An einem der bis jetzt heissesten Wochenenden 2010 traten am Moon & Stars Festival letzten Samstag in Locarno eine der wohl facettenreichsten Gitarren-Blues Bands aus Texas auf: ZZ Top. Da das Ambiente in Locarno recht speziell anmutet fand ich dies doch den idealen Ort, die Herren einmal Live zu begutachten. Die Piazza Grande verströmt eine extravagante, gemütliche Ambiance und gottseidank hat es im Publikum nicht nur die ansonsten in Locarno überzählig anzutreffenden versnobten Zürcher. Dieses Nuttendiesel schlürfende Pack ist ansonsten in Locarno an jeder Ecke zu treffen, also Vorsicht! Zum Glück fasst das Festival ungefähr 12’000 Zuschauer und so war das Publikum doch sehr gut durchmischt und ZZ Top vermochten die Piazza Grande so richtig zu rocken! Yeah!
Leider bestritt das Vorprogramm einer der Gitarrengötter, der seine Kunst das Instrument zu spielen vorführt wie ein läufiger Hund so ziemlich alles anspringt, um es zu beglücken, resp um so richtig doll Onanie zu betreiben. Jaja, der Mann beherrscht sein Intrument, zweifellos, nicht umsonst wird man fünffacher Grammy Award Gewinner, aber ich steh nun mal nicht auf das Gitarren Gewichse. Egal ob Psychedelic oder Progressive Guitar Musik, sein Können überzeugt mich einfach nicht, obwohl er zugegeben alles aus der Gitarre rausholt, was möglich ist: Rock, Jazz, Funk, alles berauschend gemixt, äusserst beeindruckend und überhaupt, aber sowas von nicht mein Ding. Eine geschlagene Stunde lang “verwöhnte” er uns mit seiner Musik und versuchte die Menschenmenge auf den Hauptakt einzustimmen, was ihm aus meiner Sicht nicht wirklich gelang, aber was solls, now it’s time for Rock ‘n’ Roll!
Das aus Houston, Texas stammende Bluesrock-Trio mit dem sicheren Gespür für Hits wie “Gimme All Your Lovin’” oder “Legs” besteht seit seiner Gründung im Jahr 1969 aus den gleichen drei Musikern: Sänger und Gitarrist Billy Gibbon, Sänger und Bassist Dusty Hill sowie dem einzig bartlosen Frank Beard am Schlagzeug. Die Herren sehen auch seit Jahren praktisch immer gleich aus: Trenchcoat, Hüte, ihre Bärte und natürlich ihre Sonnenbrillen. Heute sind die Bärte ein bisschen grauer, aber den Bluesrock haben sie noch immer im Blut, keine Frage, denn genau dies zeigen sie von Anbeginn ihrer Show und ihre Instrumente haben sie dabei völlig im Griff…
Auf ihren ersten beiden Alben kamen ihre Blueswurzeln stark zum Vorschein. Der weltweit kommerzielle Durchbruch gelang dem Trio im Jahr 1983 mit dem gepriesenen Album “Eliminator”, welches den erst gitarrenlastigen Blues mit Drummaschinen und Synthesizern ergänzte. Mit “Eliminator” werden auch ihre Videos auf MTV zum Dauerbrenner – nicht zuletzt dank der leicht bekleideten sexy Frauen, mit denen die Bandmitglieder herumturtelten, aber an der Show in Locarno nicht vertreten waren, was auch in keinsterweise ein Manko darstellte. Wer es nötig hatte, konnte tänzelnde Damen beim einen oder anderen Song auf der Grossleinwand bewundern
Was mir besonders gefallen hat, ist der Umstand, dass es die alteingesessenen Herren nicht nötig haben, auf der Bühne rumzuhopsen wie Gummibälle, keine grosse Pyro Show haben oder sonstigen Klimbim oder Brimborium veranstalten, nein, ein gemeinsames Wippen der Stiefel, die Gitarren die sich für ein paar Takte gleichzeitig nach vorne und zurück bewegen oder ein Beinzucken im Duett reichen völlig aus, um das Publikum in Ekstase zu versetzen. Einfach grossartig den Meistern der kleinen Gesten zu zuschauen und dabei dieser genialen Musik zu lauschen…
