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Zu grossen Teilen ist dies eine Tatsache und ob dass mit der Drohne wirklich umgesetzt wird, liegt sicherlich in den Händen der Veranstalter, die Idee alleine ist aber witzig…

Evolution auf Konzerten

Am 20. Juni brachten Slash feat. Myles Kennedy And The Conspirators das Hellfest zum Brodeln, das Konzert könnt ihr euch nun in voller Länge im folgenden Video ansehen.

Setlist beim Hellfest:

  1. 0You’re A Lie
  2. Nightrain (Guns’n’Roses-Cover)
  3. Avalon
  4. Back From Cali
  5. You Could Be Mine (Guns’n’Roses-Cover)
  6. The Dissident
  7. World On Fire
  8. Anastasia
  9. Sweet Child O‘ Mine (Guns’n’Roses-Cover)
  10. Slither (VELVET Revolver-Cover)
  11. Paradise City (Guns’n’Roses-Cover)

Wer wissen will, wie souveränes Verhalten im Ausnahmezustand aussieht, der muss sich an die britischen Ordnungshüter halten. Dieser 35 Sekunden Clip bewiest: Hier sind Profis am Werk, die wissen was zu tun ist, wenn es Alarm gibt. Ob sie vorher auf Drogensuche waren, wissen wir leider nicht, könnte aber sein…

Es gibt ja etliche coole Typen auf den Bühnen dieser Welt. Der Sänger David Achter de Molen von der niederländischen Punkband John Coffey hat auf dem Pinkpop Festival 2015 in Holland seine Fans mit einer unglaublichen Aktion zum Jubeln gebracht. Beim Crowdsurfen im Publikum machte er kurz Halt und während er auf den Schultern der Leute stand, flog aus der Ferne ein Becher Bier in seine Richtung. Diesen fing er cool mit der Hand auf, trank den Becher leer und warf ihn ganz lässig weg. Als ob es das Normalste auf der Welt wäre.

Das sich in den Reihen von Metalheads zuhauf Terroristen tummeln, scheint sich nun auch bei der englischen Polizei rumgesprochen zu haben. Wie anders lässt es sich erklären, dass am englischen Download-Festival im Donnington-Park die Polizei das Gesicht jedes einzelnen von 90’000 Festivalbesuchern gescannt und mit einer Liste gesuchter Krimineller aus ganz Europa abgeglichen hat.

Polizei scannt das Gesicht jedes einzelnen von 90'000 Festivalbesuchern

Die Beamten sprechen von „strategisch platzierten“ Kameras, die am Wochenende die rund 90’000 Besucher überwacht haben. Dies war das erste Mal, dass Gesichtserkennung in England im Freien angewendet wurde, berichten englische Medien. Dabei muss die Polizei selber zugeben, dass die Zahl der Straftaten während des Festivals stark rückläufig ist: Wurden im Jahr 2013 noch 301 Verstösse verzeichnet, sank die Zahl im Jahr 2014 auf 91 – ein Rückgang von rund 70 Prozent. „Für die definitiven Zahlen aus dem laufenden Jahr ist es noch zu früh. Aber einiges deutet darauf hin, dass die Zahl tief geblieben ist“, sagt ein Polizeivertreter der BBC.

Der Fall könnte Schule machen. Die Technologie ist eine effiziente Massnahme gegen Kriminelle. Zudem werde mit den Daten sorgfältig umgegangen, diese seien bereits wieder gelöscht worden. Der „Independent“ berichtet, dass sich bereits diverse weitere Organisatoren nach der Technologie erkundigt hätten. Weniger Verständnis haben Englands Datenschützer für die Massnahme. Renate Samson von der Initiative „Big Brother Watch“ sagte, sie sei in „grosser Sorge“. Sie sei auch der Meinung, dass Kriminelle geschnappt werden müssten. „Ich finde aber, dass Unschuldige an Festivals, für die sie viel Geld bezahlt haben, eine gute Zeit haben sollten, ohne sich ständig von der Polizei überwacht fühlen zu müssen“, zitiert die BBC Samson.

Somit kann man dies als einen der ersten Versuche verbuchen, grossflächig Teile der Bevölkerung via Gesichtserkennung zu überwachen. Da ist das Argument mit den Kriminellen nur vorgeschoben. Die ganze Show dient hauptsächlich dazu, die Zuverlässigkeit der Technik zu testen.
(via Vice)

Ein Grundschullehrer namens Demon und ein Taxifahrer namens Starchild machen zusammen mit Spaceman und Catman seit 40 Jahren die Bühnen dieser Welt unsicher. Demon, Starchild, Spaceman und Catman sind nicht etwa Marvels neuste Superhelden, sondern Rockstars – und zwar die mit dem wohl bekanntesten Make-Up der Musikgeschichte. Feuerfontänen, Donnerschläge, Laser, Stroboskopblitze, Kunstblut und Konfetti: Wenn Kiss auftreten, wird alles aufgefahren, was der Entertainment-Fundus hergibt. So war es auch auf der Jubiläums-Show vom letzten Mittwoch, den 10. Juni und die maskierte Band führte ihre herrlich anachronistische Show im Zürcher Hallenstadion auf.

Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich

Das ich nochmals Kiss sehe, hätte ich mir bis vor kurzem nicht mal träumen lassen. Einmal im Leben sollte man Kiss gesehen haben, schon nur wegen der grossartigen Show und das war 2010 der Grund, dass ich damals einer Veranstaltung der Herren beiwohnte. Kiss, die kannte ich noch aus frühester Jugend, aber eigentlich waren das doch immer nur die Poster und Patches von den anderen, ich selbst hielt ich es mit Black Sabbath, Jimy Hendrix, AC/DC und Punkrock. Das waren damals noch Zeiten, in denen man sich entscheiden musste zwischen Bands, zwischen Musikrichtungen, zwischen Lebenseinstellungen und Image. Kiss, das waren die geschminkten Herren in Leggings, das waren die Poser und wenn ich ehrlich bin, war ich nie viel weiter in diese Band vorgedrungen als bis zu „Detroit Rock City“, „I was made for loving you“ und „Lick it up“. Nun aber hat man mich wieder ins Hallenstadion gebracht und vorne stehen wirklich und wahrhaftig Kiss, eine Stimme kündigt die Best Ager in ihren Comic-Kostümierungen als die heissteste Band der Welt an. Schon vor dem Konzert konnte man zahllose Kiss-T-Shirts und diverse kissig angemalte Menschen zwischen fünf und achtzig ausmachen.

Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich

Ein Konzert von Kiss ist immer auch ein Defilée der Fans. Manche vor dem Hallenstadion hatten am Mittwoch die Buchstaben K, I, S und S auf die nackten Oberkörper gemalt. Andere, der jüngste davon war geschätzte fünf Jahre alt, trugen die gleichen Gesichter wie ihre Idole. Dutzende Spacemans und Catmans standen da rum und bei verliebten Paaren konnte es gar geschehen, dass Starchild Demon innig küsste. Es gab aber auch eine Zeit in der über vierzigjährigen Karriere von Kiss, in der die vier Charaktere dieser Band keine fantastischen Rock’n’Roll-Wesen mehr sein wollten. Es war die Zeit der Neunzigerjahre, als sie sich ihrer Schminkmasken entledigten, ein „MTV Unplugged“-Konzert spielten und mit dieser Demaskierung kurzzeitig alles verrieten, was ihre Band zur Weltmarke machte. Eine Weltmarke, die im Herbst 2014 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurde und zu der neben zahllosen Merchandise-Artikeln mittlerweile auch das Indoor-Profifootballteam LA Kiss gehört. Zwanzig Studioalben haben sie in ihrer Karriere veröffentlicht und mehr als 100 Millionen Platten verkauft. In den US&A sind sie die Band mit den meisten goldenen Schallplatten. Weltweit stehen sie auf Platz drei, hinter den Beatles und den Rolling Stones.

Als der schwarze Vorhang mit dem vierbuchstabigen Band-Logo fällt, bricht am Mittwochabend die Hölle los. Laserblitze greifen zuckend durch die Halle. Flammenwerfer züngeln hitzig im Takt. Böller detonieren und gleissende Feuerwerkskörper zischen über die Bühne. Man sieht den Bandmitgliedern hinter all der Schminke ihr Alter nicht an. Gene Simmons ist 66 Jahre alt, Paul Stanley 63, die anderen beiden sind in den Fünfzigern. In gespieltem jugendlichem Übermut staksen die routinierten Musiker über die Bühne. Man hört freilich, wie sie sich bei manchen Stücken stimmlich etwas schwer tun, vorallem Paul Stanley. Ihm merkt man die Spuren des Alters nicht nur stimmlich an, auf der Bühne hilft ein Teleprompter bei möglichen Texthängern. Aber egal. Der Stimmung tut das keinen Abbruch und die ist von Anfang an bombastisch! In diesem überbordenden Feuerzauber stehen die vier Musiker mit ihren schwarz-weiss geschminkten Horror-Clownsfratzen, in schwarzledernen, nietenbesetzten Phantasiekostümen samt gefährlich hoher Plateausohlen und hämmern den rund 7000 Besuchern ihren Song „Detroit Rock City“ um die Ohren.

Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich

Nichts ist nachvollziehbarer, als sich in durchgeknallte Kostüme zu kleiden, wenn man sich schon auf eine Bühne vor ein paar tausend Menschen hinstellen will, die Spass begehren. Kiss regieren die Halle, es ist, als ob ihre Superkostüme ihnen Superkräfte verleihen und mit grosser Hochachtung sieht man ihnen bei ihrer Arbeit zu. In regelmässigen Abständen, wenn er seine Projektion auf den Riesenscreens weiss, fährt Gene Simmons die berühmte Zunge aus, welche nichts an Länge und Elastizität eingebüsst zu haben scheint, rollt mit den Augen, schleckt unter beeindruckendem Speichelfluss die Saiten seiner Gitarre ab, lässt sich an einer Stelle auch das klassische, nie verstandene und nie erklärte Kunstblut martialisch aus den gut geblähten Backen fliessen und während er auf diese Weise wieder das unkaputtbare Schwarzweissmonster aus den siebziger Jahren ist, so ist er doch immer auch ein augenzwinkernder Herr in den besten Jahren, der der Welt gibt, was die Welt ganz offensichtlich verlangt: Rockmusik, die Partymusik sein will und daher vor allem Nonsens sein muss. Herrlich anachronistische Unterhaltung zu durchaus auch sehr dumpfem Hardrock. Aber es ist nun mal so: Kiss, das bedeutet auch im Jahr 2015 Entertainment, das dem heiligen Ernst und der heiligen Echtheit des landläufigen Rockhelden mit Schminke begegnet.

Kiss ist Kult. Kiss ist Party. Kiss sorgen eineinhalb Stunden lang für ausgelassenes Staunen. „Deuce“ spielen sie und „Psycho Circus“. Der Sound ist bestens, die Lautstärke enorm, der pyrotechnische Einsatz von verschwenderischem Ausmass. Die imposante Bühne mit ihren gestochen scharfen LED-Bildwänden, Scheinwerferbatterien und hydraulischen Podesten nimmt die ganze Hallenbreite ein. Während des wunderbar selbstironischen Bandschlagers „Do You Love Me“ wird auf der Videowand die Geschichte dieser Rock’n’Roll-Institution im Bildschnelldurchlauf erzählt: Die Anfänge in New York, die goldenen Jahre mitsamt den bahnbrechenden Pyroshows, den Groupies und der Privatjet mit dem Kiss-Schriftzug und nach den ungeschminkten Jahren glücklicherweise der Weg zurück zum tollen Mummenschanz der klassischen Bandvergangenheit. Kiss machen aus der Rockbühne einen Rummelplatz samt Geisterbahn und Kuriositätenkabinett. Gemeinsam inszenieren sie eine Rock’n’Roll-Revue, bei der an nichts gespart wurde. Nun ja, ein wenig vielleicht bei der Musik. Der Auftritt der US-Legenden bietet mächtig Futter für die Augen und der Pyrotechniker ist genau genommen das fünfte Bandmitglied.

Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich

Im Vergleich zu manchen Kollegen haben Kiss einen grossen Vorteil. Kiss-Lieder sind eigentlich Popsongs, sie stehen – zugespitzt gesagt – Abba näher als Led Zeppelin. Klar, es geht etwas härter zu in den knackigen Riff-Songs, aber die schlitzohrig kalkulierte Wirkung ist durchaus ähnlich. Und Kiss haben das, was sie tun, völlig im Griff, die Fans im Hallenstadion waren jedenfalls hochzufrieden. Für sein Bass-Solo vor „God of Thunder“ hängt sich Simmons, der Mann mit der längsten Zunge des Rock’n’Rolls, ein Instrument in Form eines Schlächterbeils um. Er hämmert kurz und knackig in die Saiten. Er blickt in seinem Kabuki-Comic-Gesicht grimmig in die Ferne. Und spuckt im giftgrünen Scheinwerferlicht, alle haben darauf gewartet, mit Kunstblut um sich. Bisschen eklig, aber kommt immer wieder gut an – so wie auch die Arschwackler und Tanzschritte seines Komplizen Paul Stanley. Bei „I Love It Loud“ skandiert alles und irgendwann schwebt Paul Stanley bei „Love Gun“ tatsächlich über die Köpfe des Publikums Richtung Hallenmitte, wo er auf einem Podest einfach weiterspielt. Ein kleines bisschen „Rocky Horror Show“ mit Monstern zum Knuddeln und einer bewegungsintensiven Musik, die in ihrer klassischen Einfachheit vertraut und eingängig daherkommt.

Kiss bieten sich und uns einen schönen, sinnlosen Abend und lassen es nicht nur blitzen und nebeln, sondern auch arhythmisch böllern auf der Bühne, sie fahren immer noch mitsamt ihren Instrumenten auf absurden Hebebühnen in die Höhe, um dort weiter zu musizieren, Funkenpracht schiesst ihnen aus den Gitarrenhälsen, Konfetti flattert in weissen Wirbeln auf die Menschen hernieder, Stösse heisser Luft erreichen einen im selben Moment, da man die Feuersalven auf der Bühne hochschiessen sieht, der Bierbecher zittert von den Bässen, Charmeur Paul Stanley an der Gitarre wirft im Sekundentakt Plektrons in die Menge. So gut ist die Laune, die Kiss verbreiten, dass einem nicht einmal die eigene vorgeprägte Unterbildung zum Problem wird. Immer kann man problemlos einstimmen in die Songs und irgendwas mit Party, Rock’n’Roll und Liebe rausgrölen. Ein prima Abend, an den man noch gerne lange denken wird. Klar, Zürich hat „die besten Fans“ oder jedenfalls „die lautesten“, und natürlich rollt die Showmaschine Kiss so gut geölt wie routiniert ab, aber äusserst unterhaltsam ist das trotzdem. Die Mutter aller Poser-Rockbands zählt seit 40 Jahren zu den beliebtesten Live-Bands der Welt und dass mit gutem Grund, denn Kiss setzen alles in Bewegung, um der treuesten Fangemeinden des Showgeschäfts „The Kiss Army“, die ihnen über Höhen und Tiefen bis heute die Treue hält, dass zu bieten, was sie verrdienen: „You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world!“

Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich

Setlist:

  1. Intro: Good Times Bad Times (Led Zeppelin Song)
  2. Detroit Rock City
  3. Deuce
  4. Psycho Circus
  5. Creatures of the Night
  6. I Love It Loud
  7. War Machine (Gene spits Fire)
  8. Do You Love Me
  9. Hell or Hallelujah
  10. Calling Dr. Love
  11. Lick It Up (with „Won’t Get Fooled Again“)
  12. Bass Solo (Gene spits Blood and flies)
  13. God of Thunder
  14. Cold Gin
  15. Love Gun (Paul flies out to the Crowd)
  16. Black Diamond
  17. Zugabe:

  18. Shout It Out Loud
  19. I Was Made for Lovin‘ You
  20. Rock and Roll All Nite
  21. God Gave Rock’n’Roll to You II
Creatures of the Night: The KISS 40th Anniversary World Tour in Zürich
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Im beliebtesten Metal-Schuppen der Schweiz, dem Z7 in Pratteln, gaben sich Ende Mai 2015 die Thrash-Metal-Urgesteine Exodus und Testament die Ehre. Obwohl sie in der Szene genauso respektiert sind wie Metallica, Megadeth, Slayer und Anthrax, haben sie nie den grossen Erfolg erleben dürfen und das obwohl die von Kirk Hammett und Schlagzeuger Tom Hunting gegründeten Exodus für viele als die eigentlichen Erfinder des Metal-Subgenres gelten, das Anfang der 80er Jahre in der Bay-Area an US-Westküste ihren Anfang nahm und bald zu einem weltweiten Siegeszug antrat. „Exodus“ wurden von Kirk Hammett mitgegründet, der dann nach dem Rauswurf eines gewissen Dave Mustaine (der bekanntlich Megedeth gründete) zu Metallica ging. Ein paar Jahre später stiess Steve Souza von Testament (die damals noch Legacy hiessen) zu Exodus, sein Nachfolger war ein gewisser Chuck Billy. Und Exodus Gitarrist Gary Holt ist inzwischen festes Mitglied bei Slayer und tritt dort in die grossen Fussstapfen des 2013 verstorbenen Jeff Hannemann. Also alles in allem an diesem Abend ein grosses Klassentreffen und die zwei Pioniere des Thrash-Metals liessen das Z7 bis in die Grundmauern beben!

