setlist enthielt von echt alten zu ganz neuen sowie von wilden bis romantischen Songs einfach alles. Eine perfekte Mischung aus gutverdaulichem Stoff. Mögen die neuen Lieder etwas weicher, die Texte tiefgründiger und die Gitarrenriffs ein wenig vielfältiger geworden sein - auf der Bühne strahlen die Punkrocker pure Energie aus, spielen ihre Lieder wie üblich schneller als auf der Platte und Campino hetzt über die Bühne fast wie vor zehn, zwanzig Jahren, aber eben nur fast, denn mir sind Konzerte aus früheren Tagen in Erinnerung, bei denen Campino doch noch etwas mehr Power an den Tag legte. An Tagen wie diesen... wenn sich eine der besten Livebands überhaupt zu einer intensiven und schweisstreibenden Party trifft... wünscht man sich Unendlichkeit.

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ie Toten Hosen

Yeeeeah, heute ist es endlich soweit, die toten Hosen machen Basel unsicher und rufen dazu auf, die Zeit mit ihnen zu verschwenden und für alle daheim gebliebenen gibts nachfolgend genau diesen Hymne aus vergangenen Tagen. Hach waren das noch Zeiten…



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