Die Setlist (siehe unten) war ein wahrliches Potpurri der Karriere der Band. Ein paar Songs aus den bluesigen Anfängen aus den 70ern, ein paar kommerziellere Hits aus den 80ern und ein paar neuere Songs. Absolut genial! In dieser super Kulisse vermochte die Show doch äusserst zu gefallen und auch Technik war vom Feinsten und der Sound kam absolut hammermässig rüber! Hinten eine riesen Leinwand, auf der unter anderem Kamerafahrten über geparkte Trucks, Auto- und Motoreinzelteile, Ausschnitte aus Wrestling-Kämpfen und alten Western zu sehen waren. Davor das Schlagzeug – ausgestattet mit Alu-Felgen, Auspuff und Stossdämpfern. Dieses Konzert, puristisch und cool, gehört für mich doch zu einem der Highlights in diesem Jahr und liessen in meinen Augen Kiss blass aussehen
Die Setlist war wie folgt:
Got Me Under Pressure
Waitin’ for the Bus
Jesus Just Left Chicago
Pincushion
I’m Bad I’m Nationwide
Future Blues (Willie Brown cover)
Rock Me Baby (B.B. King cover)
Cheap Sunglasses
I Need You Tonight
Hey Joe (Jimi Hendrix cover)
Brown Sugar
Party on the Patio
Just Got Paid
Gimme All Your Lovin’
Sharp Dressed Man
Legs
La Grange
Tush
Für die in diesem Artikel beigefügten Videos möcht ich mich bei dujak222 und buckyx und für die tollen Bilder bei Romy bedanken. Wer nun die Herren auch gerne Live hören möchte, hat diesen Herbst in Zürcher Hallenstadion nochmals die Gelegenheit…
Was uns leider in Jonschwil am Sonisphere nicht vergönnt wurde, fand schliesslich in Sofia, Bulgarien statt: Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax gemeinsam auf der Bühne!
Am letzten Freitag spielten “The Big Four of Thrash” im ländlichen Jonschwil vor rund 47’000 Metalheads aus dem In- und Ausland. Bands wie Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax, Motörhead, Devil Driver, Rise Against, Amon Amarth, Mastodon und Atreyu vermochten die Fans mehr als nur zufrieden zu stellen. Einzig das schlechte Wetter und die damit verbundene Schlammchlacht vermochte die Stimmung zu trüben und wie in meinem Review zum Konzert von Metallica vor zwei Jahren am selben Ort, sind klare organisatorische Mängel vorhanden, welche mit ein wenig Weitsicht und weniger geiz problemlos zu umgehen gewesen wären. Aber harter, krachender Thrash Metal vom Feinsten entschädigt selbst für dieses Versagen und vermochte doch die langen Gesichter einiger Schönwetter-Rocker wieder zu erhellen. Ein Konzert Review zum Sonisphere Festival im Degenaupark Jonschwil.
Wie bereits vor 2 Jahren fuhren wir am Freitag morgen früh Richtung Toggenburg, um eigentlich in Wil die Autobahn zu verlassen. Doch auch dieses Mal staute sich bereits Kilometer vor der Ausfahrt Wil der Verkehr auf im Pannenstreifen, so dass wir die Blechschlange rechts liegen liessem und wieder weiterfuhren, zur nächsten Ausfahrt. Dies war, wie vor 2 Jahren, wieder frei und so mussten wir wieder keine grosse Wartezeit auf uns nehmen und traffen auf dem Weg nach Jonschwil auf normalbefahrene Strassen. Wir konnten direkt auf den Parkplatz fahren und hatten insgesamt vielleicht eine Wartezeit von 10 Minuten. So soll es sein. Doch schon beim Aussteigen war klar, wer keinen 4×4 hat, kommt da ohne Hilfe mit der Karre nicht mehr aus der Sauce, welche mal eine Wiese war und jetzt mehr einem kleinen Moor glich. Kein Wunder, gemäss der Messstation Tänikon fielen in 18 Stunden 91 Millimeter Regen, so viel wie üblicherweise in einer Woche…
Nach einem kleinen Fussmarsch kamen wir dann endlich zum Austragungsort, wo über 20 weltbekannte Bands auf zwei Bühnen zu sehen sein sollten und schon da war klar, es gibt heute ganz, ganz viel Schlamm und die ersten Besucher, welche wegen des Wetters bereits frühzeitig abreisten, kamen uns entgegen, denn bereits seit dem späten Donnerstagnachmittag setzte der grosse Dauerregen ein und so gab es im wahrsten Sinn des Wortes “Meh Dräck”, denn der Regen hielt die ganze Donnerstagnacht an und liess auch bis Freitagmittag nicht nach, so dass sich das Festivalgelände längst in einen riesigen Schlammteppich verwandelt hatte und man sich mehr schwimmend als gehend sich durchs Gelände pflügen musste.