Dark Roots of Trash: Testament und Exodus lassen das Z7 beben

Old-School-Thrash-Enthusiasten kamen an diesem Abend völlig auf ihre Kosten. An der Garderobe manches Fans konnte man durchaus meinen, zurück ins Jahr 1986 versetzt worden zu sein. Die Melodic-Metal-Band „Lotrify“ aus Baden hatte bereits früher als angekündigt gespielt und so haben leider etlichen Besucher, einschliesslich des Autors dieser Zeilen, den Auftritt verpasst. Nach einer Umbaupause wurde es dann um einiges härter und um 20:15 Uhr nahm unter grossem Jubel Exodus-Drummer John Hunting hinter seinem Kit Platz und los gings! Dies leider ohne den langjährigen Gitarristen Gary Holt, der wegen Verpflichtungen bei „Slayer“ von Kragen Lum von „Heathen“ ersetzt wurde. Der deutlich gealterte und verbraucht wirkende Steve Souza, der vor rund einem Jahr in die Band zurückkehrte, eröffnete mit „Black 13″ vom aktuellen Album „Blood in, Blood out“ den Abend. Die fünf Herren sind richtig laut, aber weder der Sound noch das Licht setzt die Band zu Beginn gekonnt in Szene. Dumpf ist der Klang und das Licht ist kaum wahrnehmbar. Die meisten Fans liessen sich davon aber nicht irritieren und feierten eine Metal-Party, die aber noch ordentlich Luft nach oben hatte. Auch bei den Thrash-Krachern „Iconoclasm“ und „Children Of A Worthless God“ sitzen die Riffs zwar punktgenau und die Band wirkt bemüht, selbst Souza, der gestenreich versucht, die Stimmung weiter anzuheizen, doch irgendwie springt der Funken nicht über.

Dark Roots of Trash: Testament und Exodus lassen das Z7 beben

Bei „Salt In The Wound“ wurde stolz erwähnt, dass Kirk Hammett eine Solo mit eingespielt hat, beim groovigen „Blacklist“ aus dem 2004er-Comeback-Album „Tempo Of The Damned“ schien das Eis dann endlich im beinahe gefüllten Z7 zu brechen. Die Tontechniker hatten auch an einigen Reglern gedreht und die Band lief nun erfreulicherweise, wenn auch etwas spät, richtig warm und drückte gegen Ende mit „Body Harvest“ nochmal richtig aufs Gaspedal. Das Publikum dankt es nach einer guten Stunde Thrash-Party mit leidenschaftlichem Applaus. Ein schöner Mix über alle Schaffenswerke, was das Publikum mit „Circle Pits“ und einer „Wall of Death“ verdankte. Die Zeit mit den dienstältesten und einflussreichsten Vertretern des Thrash-Metals war hart und verging wie im Fluge. Die Umbaupause verspach Grosses für den Auftritt von Testament. Man sah ein metallisches Bühnenbild mit riesigem Banner, Stroboskop-Scheinwerfern und zwei beleuchteten Testament-Skulls im Hintergrund. Alle dies sorgte gleich von Anfang an für die passende Atomsphäre. Das Licht ging aus, Sirenengeheul erklang, rote Spotlights huschten durch die Halle und nach und nach betraten Gene Hoglan (Drums), Steve di Giorgio (Bass), Alex Skolnick (Guitars), Eric Peterson (Guitars) und zu guter Letzt auch Chuck Billy (Vocals) unter frenetischem Jubel die Bühne.

Die Band war von Beginn an voll da, schon die freudig-entspannte Mimik der Musiker sprach eine gänzlich andere Sprache als bei Exodus und der Sound war gut gemischt und ging voll auf die Zwölf. Chuck Billy hatte wie immer seinen Mikro-Tomahawk in der Hand und ein richtig fettes Grinsen im Gesicht. Den ganzen Auftritt über hielt er sich an seiner eigenwilligen Mikro-Halterung fest und seine euphorische Imitation des Gitarrenspiels zeigt, dass Chuck voll in seinem Element ist. Auch die anderen Musiker stehen Billy in nichts nach, Langzeit-Bandmitglied und Hauptsongwriter Eric Peterson schreddert seine Signature-Dean-Z-Gitarre lässig an der Hüfte, während sein Kollege Alex Skolnick seine fast klassisch anmutende ESP oft und mit gelassener Geste in die Luft reckte, während seine Finger über die Saiten rasten. Die coolste Sau des Abends war aber ohne Zweifel Bassist Steve DiGiorgio mit seinem fast exzentrisch geformten, bundlosen Thor-Bass, mit der er wie einer Waffe herumfuchtelte und auf dem er schonungslos herumhämmerte. Seine Posen sind die coolsten und das nicht, weil er es nötig hätte, um mangelndes Können zu kompensieren. Im Gegenteil, hier stehen mit DiGiorgio, Schlagzeuger Gene Hoglan, Skolnick und Peterson einige der derzeit besten Metal-Musiker gemeinsam auf der Bühne. Und das merkt man!

Dark Roots of Trash: Testament und Exodus lassen das Z7 beben

Die Chemie der Bandmitglieder und das Zusammenspiel stimmt und die fünf Herren haben sichtlichen Spass an ihrem Auftritt – was das Publikum so richtig mitreisst. Schon nach wenigen Minuten bei „Rise Up“ gröhlten die Fans ausgelassen den Refrain mit und der Schallmesser an der Wand zeigte teilweise über 100 Dezibel an. So muss das sein bei einem guten Metal-Konzert! Testament hatte für die „Dark Roots of Earth Tour II“ angekündigt, Material von ihren drei ersten Alben „The Legacy“ (1987), „The New Order“ (1988) und „Practice What You Preach“ (1989) zu spielen. Leider wurden es aufgrund der knappen Zeit dann nicht soviele Tracks und so war die Setliste ähnlich wie die des Livealbums „Dark Roots Of Thrash“. Viele Thrash-Metal-Höhepunkte aus den Anfangstagen der Band gab es neben einiger Perlen vom aktuellen Album dennoch zu feiern. Die Titelsongs von „The New Order“ und „Practice What You Preach“ zelebrierte das Quintett genauso wie das atmosphärische, aber nicht weniger harte „Trial By Fire“. Abgerundet wurde das rund 85-minütige Set mit weiteren Thrash-Krachern wie „First Strike Is Deadly“ oder „Souls Of Black“ vom gleichnamigen Album.

Dark Roots of Trash: Testament und Exodus lassen das Z7 beben

Auch Testament bot einen tollen Mix aus allen Epochen der Band. Die Performance auf der Bühne war im Gegensatz zu Exodus gigantisch und die Spielfreude jedem einzelnen anzumerken. Die Zeit war viel zu schnell vorüber und der Abend wird bei jedem einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Beide Bands verstanden es schliesslich, ihre Fans gelungen und professionell mit einer guten Show zu unterhalten. Die Gesten und Posen wirkten bei Testament echter und weniger routiniert, die Energie kam nicht nur durch die Lautstärke, sondern vor allem durch den glaubwürdigen und energiegeladenen Spass am Auftritt von Billy, Peterson, DiGiorgio und Co zustande. Bei der Thrash-Urgewalt aus San Francisco hatte man zu Anfang den Eindruck, dass die Herren ihr Set möglichst schnell hinter sich bringen wollten, damit man sich Backstage anderem widmen konnten. Dennoch überzeugten Exodus mit ultrahartem und dennoch groovenden Midtempo-Thrash mit irrem Tempo und brachiale Riffs. Auch „Neu-Alt“-Shouter „Zetro“ Souza hat sich wieder hervorragend in die Band integriert.

Setlist Exodus:

  1. Black 13
  2. Blood In, Blood Out
  3. Iconoclasm
  4. Children of a Worthless God
  5. Body Harvest
  6. Blacklist
  7. Bonded by Blood
  8. Strike of the Beast
  9. The Toxic Waltz

Setlist Testament:

  1. Rise Up
  2. Native Blood
  3. More Than Meets the Eye
  4. The Preacher
  5. First Strike Is Deadly
  6. Souls of Black
  7. Eerie Inhabitants
  8. The New Order
  9. Trial by Fire
  10. Into the Pit
  11. Practice What You Preach
  12. Zugabe:

  13. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  14. 3 Days in Darkness
  15. Disciples of the Watch
Dark Roots of Trash: Testament und Exodus lassen das Z7 beben
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Als „Die Ärzte“ rockte Farin Urlaub zusammen mit seinen Kollegen Bela B. und Rodrigo González letztmals im Sommer 2013 eine Schweizer Bühne. Während den letzten Monaten kümmerte sich der Gitarrist, Sänger, Songschreiber, Publikumsdompteur und Weltenbummler aber wieder intensiv um sein Nebenprojekt Farin Urlaub Racing Team. Das Ergebnis war seine vierte Soloplatte, welche auf den Namen „Faszination Weltraum“ hört und die aktuelle Tour „Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit“, welche Farin zusammen mit seinem Racing Team am 20. Mai in den ausverkauften Zürcher Komplex 457 führte. Die Band bot mit über 2 1/2 Stunden eine mit 31 (!) Songs prall gefüllte Show, welche das Publikum bis in die letzten Reihen zu begeistern vermochte.