Tja, dass kann es geben, wenn sich ein 3500 Seelen Dorf wie Jonschwil mit den Königen des Bösen anlegt, denn schon bereits nach wenigen Minuten auf dem Gelände ist einem alles egal, denn schnell spürt man den Schlamm, der betonfest an den Schuhen klebt, nicht mehr und bewegt sich gleitend in einem riesigen Meer von rund 47’000 Fans von Bands, welche weltweit für das Böse schlechthin in der Musik stehen: Slayer, Megadeth, Anthrax, Motörhead und natürlich Metallica. Hell yeah, was soll einem da dass bisschen Schlamm schon gross stören? Und gegen den Abend drückt die Sonne doch noch durch die Wolken und lässt den blauen Himmel über dem Gelände erstrahlen…
Gegen Mittag stand Anthrax auf der Bühne und gaben “Caught in a Mosh”, “Got the Time”, “Indians”, “Antisocial”, “Madhouse”, “Only”, “Efilnikufesin (N.F.L.)” und “I Am The Law” zum besten. Hell yeah! War ja schon mal seeeehr geil! Doch es konnte nur besser werden, gegen Abend standen Slayer auf dem Programm. Böse. Sehr böse. Und gerade wegen dieser Band sind doch besonders viele Fans nach Jonschwil gekommen. “God hates us all” brüllt Sänger und Bassist Tom Araya dem Publikum entgegen und gleich wird losgelegt mit Songs wie “World Painted Blood”, “Jihad”, “War Ensemble”, “Hate Worldwide”, “Dead Skin Mask”, “Angel of Death”, “Beauty Through Order”, “Disciple”, “Mandatory Suicide”, “Chemical Warfare”, “South of Heaven” und natürlich “Raining Blood”! HAMMER!!!!
Um gleich wieder durch Megadave mit Megadeth überboten zu werden, welche zeigten, was Thrash Metal ist und sich mit “Holy Wars… The Punishment Due”, “Hangar 18″, “Wake Up Dead”, “Headcrusher”, “In My Darkest Hour”, “Skin O’ My Teeth”, “A Tout Le Monde”, “Hook In Mouth”, “Trust”, “Sweating Bullets”, “Symphony Of Destruction” und “Peace Sells” zusammen mit Scott Ian von Anthrax in die Gehörgänge der Fans frästen! Einzig in europäische Geographie scheint Dave Mustaines nicht ganz sicher zu sein, am Schluss des Gigs schwenkt Dave doch die Slowakische Flagge – im Glauben es sei die Flagge der Schweiz, über seinem Kopf. Hinter der Bühne scheint er dann wohl auf dieses kleine Missverständnis hingewiesen worden zu sein, zumindest stand Dave gleich wieder auf die Bühne und entschuldigte sich
Auch Motörhead liessen sich nicht lumpen und spielten Songs wie “Iron Fist”, “Stay Clean”, “Be My Baby”, “Rock Out”, “Metropolis”, “Over The Top”, “Cradle to the Grave”, “In The Name Of Tragedy”, “Just ‘Cos You Got The Power”, “Going To Brazil”, “Killed By Death”, “Ace Of Spades” und “Overkill”! Lemmy is God!!!
Doch jetzt gab es Metallica! Als Sähnehäubchen spielten die Jungs vorallem ältere Songs wie “Creeping Death”, “For Whom The Bell Tolls”, “Ride The Lightning”, “No Remorse”, “Fade To Black”, “That Was Just Your Life”, “The End Of The Line”, “Sad But True”, “Welcome Home (Sanitarium)”, “Broken, Beat And Scarred”, “One”, “Master Of Puppets”, “Fight Fire With Fire”, “Nothing Else Matters”, “Enter Sandman”, und in der Zugabe “Breadfan”, “Whiplash” und als Rausschmeisser “Seek & Destroy”! Leider muss dazu gesagt werden, dass sämtliche Konzerte miserabel abgemischt waren! Da waren offensichtlich absolut unfähige Tontechniker am Werk und lasst euch eines von mir gesagt sein, ihr seid wirklich Super-Pfeifen!