Farin Urlaub Racing Team on Tour

Sänger Farin Urlaub dürfte eigentlich jedem als Frontmann der Spass-Punk-Rock-Pop-Band „Die Ärzte“ bekannt sein. Die Ärzte sind cool, waren immer cool und werden vermutlich auch im hohen Alter noch cool bleiben. Denn die Ärzte verkörpern das kompromisslose Lustprinzip: Bedingungslos das tun, was man tun will! Früher war es eine zentrale Entscheidung: Entweder man stand im Lager der humorlosen, proletarischen, dumpfen, simplen, Altbier und gradlinigen Toten Hosen oder eben bei den humorvollen, twisted, komplexen, verspielten und spassigen Ärzten. Genau die Attribute, welche für die Ärzte genannt wurden, gelten selbstverständlich auch für Farin und da sich die Ärzte immer rarer machen, ist Jan Ulrich Max Vetter – so der bürgerliche Name des Oberblondi – immer häufiger in Gesellschaft des Farin Urlaub Racing Teams, kurz FURT, anzutreffen. Seit 2008 ist die als reine Konzertband gestartete, derzeit elf Musiker umfassende Combo auch an den eigentlichen Albumaufnahmen von Farins Soloausflügen beteiligt. Die aktuelle Tour zum Nummer 1-Album „Faszination Weltraum“ führte das Racing Team nun also auch in die Schweiz.

Farin Urlaub Racing Team on Tour

Keine Vorband, kein Geplänkel, es ist Zeit für Rock’n’Roll! Ein schwarzer Vorhang versperrt die Sicht auf die Bühne, gegen 20:15 Uhr hörte man dann wie die Gitarre eingestöpselt wurde und eine Minute später begann dann das Konzert. Mit einem Knall fiel der schwarze Vorhang hinunter und dahinter stand Farin auch schon und legte direkt mit einem Kracher Song von seinem aktuellen Album „Faszination Weltraum“ los. Das Zürcher Publikum war von Anfang an sehr textsicher und brachte die Halle leider nur zeitweise richtig zum kochen. Im Vergleich zu dem, was man von Farin Urlaub oder den Ärzte-Konzerten normalerweise gewohnt war/ist, war es doch ein eher ruhigeres Konzert, was eindeutig am Publikum lag, dass erstaunlich durchmischt war. Viel junges Volk war zu sehen, so dass man hätte denken können, dass es am Konzert ab geht wie Schmitz Katze, doch irgendwie scheint das Ritalin seine Wirkung hinterlassen zu haben – dies passt aber zum Tourtitel „Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit“, da darf es ruhig mal bodenständig zugehen. Herrscht bei einem Ärzte-Konzert eher clowneske Anarchie, lässt sich der Auftritt von FURT im Komplex 457 ganz gut mit dem Bild eines Big-Band-Orchesters voller Dynamit beschreiben: Eine druckvolle Bläser-Riege zur Linken, tolle Background-Sängerinnen zur Rechten und in der Mitte Farin Urlaub samt Amazonen-Hofstaat, bestehend aus Gitarristin Nesrin „Nessie“ Sirinoglu, Bassistin Cindia Krüger und Drummerin Rachel Rep.

Der blonde Riese, sein weibliches Racing Team sowie die männlichen Bläser lieferten alle zusammen ein erstklassiges Konzert ab. Die weit über 30 Jahre Bühnenerfahrung merkte man dem mittlerweile 51 jährigen Protagonisten schliesslich an: Knapp über 2 1/2 Stunden Spielzeit sind mit Musik und Publikumsdialogen komplett durchgeplant, selbst die witzigen Sprüche oder spontane Antworten auf Zuschauerreaktionen sitzen sicher und sind gestählt durch jahrzehntelange Übung. Es ist das Zusammenspiel aus augenzwinkernder Absurdität und Alltagsgeschichten, mit der Farin Urlaub das Publikum in seinen Bann zieht. Aus allen vier Alben wurden an diesem Abend Songs gespielt und die Setlist ist hier und da noch mit B-Seiten seiner Singles gespickt. Wenn man bedenkt, dass andere Bands mit mehr Alben weitaus kürzer spielen, dann kann man nur den Hut vor Herrn Urlaub ziehen. Hier bekommt der Fan noch etwas für sein Geld. Und das nicht nur wegen der Länge der Show, sondern auch wegen der Stimmung sowie Farins Gags, Sprüchen und Albereien. Am stärksten war der Abend an jenen Momenten, an denen Farin die Hits der ersten beiden Soloalben „Endlich Urlaub“ und „Am Ende der Sonne“ herauskramte. Textsicher gaben sich die Zuschauer des ausverkauften Saals auch bei den Hits „Glücklich“, „OK“ und „Porzellan“ über das sinnlose Streben nach Mehr, wo doch das Glück meist direkt vor der eigenen Nase liegt. „Ihr habt sicher bemerkt, dass ich älter geworden bin. Diese Ratschläge in Sachen Lebenshilfe muss ich einfach loswerden“, sagte der Mittfünfziger.

Farin Urlaub Racing Team on Tour

Das 11-köpfige Racing Team rockte, rollte, säuselte und donnerte, während Farin Urlaub das machte, was er am zweitbesten kann: Gitarre spielen und singen. Das Publikum verdankt dies an diesem ausverkauften Konzert in dem es nahezu Wort für Wort mitsingt und so Farin Urlaub nicht nur einmal ein breites Grinsen der Zufriedenheit entlockt. Wie üblich gab es keine besondere Show, die grössten Showeinlagen waren wohl längere Bläsersoli und doch wurde jede Menge Rockmusik, Freude, Wut, Herzschmerz, Vorschläge zur Verschönerung von Innenstädten und bisher unterschätzte quasiphysikalische Gesetze geboten. FURT versetzte das Publikum an diesem Abend mehrfach in Extase. Das Farin Urlaub Racing Team rockte den Komplex, selbst wenn die etwas langsameren Lieder des aktuellen Albums in Sachen Euphorie noch Aufholbedarf haben, stieg die Stimmung erwartungsgemäss umso stärker an, wenn die Bläser einsetzen und Ska-Rhythmen oder schnelle Gitarrenriffs ausgepackt wurden. Dann gab es kaum noch ein Halten im vorderen Teil des Saals.

Nach über zwei Stunden war das Publikum geschafft, Farin auch. Somit verabschiedete er sich – nicht mit Abschiedslied, das hatte er schon gespielt – indem er noch einmal „Zehn“ spielte. Wer Farin Urlaub kennt, weiss, was das für die müden Zuschauer bedeutete: Noch mal Power bis zur absoluten Erschöpfung. Farin kennt da kein Erbarmen. Er zählte bis zehn, dann wollte er uns springen sehn. Und wir sprangen. Souverän beendet der Berliner samt seinem Rennteam des Rocks nach zwei Zugabeblöcken von je drei Songs das Konzert, welches für jede Menge verschwitzte Körper sorgte. Den Fans im Komplex wurde ein kurzweiliges, knackiges Rockkonzert mit reichlich Interaktion und guter Laune auf allen Seiten geboten. Aber nicht nur beim Hauptakteur scheinen die Punkattitüden bedingt durch das zunehmend Alter allmählich zu schwinden. Auch das Publikum ist zahmer geworden. Ein Konzert, das bestimmt allen in sehr guter Erinnerung bleiben wird. Die Band war in bester Laune, die klassische Rockinstrumentierung ist bei den Damen – Nessie, Rachel und Cindia – in besten Händen und die Herren „Bläser“ sorgen für die Ska-Komponente. Eine schweisstreibende Show, die – sage und schreibe – dreissig Songs umfasste und einem kaum Zeit zum Atemholen liess. Direkt vor der Tür parkte der Tourbus, der die Band anschliessend nach Saarbrücken brachte. Ich selbst freute mich während der Heimfahrt auf eine angenehme Nacht im eigenen Bett. So an einem Konzert rumstehen, Gas geben und sich an der Musik erfreuen, kann nach einem Tag Arbeit und mit Arbeit für den kommenden Tag in Aussicht, in meinem Alter anstrengend sein… ;)

Setlist:

  1. Was die Welt jetzt braucht
  2. Glücklich
  3. Heute tanzen
  4. Klasse
  5. Am Strand
  6. Herz? Verloren
  7. Porzellan
  8. Augenblick
  9. 1000 Jahre schlechten Sex
  10. 3000
  11. iDisco
  12. Unscharf
  13. Sommer
  14. Der ziemlich okaye Popsong
  15. Newton hatte Recht
  16. Das Traurigste
  17. Niemals
  18. OK
  19. Immer dabei
  20. Dynamit
  21. Die Leiche
  22. Zehn
  23. Alle dasselbe
  24. Petze
  25. Trotzdem
  26. Encore:

  27. Unter Wasser
  28. Keine Angst
  29. Karten
  30. Encore 2:

  31. Wo ist das Problem?
  32. Abschiedslied
  33. Zehn²
Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit - Farin Urlaub Racing Team on Tour
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„Tito & Tarantula“ sind eine Legende. Insofern haben sie mit „The Legendary“ aus München ein Trio bei der laufenden Tour als Support dabei, das auf den Hauptact hinweist und an der eigenen Legende sicherlich noch arbeiten muss. Tito & Tarantula sind auf ihrer „Lost Tarantism Tour“ unterwegs in Deutschland, Österreich und Schweiz. Am 17. April veröffentlichte die Band ausserdem ihren Klassiker “Tarantism” inklusive Bonusmaterial sowie die komplett neue Platte „Lost Tarantism“ mit bisher unveröffentlichten Songs aus den Tarantism StudioSessions aus dem Jahre 1995. Am 24. April waren Tito und seine Band zu Gast im Z7 und boten dort volles Programm!

Lost Tarantism - Tito & Tarantula im Z7

Geboren in Mexico und als Sohn eines Fallenstellers in der Wildnis Alaskas aufgewachsen, begann Tito Larriva’s Karriere in Los Angeles. Mit den „Plugz“ und später den „Cruzados“ nahm diese schnell Fahrt auf. Eine Top 10 Single und ein Cover auf dem Billboard Magazin später wurde Larriva Teil der L.A. Musik und Film-Szene der 80er Jahre. Im Probenraum nebenan machten die Red Hot Chili Peppers ihre ersten Gehversuche. Emmylou Harris, Jeff Porcaro (der früh verstorbene Toto-Drummer) waren seine Nachbarn. Zeitgleich begann auch die Schauspiel-Karriere des ausgebildeten Ballet-Tänzers. Nach dem Debüt als „Hammy“ in der „Pee-wee Herman Show“ (1981) arbeitete er mit Patrick Swayze (Roadhouse), Johnny Depp (Once Upon A Time In Mexico), Antonio Banderas (Desperados 2), mit Mel Gibson und Milla Jovovic in Wim Wenders´ „The Million Dollar Hotel“, David Byrne (True Stories), Cheech Marin (Born In East LA), dem oscar-prämierten Kurzfilm „Session Man“ sowie R. Rodriguez (Grindhouse) und schrieb Musik für über 50 Filme (u.a. „Machete“ 2010) und Fernsehserien.

Lost Tarantism - Tito & Tarantula im Z7

Der Startschuss für Tito & Tarantula war Robert Rodriguez‘ Angebot an „From Dusk Till Dawn“ (1995) mitzuarbeiten. Die legendäre Performance als Vampire-Hausband der „Titty Twister“-Bar und der weltweite Erfolg des Films brachte die Band erstmals nach Europa. Der Europa-Release des Debüt-Albums „Tarantism“ folgte 1997. Neben den Klassiker Songs aus „From Dusk Till Dawn“, „After Dark“ und „Angry Cockroaches“, ist „Tarantism“ ein Zeitdokument zahlreicher Studiosessions und umfasst einen Zeitraum von 10 Jahren kreativer Arbeit mit den besten Musikern und Produzenten, die L.A. zu bieten hat. Tito & Tarantula entstand aus Musikern der wöchentlichen Session, die Larriva unter dem Namen Tito & Friends mit stets herausragenden Musikern der L.A.-Szene veranstaltete. Neben dem Gitarristen Steven Hufsteter von dem gesagt wird, er hätte Bob Dylans Angebot, in seine Band einzusteigen abgelehnt, war die Band mit Hochkarätern wie dem Drummern Alfredo Ortiz (Beastie Boys) und Rafael Gayol (A-ha, Leonard Cohen) in Europa, Asien Nord-, und Südamerika auf Tournee.

The Legendary

20 Jahre, unzählige Konzerte und 4 Studioalben später, erscheint der Re-Release des Debüt Klassiker Album „Tarantism“ mit etlichen bisher unveröffentlichten Bonus-Tracks. Produziert von Robert Rodriguez und David Tickle (Blondie, U2), aufgenommen in den besten Studios von L.A. ist „Tarantism“ ein Zeitdokument, das fast 10 Jahre Larrivas‘ Kreativität dokumentiert. Neu gemastert und mit etlichen neuen und bisher auch live noch nie präsentierten Tracks aus der gleichen Tarantism-Recording-Session, ein guter Grund, unter dem Motto „Lost Tarantism“ nun wieder auf Tournee zu gehen. Dazu konnte wieder Gitarrist und Gründungsmitglied Peter Atanasoff, der auch in „From Dusk Till Dawn“ zu sehen ist, gewonnen werden, der schon als 16-jähriger Wunderknabe mit der Paul Butterfield Bluesband um die Welt getourt ist. Auch der Drummer Johnny „Vatos“ Hernandez, bekannt durch Oingo Boingo und natürlich aus dem Titty Twister, ist wieder zu der Band gestossen, um das Jubiläum auf der Bühne mit zu feiern. Am Bass wird man Tito’s Tochter Lolita Carrol Larriva sehen können, die so die musikalische Tradition der Familie Larriva fortführt.

Das Z7 war sicherlich nicht ganz ausverkauft, aber mit Beginn des Gigs von Tito & Tarantula kurz nach 21 Uhr doch gut gefüllt. Nun aber erst eines nach dem anderen, als erstes betraten „The Legendary“ die Bühne. Thorsten Rock (Guitars & Vocals), Stefan Tönjes (Drums) und Robin Matteo (Bass) bringen die Besucher des Pratteler Z7 mit ihrem – selbst so betitelten – „Old School Rock“ vierzig Minuten lang auf gute Betriebstemperatur. Mit Songs wie „Last of Our Days“, „I Wish I Had a Beer as Cold as Your Heart“, „Hardrock Hotel“, „If I Was a Girl“ und „Pirates“ heizen sie dem Publikum so richtig ein.Das funktioniert bei dieser recht neuen Band, die sich erst im Jahr 2014 formierte und eben noch nicht auf zahllose Tonträger zurückgreifen kann, tadellos. Ein Power-Trio mit tollem eigenem Songmaterial und einer grossartigen Bühnenpräsenz, die einfach mitzureissen vermag. Ein richtig cooler Einstieg in den Abend und die Fans werden so hervorragend auf den Hauptact vorbereitet.

Lost Tarantism - Tito & Tarantula im Z7

Nach einer kurzen Umbauphase betreten nach einem längeren eingespielten instrumentalen Intro Tito Larriva und die Band die Bühne und legen gleich mächtig los. Der Boss nennt seine Band später seine Familie. Natürlich gibt er als singender Frontmann freundlich, aber bestimmt den Ton an. Dunkelgrauer Anzug, makellose Lederschuhe, dunkle Brille, die Haare zum kurzen Pferdeschwanz zusammengebunden. So sieht ein Familienoberhaupt aus, das sich zwanzig Jahre nach dem Kultfilm „From Dusk Til Dawn“ aus der mexikanischen Wüste in das Basler Z7 verirrt hat. Peter Atanasoff erinnernd an diesem Abend mit seinen Gesichtszügen etwas an Ray Liotta und ich weiss nicht, wie oft ich bereits die Urbesetzung mit dem Irokesen Johnny „Vatos“ Hernandez am Schlagzeug sehen konnte. Lang ist es her, aber wenn auch immer ich die Gelegenheit hatte, die Band zu sehen, habe ich ihre Konzerte besucht. Auch die bildhübsche Tochter Lolita Carrol Larriva am Bass, der deutsche Multiinstrumentalist Marcus Praed, abwechselnd an Gitarre und Keyboards, Alyssa Grace an Violine, Mandoline und an diversen Percussion-Instrumenten vermochten an diesem Abend zu überzeugen.