Machtlos mussten die Organisatoren des Jonschwiler Sonisphere zusehen, wie der Grossanlass im Schlamm versank – und sehen sich deswegen massiver Kritik ausgesetzt, bei welcher ich mich ebenfalls nicht zurückhalten möchte, denn es grenzt schon an Unfähigkeit, der Aufräumequipe ein solch absolutes Chaos zurück zu lassen! Infrastrukturelle Mängel waren in praktisch allen Bereichen festzustellen! Nicht einmal genügend Bier war an gewissen Ständen vorhanden! Eine verdammte Frechheit, man darf sich gar nicht vorstellen, wie lange die Biervorräte gehalten hätten, bei sonnigem Wetter! Zudem musste man 30 bis 40 Minuten auf ein Bier anstehen! Auch die Sanitäter hatten es teilweise mit “speziellen” Verletzungen zu tun, denn häufig kam es zu Ratten- und Mäusebissen, was eine Folge des aufgeweichten Bodens war und die Viecher auch nicht einfach absaufen wollten.
Wie schon vor zwei Jahren, war für dieses Mal etwas mehr 47’000 Besucher nur paar hundert Sitzgelegenheiten aufgestellt worden und dies bei einem Festival, das an die 20 Stunden Programm bot! Bilder von vor Erschöpfung auf den Knien kauerten Fans, die kaum noch ihre bleischweren Füsse bewegen konnten, sowie einer Massenschlägerei, bei der lange nicht eingeschritten worden war und die Explosion einer Gasflasche in einem Verpflegungszelt heben das Image des Festivals nicht gerade ins unermessliche, eher im Gegenteil und wie man durch die Pressebeauftragte von Free & Virgin, Ana Garcia, erfahren durfte, wurde aus Kostengründen darauf verzichtet, Kunststoffplatten grossflächig zu verlegen – was aus meiner Sicht, in Kombination mit gestreutem Stroh und Holzschnitzel die Schlammschlacht massiv verringert hätte. Tja, jetzt wird es einiges mehr Kosten, dass Gelände wieder zu reinigen und einigermassen wieder einen Rasen hinzukriegen, denn der ganze Müll befindet sich, dank fehlender Abfallbehältnisse, ebenfalls tonnenweise im Schlamm!
Die Organisation des Festivals war Sache der eigens dafür gegründeten Firma Outfield Productions. Linus Thalmann, Gastro-Unternehmer, SVP-Kantonsrat und früherer Organisator der Tufertschwiler und Jonschwiler Open Airs, ist zu einem Drittel beteiligt. Der Hauptaktionär und somit der Veranstalter des Sonisphere ist die Zürcher Konzertagentur Free & Virgin und wenigstens der Laden sollte eigentlich wissen, wie man sowas zu organisieren hat! Doch denkste Puppe! Denn teilweise herrschte gar “Lebensgefahr” auf Gelände, denn es mussten gar 40 Angehörige der Feuerwehr Jonschwil und des Sicherheitsverbunds der Region Wil aufgeboten werden, um die Sicherheitsaufgaben zu übernehmen oder nach dem 18stündigen Dauerregen die sich auf dem Gelände gebildeten Schlammseen mit Spezialfahrzeuge abzugesaugen, denn da bestand laut Aussage der Organisatoren “Gefahr für Leib und Leben”!
Das Festivalgelände, die mehrere Hektaren grosse, topfebene Degenau bei Jonschwil, glich einem umgepflügten Acker, 30 cm und mehr war der Schlamm tief und dies praktisch überall, auch innerhalb der Verpflegungszelte. Selbst die wenigen Gehwege aus Kunststoffplatten waren im Schlamm versunken. Über was man im Konzertgelände ja noch lachen und als Herausforderung sehen konnte, war für die gut belegten Park- und Campingplätze, die die Degenau umgeben, ein grosses Problem, denn viele Autos, auch schwere Wohnmobile, bleiben hilflos stecken und die Bauern der Umgebung machen das Geschäft ihres Lebens, für 20 Franken ziehen sie mit ihren Traktoren die Wagen aus dem Morast. Diese Hilfe hatten wir zum Glück nicht nötig
Doch bei aller Kritik war es doch auch schön zu sehen, wie die Jonschwiler und Schwarzenbacher ihr Herz für die Metalheads, welche teilweise bis aus Südamerika in ihre Dörfer angereist waren, zeigten: An der Strasse sind immer wieder “wilde” Verpflegungsstände anzutreffen, welche günstig wärmenden Punsch, etwas für den Magen und natürlich auch Bier anboten. Am Samstag werden sich die Auswirkungen des Festivals wohl auch für das Dorf gezeigt haben, die während der Nacht abgereisten Besucher hinterliessen auf der Jonschwilerstrasse eine wunderschöne Schlammspur und der Dorfbrunnen wurde behelfsmässig zur Reinigung benutzt, so dass es dort auch entsprechend ausgesehen hat, dafür die Schuhe und Kleider wieder einigermassen sauber waren. Den Imageschaden kann allerdings auch der Dorfbrunnen nicht wegputzen und da bekanntlicherweise die nächsten 5 Jahre am selben Ort Festivals im ähnlichen Ausmass stattfinden sollen, muss da wohl einiges geschehen, um 45’000 Metalheads The Big Desaster vergessen zu lassen…
Ich danke Youtube User evil666son, alessared, MrWooyko für die Clips, Anne Sitamun für die Fotos und Rob für die Korrektur zur Flagge! Und im Anschluss gibts noch “The Big Four of Thrash” beim Foto Shooting!
Eines Vorweg, ein Muse Konzert, resp die ganze Show haut einem aus den Socken. Pompöser gehts kaum noch, auch wenn man selbst vielleicht kein allzu dermassen grosser Fan der Band ist, gibt es doch für diese absolut grandiose Inszenierung meinerseits ein: Woooooooooooah!!! Ich war in meinem Leben an so manchem Konzert und für mich darf auch gerne die Musik alleine im Mittelpunkt stehen, aber was Muse am letzten Mittwoch geboten haben, hab ich noch nicht gesehen! Kurz vor halb neun Uhr marschieren rund 70 Demonstranten spielende Fans auf die Bühne und die Lichter der spektakulären Bühnenkonstruktion gehen an.
Wie sicherlich allgemein bekannt sein dürfte, schleppen die Rolling Stones ihre Show jeweils mit knapp 60 Sattelschleppern durch die Welt. Muse schafft zum Auftakt ihrer Stadiontournee ihr beeindruckendes Bühnen-Bauwerk mit rund 50 LKWs nach Bern und ragten locker über das Dach des Stade de Suisse hinaus. Seine futuristische Architektur erinnerte irgendwie an neuzeitliche Bahnhof-Bauten gewisser Schweizer Städte nur mutiert dieser bei Dunkelheit zum imposant blinkenden Licht-Monument, das auch schon mal als Startrampe einer fliegenden Untertasse dient.
Muse wurden 1994 in Teignmouth, Devon in England gegründet und bestehen aus Matthew Bellamy (Gesang, Gitarre, Klavier und Keyboards), Christopher Wolstenholme (E-Bass) und Dominic Howard (Schlagzeug und Percussion). Die Band verbindet stilistisch Alternative, Hard und Progressive Rock sowie klassische Musik und Electronica und traten vor Jahren als bescheidene, scheue Indie-Hoffnung im Freiburger Frison auf. Heute gibts Laser-Gewitter, Videoscreens und ein riesiges Ufo mit einer daran hängenden Akrobatin, welch eine Materialschlacht!
So verwundert es auch nicht, dass wie eingangs beschrieben der Konzertauftakt sich um das Thema Machtdemonstration drehte und 70 Fans als Pseudo-Demonstranten gewählt wurden, welche vermummt über die Bühne randalieren dürften, bewaffnet mit Transparenten und doch verkommt die Rebellion zur Farce, zu stumpf. “Fight for our rights” – abgedroschene Floskeln gegen oder für alles und nichts. Wirkte für mich wie eine Parodie aufs Subversive. Wie der letzte Tonträger “The Resistance”, auf welchem die Band die grossen Gesten der Rockmusik zur Karikatur überzeichnet hat, Bohemian Rhapsody lässt Grüssen und nun treibt Muse dies Live zur Grössenwahnsinnigkeit. Das Powertrio schmettert seinen ersten Hit “Uprising” in den Abendhimmel.