Lost Tarantism - Tito & Tarantula im Z7

Geboten wurde ein Programm, das sich aus dem wieder veröffentlichten Debut „Tarantism“ und dem neu veröffentlichten „Lost Tarantism“ bediente. Insgesamt ein fantastischer und stellenweise auch für den Zuhörer schweisstreibender Konzertabend, der nach „After Dark“ und einer Vielzahl tanzender Fans auf der Bühne mit der Zugabe „Angry Cockroaches“ kurz nach 11 Uhr zu Ende geht. Ein grossartiger Abend mit einer Bomben-Stimmung und einer Band, der es sichtlich Spass machte auf der Bühne zu stehen. Der schmutzige, mexikanisch angehauchte Wüsten-Rock mit seinen „twanggy“ Gitarren, dem dreckigen Gesang und die punkige, verschwitzte Bühnenperformance wirkt immer wieder dermassen authentisch, dass man sich fürwahr im „Titty Twister“ wähnt. Einfach ohne Salma Hajek, deren Performance aus dem Film noch das Tüpfelchen auf dem i oder besser der Show von „Tito & Tarantula“ wäre, aber die Band rund um Tito kommt auch ganz gut ohne solche Show-Elemente aus und heizt dem Publikum auch so mächtig ein.

Setlist:

  1. Smiling Karen
  2. Slippin‘ & Slidin‘
  3. Back to Mexico
  4. Jokes on Me
  5. Damn Good Day to Die
  6. Back to the House
  7. Sweet Cycle
  8. Jupiter
  9. See You on the Way Down
  10. Wild Love
  11. Navajo in a Ufo
  12. Cry in the Night
  13. Killing Just for Fun
  14. In My Arms Tonight
  15. Gimme Respect
  16. After Dark
  17. Zugabe:

  18. Angry Cockroaches
Lost Tarantism - Tito & Tarantula im Z7
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Ensiferum Insomnium Omnium Gatherum“ – dreimal schnell hintereinander gesagt ist ein Zauberspruch, der drei finnische Bands auf die Bühne ruft! Die finnischen Epic-Battle-Metaller „Ensiferum“ sind mit ihrem neuen Album „One Man Army“ im Gepäck auf Tour und haben gleich zwei Bands aus ihrem Heimatland mit dabei, einerseits die Melodic Death Metaller „Omnium Gatherum“ sowie andererseits die Düstermetaller „Insomnium“. Am letztem Samstagabend machte das finnische Trio Halt im ausverkauften Z7 in Pratteln und glänzte dabei mit jeweils hochenergetischen Auftritten. Vor allem Ensiferum rissen einen Knaller nach dem anderen runter und liessen dabei keinen Stein auf dem anderen, obwohl sie auf ihre Keyboarderin Emmi Silvennoinen verzichten mussten.

Ensiferum: One Man Army burns the Z7 down!

Wusstet ihr eigentlich, dass Ensiferum bereits seit dem Jahr 1995 existiert? Von den ehemaligen Gründungsmitgliedern der Band ist nur noch Markus Toivonen übrig. Die restlichen Gründungsmitglieder haben die Band schon vor einigen Jahren verlassen und wurden entsprechend ersetzt. Im März veröffentlichte die Band ihr bereits sechstes Studioalbum mit dem Namen „One Man Army“ (das Review dazu findet ihr hier) und gleichnamig lautet ihre Tour, mit welcher uns die Finnen beglücken. Bereits die Bandzusammenstellung dieser Tour sorgte für einen Extrakick, auch wenn das Dreierpaket an finnischen Bands auf den ersten Blick nicht sonderlich aussergewöhnlich erschien. Doch wer auch immer diese Tour zusammengestellt hat, der muss wohl über eine ordentliche Portion Humor besitzen. Vermutlich finnischen Humor oder war das alles nur Zufall? Wie auch immer, diese Konstellation zog genügend Aufmerksamkeit auf sich, um die Konzertfabrik Z7 in Pratteln bis auf den letzten Platz zu füllen. Was den Fans an diesem Abend geboten wurde, war der absolute Hammer und liess das Z7 bis auf seine Grundfeste beben! Rakastan suomea!

Den Anfang machten an diesem Abend „Omnium Gatherum“ und das Publikum war bereits so zahlreich anwesend, wie man es selten bei einer Support Band sehen kann. Das Lieblingsgetränk der Metalheads floss schon am frühen Abend reichlich, was aber der friedlichen Stimmung keinen Abbruch tat und so konnten sich bereits die erste Band über regen Publikumszuspruch freuen. Man fühlte sich bei der Darbietung der sechsköpfigen Truppe spontan ein wenig an die grossen Genrekollegen von „Amorphis“ erinnert, wohingegen der Sound eher an die ebenfalls finnischen Kollegen von „Moonsorrow“ denken liess. Eher ausladend und komplex war also auch das Songmaterial von „Omnium Gatherum“, lediglich Shouter Jukka Pelkonen bekam nicht so richtigen Druck hinter seine Stimme und lieferte stellenweise ein etwas schwachbrüstiges Gegrunze ab. Dadurch wartete man unbewusst immer wieder auf eine Art Höhepunkt, der dann aber nicht kam. Dem Publikum war das aber egal, es liess sich bereits sehr gut mitreissen und stieg bereitwillig auf die diversen Mitklatsch-Passagen ein.

Ensiferum: One Man Army burns the Z7 down!

So war das Publikum bereits durch die erste Band hellwach und so folgte der zweite Streich, die nächste Band „Insomnium“ betrat die Bühne und diese verbreitete weitere Schlaflosigkeit, wie der Name der Band oft gerne fälschlicherweise interpretiert wird. Der Name der Truppe bezieht sich auf Träume und als träumerisch konnte man den Sound der Finnen dann auch am ehesten beschreiben. Noch mehr als ihre Vorgänger erinnerte der Sound an „Amorphis“ und die Jungs konnten das Publikum auch deutlich mehr fesseln als der Opener. Vom Bestehen her in die gleiche Altersklasse wie die Vorgängerband dieses Abends einzuordnen, teilen sich Insomnium überdies auch noch ein Bandmitglied mit Omnium Gatherum, denn seit 2011 bedient Gitarrist Markus Vanhala parallel zu seinem bald 20-jährigem Engagement bei Omnium Gatherum auch die Sechssaitige bei Insomnium. Respekt!

Besonders die tragenden Stücke wie „While We Sleep“ und „The Promethean Song“ vom aktuellen Album „Shadows Of The Dying Sun“, mit welchem sie in Finnland es sogar auf den 2. Platz der Charts schafften, bleiben im Gedächtnis hängen. Furchtlos vertreiben die Jungs die Schatten der sterbenden Sonne und machen sich auf den Weg zu einem neuen Morgen. Die äusserst aktive Stageperformance vermochte mitzureissen und wer die Songs kannte, liess sich eh von den melancholischen Melodien treiben. So wenig träumerisch wie die Band auf der Bühne agierte auch das Publikum, da wurde bis in die hintersten Reihen fleissig mitgeklatscht, ein erster Moshpit bildete sich und die Crowd Surfer waren en Masse unterwegs. Ein durchwegs überzeugender Auftritt von Insomnium!

Setlist:

  1. The Killjoy
  2. While We Sleep
  3. Every Hour Wounds
  4. Daughter Of The Moon
  5. Black Heart Rebellion
  6. Where The Last Wave Broke
  7. The Promethean Song
  8. Drawn To Black
  9. Ephemeral
  10. Weighed Down With Sorrow

Nach einer kurzn Umbaupause hüllte sich die Bühne in rotes Licht und Ensiferum betraten nacheinander umjubelt die Bretter die die Welt bedeuten. Diesmal war das finnische Akkordeonwunder Netta Skog mit dabei, die ja einst bei „Turisas“ in die Tasten griff und auf dieser Tour Emmi Silvennoinen ersetzte. Schon bei den Klängen des Openers „March Of War“ ging das Publikum bereits steil ab und daran änderte sich dann im Verlauf des Abends rein gar nichts mehr. Sowohl die neuen Titel wie „March Of War“, „Axe Of Judgment“, „Heathen Horde“ oder „One Man Army“, als auch die ältere Stücke wie „Into Battle“, „Ahti“ oder „Victory Song“ zündeten voll und im Zuschauerraum wurde gesungen, geklatscht, gebangt, gemosht und natürlich auch getrunken als gäbe es kein Morgen. Und auch auf der Bühne war wie immer jede Menge Bewegung: Gitarrist Markus Toivonen und der ständig Grimassen schneidende Sami Hinkka stürmten fast ständig über die Bühne, wenn sie nicht gerade den Hintergrundchor geben mussten.

Ensiferum: One Man Army burns the Z7 down!