Der Sound kommt absolut bombastisch rüber, jeder Ton sitzt, jede Melodie wird zur Hymne, jedes Gitarrenriff ein Statement und die drei Herren, verstärkt mit einem im Hintergrund agierenden Hilfskeyboarder, klingen wie eine monströses Rock Orchester. Von “New Born” über “United States of Eurasia” bis zur Soul-Adaption “Feeling Good” oder dem poppigen “Undisclosed Desires”, welches auf einem kleinen hydraulischen Roll-Raumschiff gespielt wird, werden die Hits der letzten Jahre mit einer Irrsinns Lightshow wiedergegeben. Doch das ist bloss der Anlauf zu weiteren Ungeheuerlichkeiten: “Starlight” wird von Muse zu einer solche wuchtigen Schwülstigkeit aufgeblasen, wie sie U2 nicht mal in ihren glanzvollsten Zeiten zu erreichen vermochten, um dann gleich wieder durch “Resistance” getoppt zu werden. “Es ist grossartig, hier zu singen”, brüllt Matthew Bellamy ins Mic und Muse legen zum Finale hin noch einen nicht für möglich gehaltenen Zacken zu.
Der Konzert oder besser gesagt Show-Wahnsinn gipfelt nach knapp zwei Stunden in zwei Zugaben, bei welchen Muse noch einmal richtig ausholen und bei “Take a Bow” und “Knights of Cydonia” ihre Instrumente so richtig quälen. Fuck! Muse – Musik gewordener Grössenwahn, wie er kaum zu übertreffen sein wird und das mir eigentlich zu erst zu teure Ticket um die 100 Franken absolut wert war! Unglaublich was das Trio da hinschmettert! Einfach grossartig ist da masslos untertrieben…
Nun ist es bereits knapp eine Woche her, dass Kiss auf ihrer Sonic Boom Over Europe Tour in Zürich halten machten und nach einer turbulenten Woche komme ich leider erst jetzt wirklich dazu, ein kleines Konzert Review in die Gruft zu stellen. Und wie die Zeit dieser Woche wie im Fluge verging, so flog Kiss durchs Hallenstadion und zeigten sich im Hallenstadion nach knapp 40 Bühnenjahren immer noch äusserst vital. Mit über 80 Millionen verkauften Alben zählen sie zu den erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Am letzten Sonntag enterten Bandgründer Paul Stanley und Gene Simmons sowie die Bandkollegen Tommy Thayer und Eric Singer die Bühne im Hallenstadion Zürich.
Bereits auf dem Weg zum Hallenstadion wurde einem klar gemacht, welche Band am Abend auf der Bühne stehen würde. Hunderte Fans hatten sich die weissen Fratzen ihrer Idole aufs Gesicht gemalt und um kurz vor neun Uhr war es dann auch soweit: “Allright Zurich! You wanted the best, you got the best: The hottest band in the world: KISS!” Der grosse, schwarze Vorhang vor der Bühne fiel zu Boden, als Paul, Gene sowie Tommy diese mit Hilfe eines erhöhten Podests, umhüllt in viel Trockeneis und gleisendem Licht auf die Bretter die die Welt bedeuten gefahren wurden. Die Bühne ist monströs, das Schlagzeug in der Höhe platziert und oben in der Mitte prangte das Band-Logo, wie man es auch aus früheren Zeiten bestens kennt.
Paul sang zumindest am Anfang ganz passabel, Gene stakste in gewohnter Manier auf der Bühne rum und riss seine berühmten Grimassen, bei denen seine Schlabber-Zunge wie immer die Hauptrolle spielte. Der Ace Frehley Ersatz Tommy Thayer empfahl sich schon bald als der klar bessere Musiker und Drummer Eric Singer ergänzt das aktuelle Line-Up bestens. Selbstverständlich durften die legendären Ansagen von Starchild Paul Stanley nicht fehlen und die Bühne wartete mit fettem Licht, üppig eingesetztem Trockeneis und einem guten Sound auf. So solls sein!