Ensiferum können ja mittlerweile aus einem reichen Fundus an heroischen Hymnen wählen. Ein äusserst kurzweiliges Set, bei dem mit „Two Of Spades“ auch ein Ausflug in eine Siebziger-Jahre-Disco nicht fehlen durfte, selbst wenn nicht jeder der Anwesenden damit etwas anfangen konnte. Die Fans gingen ab wie Schmidts Katze und das Z7 drohte auseinander zu fallen. Eines der Highlights war der Beginn des Zugabenblocks, der unerwartet startete: Die fünf Finnen tauschen die Instrumente einmal durch und so klopfte mit lockerer Hand der Gitarrist den Beat am Schlagzeug, während sich der Schlagzeuger die Klampfe umhängte, der Bassist das Akkordeon übernahm und sich die einzige Dame der Band am Mikro wiederfand um ein Cover von Judas Priests „Breaking The Law“ zum besten zu geben. Die Lässigkeit der Durchführung nötigte schon Respekt ab – alleine mangelte es davon ein wenig im Publikum, dessen jüngere anwesende Semester augenscheinlich mit dem Metal-Klassiker grösstenteils nichts anfangen konnten und anstatt mitzugrölen einfach doof aus der Wäsche schauten.

Mit dem Zugabenblock ging es aber dann noch einmal richtig rund, denn dort brachten Ensiferum ihre richtigen Kracher unters Volk. Bei Titeln wie den grossartigen „Token of Time“ und „Iron“ sass der Text im Publikum bombenfest und die Band auf der Bühne wurde beinahe übertönt. Insgesamt hat das Live-Package rund um Ensiferum also mal wieder so richtig Spass gemacht und alle drei Bands boten jeweils eine verdammt starke Show, die an diesem Abend allesamt so richtig einschlugen! Jede Band gab ihr bestes, aber besonders die Jungs und das Mädel der Epic-Folk-Melodic-Death-Warmetal Band „Ensiferum“ bot einen absolut brillanten Auftritt! Die finnischen Bands beweisen einmal mehr, dass der Metal aus dem hohen Norden immer noch ein Massstab ist. An diesem Abend gab es Finland’s Finest! Rakastan suomea!

Setlist

  1. March of War
  2. Axe of Judgement
  3. Heathen Horde
  4. Into Battle
  5. Little Dreamer (Väinämöinen, Part II)
  6. Warrior Without a War
  7. Ahti
  8. Smoking Ruins
  9. Two of Spades
  10. Unsung Heroes
  11. Burning Leaves
  12. One Man Army
  13. Victory Song
  14. Zugabe:

  15. Breaking the Law
  16. From Afar
  17. Token of Time
  18. Iron
Ensiferum: One Man Army burns the Z7 down!
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Die am Mittwoch im Naturhistorischen Museum Bern eröffnete Sonderausstellung „Rock Fossils – Ja, es ist Liebe!“ lüftet eine heimliche Affäre der Paläontologie: Die Leidenschaft für harte Rock Musik. Nein, bei der Ausstellung werden nicht die versteinerte Überreste dahingeschiedener Rock-Grössen ausgestellt, sondern Fossilien, die allesamt den Namen bedeutender Rock- und Metalbands tragen. Am letzten Mittwoch wurde eine bislang unbekannte Seeigel-Art auf den Namen „Paracidaris eluveitie“ getauft und mit einem Akustik-Konzert der Schweizer Folk-Metaler gewürdigt.

Rock Fossils - Ja, es ist Liebe!

Als Kind besucht man das Naturhistorische Museum meist in Begleitung von Mitschülern und Lehrperson, dann macht man meist eine längere Pause bis später, wenn man selber Kinder hat, man sich wieder im Museum einfindet. Dazwischen, in der Zeitspanne zwischen Kindsein und Elternsein, ist ein Museumsbesuch eher selten. Wie lockt man Nicht-Kinder und Nicht-Eltern ins Naturhistorische Museum? In dem man diese Zielgruppe auf eine etwas andere Art und Weise anspricht, als ein Museum dies sonst tut. Es gibt Wissenschaftler, die neuen, bislang unbekannten Tierarten Namen geben, die einen Bezug auf den Fundort oder die Form haben. Und es gibt Wissenschaftler, die widmen eine neue Art ihrem liebsten Rockstar. Offenbar gibt es gerade in der Paläontologie eine Menge Wissenschaftler, die nicht nur Fossilien lieben, sondern mit derselben Leidenschaft der Rockmusik frönen – der harten Rockmusik. Die Sonderausstellung „Rock Fossils – Ja, es ist Liebe“ präsentiert 36 Dinosaurier und andere Fossilien, welche die Namen von Bands oder Sängern aus der Rockszene tragen. So haben AC/DC, Lemmy von Motörhead, Ramones, Beatles, Rolling Stones und die Sex Pistols ihren Platz in der Erdgeschichte eingenommen.

Paracidaris eluveitie

Die Ausstellung wurde erstmals im Geomuseum in Faxe, Dänemark gezeigt. Dort sorgte sie für weltweites Aufsehen, gerade in der Metal-Szene. Das Naturhistorische Museum Bern (NMBE) hat die Ehre, die Ausstellung als erstes Haus ausserhalb Skandinaviens zu zeigen. Inzwischen hat die Ausstellung prominenten Zuwachs erhalten: Das kürzlich entdeckte Fossil eines Urahns der Flusspferde, das aufgrund seiner vollen Lippen nach Mick Jagger benannt wurde, wird zum ersten Mal mit einer Rekonstruktion und Skelett-Resten zu sehen sein. Eine substanzielle Erweiterung erfuhr die Ausstellung aber durch das Naturhistorische Museum Bern selbst: Die Paläontologen des NMBE widmen eine bislang unbekannte Seeigel-Art der Band Eluveitie. Bei „Paracidaris eluveitie“ handelt es sich um einen 160 Millionen Jahre alten, kürzlich im schweizerischen Jura (Auenstein, AG) entdeckten Stachelhäuter, der mit den Ornamenten seines Gehäuses an die Verzierung keltischer Gegenstände erinnert. Beim Bandnamen Eluveitie handelt es sich ja bekanntermassen um die etruskische Form des keltischen Wortes Helvetios (Der Helvetier).

Rock Fossils

Die Ausstellung wurde stilvoll im Skelettsaal des Museums mit einem akustischen Konzert von Eluveitie eingeläutet, welche bei dieser Gelegenheit ihre „eigene“ Fossilart erhalten haben, welche ihnen in Form eines Modells des Fossils übergeben wurde. Die Kombination von Museum und Metal-Konzert hat mich im Vorfeld äusserst gereizt. Doch funktioniert das mit einem Acoustic-Gig? Funktioniert Pagan-Metal ohne Metal? Nein, tut es nicht! Schade musste man einer eigentlich tollen Live-Band an diesem Abend beim Scheitern zu sehen. Eluveitie waren leider beim experimentieren zu wenig mutig. Nur die Elektrogitarren durch Acoustik-Klampfen zu ersetzen war definitiv zu wenig kreativ. Die ganze Dynamik ihrer Songs ging verloren, was blieb waren Klangbilder die immer gleich klangen. Nix mit wildem Haareschütteln und harten Gitarren! Für den Museums-Gig hat die achtköpfige Winterthurer Truppe ein Akustik-Set einstudiert und im Halbkreis sitzend präsentiert. Den Song „The Call Of The Mountains“ hat Sängerin und Drehleiher-Spielerin Anna Murphy auf Berndeutsch gesungen, was speziell für diesen Abend einstudiert wurde und das Ganze noch etwas rausriss. Manchmal funktionieren Songs nur, wenn sie wie bei Eluveitie durch Gegensätze getragen werden – leider haben diese Gegensätze gefehlt.

Ausser dem 160 Millionen Jahre alten Seeigel, der fortan den Namen der erfolgreichen Folk Metaler tragen wird, bietet das Museum mit dem originalen „Metal Heart“, das als Cover auf Accepts gleichnamigen 1985-er Album verewigt ist, noch ein ganz besonders Ausstellungsstück für Metalfans. Die Ausstellung „Rock Fossils – Ja, es ist Liebe!“ dauert bis zum 31. Mai. Das Rahmenprogramm umfasst Konzerte, Vorträge sowie unkonventionelle Führungen. Letztere laufen unter dem Namen „Stage Dive“ und bieten den Besuchenden die Möglichkeit, nicht nur in den wissenschaftlichen Aspekt des Themas einzutauchen, sondern auch passende Musik zu hören und an der Bar zu verweilen. Neben den Konzerten wird samstags und sonntags ein Plattenladen von Rathouse Records in der Ausstellung geöffnet sein.

Eluveitie Konzert im Naturhistorischen Museum Bern
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Die Europa-Touren von Black Label Society enthalten oft nicht viele Termine in der Schweiz und so freute ich mich schon bei der ersten Ankündigung des Auftritts im Z7 der „Catacombs of Black Vatican“-Tour. Black Label Society ist eine Hardrock-Band aus den Staaten, die von Zakk Wylde, seines Zeichens behaarter Riese und Gitarrengott, angeführt wird. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seit diese Band letztmals die Schweiz besuchte und das merkte man an jenem Samstag dem zahlreich erschienen Publikum an. Endlich wieder Zakk Wylde, endlich wieder Black Label Society und die Jungs liessen es krachen, dass im Z7 nur so die Wände wackelten!

Black Label Society in den Katakomben des Z7

Zakk Wylde war über viele Jahre hinweg der Leadgitarrist von Ozzy Osbourne und als dieser nach dem Album „Ozzmosis“ Ende der 90er beschloss, eine voraussichtlich längere Pause einzulegen, war dies für Zakk Wylde die Gelegenheit, seine Zeit den Nebenprojekten „Pride and Glory“ und „Zakk Wylde’s Book of Shadows“ zu widmen. 1998 schliesslich hob Wylde „Hell’s Kitchen“ aus der Taufe und begann am Album namens „Sonic Brewery“ zu arbeiten, bei dem Teile des Songmaterials noch aus einer Session mit Guns N‘ Roses stammten. Das komplette Artwork und die Songs standen bereits fest, als man feststellte, dass man sich den Namen „Hell’s Kitchen“ nicht sichern konnte und so wurde aus der Vorliebe für Whisky das Projekt kurzerhand in“ Black Label Society“ umbenannt. So ist Black Label Society bis heute quasi Zakk Wylde’s Soloprojekt und auf den Alben spielt er meistens abgesehen von den Drums alle Instrumente selbst ein, Live greift er allerdings auf Mitmusiker zurück.

An diesem Samstag Abend fanden sich viele alte aber auch neue Black Label Society Fans im ausverkauften Z7 ein. Den Abend eröffneten Crobot, die Heavy Metal-Band aus den US&A kann mit ihrer Classic Rock- & Metal-Mischung relativ schnell punkten. Mit Songs a la „Nowhere To Hide“ beherrscht Sänger Brandon Yeagley das perfekte Posing und kann schnell das Publikum für sich gewinnen. Crobot boten eine solide Vorstellung und ebnten den Weg für Black Tusk, welche aber irgendwie nicht so richtig ins Vorprogramm passten. Ihre Musik liegt irgendwo zwischen Metal, Thrash, Doom und Sludge. Also rau, fies und heavy, mit recht viel Double Bass-Drums und auch der zweistimmige Gesang ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal. Leider klingt die Band auf Dauer recht eintönig, stumpf, dreckig und schlicht langweilig und für die Band können sich leider auch nur Teile des Publikums begeistern. Der grösste Teil starrt einfach nur auf die Bühne und gibt manchmal Höflichkeitsapplaus, Stimmung sieht anders aus.

Black Label Society in den Katakomben des Z7

Es erhob sich dann ein Banner mit dem Logo von Black Label Society um die Bühne etwas zu verhüllen. Viel hat es nicht genutzt, da man an den Seiten wunderbar vorbei schauen konnte. Es wurde alles vorbereitet und gecheckt und schon hier wurde deutlich, leise wird es nicht. Die Band war absolut in Hochform. schon im ersten Song nach dem Intro spührte man die Energie von der Bühne. Das Intro erklang, gefolgt von Sirenenklängen und dem Song mit dem passenden Titel „The Beginning? At Last“. Mit einem glasklaren Sound und einer massiven Bühnenpräsenz bläst die Band die Fans direkt an die Wand und legt gleich mit dem stampfenden „Funeral Bell“ oder „Bleed For Me“ weitere Brecher nach. Die Menge bebt und feiert jeden Song ab, während die Band das mit fast perfekter Spielfreude und Posing unterstützt. Natürlich lässt es sich auch Zakk Wylde nach „Damn The Flood“ nicht nehmen, noch ein gefühlt viertelstündiges Gitarrensolo hemmungslos abzubrennen, Gitarrenporno deluxe. Wer’s mag… was ich an diesem Abend definitiv zu bemängeln habe ist, dass es kein Dosenbier gab und man aus unerfindlichen Gründen mit schwabbenden Plastikbechern durch das proppenvolle Z7 wackeln müsste.

Bassist John DeServio mischt ja schon seit einiger Zeit in der Band mit und strotze nur so vor Energie. Bärtig und wie ein kleines Rumeplstilzchen wuselte er auf seiner Seite. Seine fünf Saiten aber lies er nie aus den Augen. Was der Mann mit den tiefen Tönen anstellte, war schon grandios. Gleiches gilt für Dario Lorina, dem neuen Gitarristen in der Band. Der junge Spund wusste sein Instrument zu bedienen und sollte in einem ganz besonderem Song seinen grossen Auftritt bekommen. Den hatte auch Chad Szeliga am Schlagzeug. Es gab zwar kein Drum-Solo, doch donnerte es aus dem Hintergrund mächtig. Die Doublebass wummerte mächtig und sorgte für den richtigen Druck. Doch das Hauptaugenmerk lag eindeutig auf den Meister selbst. Zakk Wylde überzeugte mit einem fantastischem Umgang an seinen Klampfen und davon hatte er reichlich bei. Unter den Fans wird ein besonders enger Zusammenhalt demonstriert, den nicht zuletzt auch Zakk selbst immer wieder betont, sie seien schliesslich alle „eine Familie“. So entstehen unter Anderem auch die „Colors“, Motorradclub-ähnliche Aufnäher die viele Fans auf ihren Westen tragen. Letztendlich ist dieser Zusammenhalt jedoch eher darstellerisch, auch der vermeintliche „Ehrenkodex“ wie er ursprünglich im Booklet des zweiten Albums „Stronger Than Death“ zu finden ist, ist eher spasshaft zu verstehen, wie beim Lesen des Inhaltes schnell klar wird.

Black Label Society in den Katakomben des Z7

Es folgte der Balladenblock, beginnend mit „Angel Of Mercy“, wozu sich Zakk extra ans Keyboard setze. Als hinter ihm Fahnen mit dem Konterfei von Dimebag Darrel aufgehängt wurden, war klar, was kommt: „In This River“, das er einmal mehr seinem im Jahr 2004 ermordeten Freund Dimebag Darrel widmete. Zakk sang diesen Song mit viel Gefühl und doch enormer Kraft und damit war das Highlight der Show bereits gelaufen. Schade, ich hätte den Song in einer extra langen Version hören können und das in Dauerschleife. Die Hymne geht durch Mark und Bein und hinterlässt dabei ein andächtiges Publikum. Den Abschluss vom Set bildeten dann „The Blessed Hellride“, „Suicide Messiah“, „Concrete Jungle“ und „Stillborn“. Zurück bleibt zu später Stunde ein geflashtes Publikum, Top Performance der Black Label Society. Gute Arbeit leistete auch der Mann hinter den Reglern, der dem Z7 einen fetten Sound angedeihen liess. Als die letzten Töne von „Stillborn“ verklungen waren und das Saallicht gefühlt viel zu schnell wieder eingeschaltet wurde, zeigte die Uhr haargenau 90 Minuten an. So gesehen hätte noch der eine oder andere Song mehr im Set Platz gehabt.

Ein durchaus gelungener Abend und auf der Platte wirken die Songs eher gemächlich, live hauen die aber einen zum Teil so um, speziell die vom neuen Album, das ist unglaublich. Eine absolute Live-Band, die man einmal im Leben gesehen haben sollte. Zakk Wylde zählt nicht umsonst zu den besten Metal Gitarristen der heutigen Zeit und ist ohnehin eine publikumswirksame Figur. Seine Mitmusiker wechselt er allerdings recht häufig, insbesondere der Bassistenposten unterlag in der Vergangenheit einer Vielzahl von Besetzungswechseln. Zu den bekanntesten Inhabern zählt wohl Robert Trujillo, welcher zeitgleich mit dem Ende seiner Zeit bei Ozzy Osbourne auch sein Schaffen bei BLS beendete um wenig später bei Metallica einzusteigen. Black Label Society rockten den Basler Traditions-Tempel eindrücklich. Zwar nicht mehr so „wylde“ wie früher, mit weniger rotzen, weniger bekreuzigen, weniger Aggression, dennoch heavy, mit gutem Sound, mit vollem Brett an Gitarren und allem, was zu erwarten war. Black Label Society sind definitiv live immer noch eine Macht und absolut hörenswert. No mercy and hell yeah!

Setlist Black Label Society:

  1. Intro: Whole Lotta Sabbath (Wax Audio Song)
  2. The Beginning… At Last
  3. Funeral Bell
  4. Bleed for Me
  5. Heart of Darkness
  6. Suicide Messiah
  7. My Dying Time
  8. Damn the Flood
  9. Guitar Solo
  10. Godspeed Hell Bound
  11. Angel of Mercy
  12. In This River
  13. The Blessed Hellride
  14. Concrete Jungle
  15. Stillborn
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