Obwohl man ja von Paul Stanley weiss, dass er mittlerweile künstliche Hüftgelenke hat, bemerkte man bei der Show keinerlei Abstriche, im Gegenteil, unser Starchild hüpfte öfters mal im Zeug rum wie ein junges Rehlein. Kiss zelebrierten, trotz ein paar stimmlichen Abstrichen, die perfekte Rock-Show und die bekannteren Songs standen ja noch bevor. Unvermittelt, aber nicht unerwartet flog dann mal der erste BH auf die Bühne, welcher selbstverständlich flugs an den Mic-Ständer gehängt wurde und Simmons spie Feuer…
Auch der legendären Solo-Auftritt von Flattermann Gene Simmons durfte nicht fehlen. Dazu gehörte das Unheil herauf beschwörende Donner-Grollen seines Instrumentes und die Kunstblut satt, plus der mittlerweile allseits bekannten Flugeinlage, bei der sich Gene an Seilen im entsprechenden Korsett befestigt auf ein Podest auf Höhe der Lichtshow hinstellen liess, um von oben die tobende Halle zu dirigieren.
Übrigens gabs nach dem Konzert am Merch-Stand einen USB-Stick, mit der Aufnahme des Konzerts in Zürich zu kaufen. Geschäftstüchig die Herren!
Die gespielten Songs waren:
Modern Day Delilah
Cold Gin
Let Me Go Rock ‘N’ Roll
Firehouse
Say Yeah
Deuce
Crazy Crazy Nights
Calling Dr. Love
Shock Me
I’m An Animal
100,000 Years
I Love It Loud
Love Gun
Black Diamond
Detroit Rock City
Lick It Up
Shout it Out Loud
I Was Made For Lovin’ You
God Gave Rock And Roll To You
Rock And Roll All Nite
Leider zeigte sich das Publikum nicht ganz so vital wie die Band. Zwar sangen und klatschen die Fans mit, wirklich gekocht hat das Stadion jedoch erst im Zugabeblock beim Smash-Hit “I was made for loving you”. Schade…
Die Videos habe ich übrigens bei Youtube User jaguarxj40 und die Bilder bei Flickr im Album von meseontour und chrchr_75 gefunden. Dank das ihr diese ins Web gestellt habt.
Oha, ich bemerke gerade, dass ich noch nicht alles hier im Blog festgehalten habe, was dass Pro Pain Konzert vom letzten Mittwoch betrifft. Ich wurde reichlichst beschenkt mit einem Pro Pain Shirt, signiert von der Band, welches mir feierlich von Sonja überreicht wurde und ich mich hiermit nochmals herzlichst bedanke! Da Sonja um meinen Schädel Spleen weiss, hat sie mit allem Charme und jeglicher Überzeugungskraft die Band davon zu überzeugen versucht, dass Shirt nicht nur mit einfachen Autogrammen, sondern gleich mit Schädeln zu verzieren. Was dabei rausgekommen ist, zeigt das nachfolgende Bild:
Die beiden alten Haudegen Gary Meskil und Tom Klimchuck können offensichtlich nicht wirklich etwas mit Schädeln anfangen – kein Merchandising Stück der Band ziert ein Skull und so habe ich nun auf meinem Shirt – wie mir höfflichst erklärt wurde – zwei Skulls der Band drauf, die einfach das Fleisch und alles noch dran haben und wenn ichs bräuchte, soll ich mir das halt ohne vorstellen, nämlich, überhaupt und sowieso. Gezeichnet wurden auf alle Fälle zwei Selbstportraits und zwar von Gary und Tom und was soll ich sagen, ich hab ne Saufreude dran
Zum abschliessen am Abschluss dieses Artikels will ich es nicht missen, euch auf die Pro Pain Website hinzuweisen, auf der ihr sämtliche Machwerke der Herren direkt per Paypal bei der Band kaufen könnt, Songs gibts für 99 Cents und ne Scheibe wie “Age Of Tyranny – The Tenth Crusade” für $6.49. Also Freunde der Gruft, kaufen, kaufen, kaufen! Ich für meinen Teil klebe hier nun noch den Song “Time Will Tell” in die Gruft. I’m on a quest for vengeance and time will tell, gotta break the silence and bend the rules, it’s a paid vacation on a ship of fools!
Liebe Freunde der Gruft, seit ihr gelangweilt vom ewig kuschlig plüschigem Mundart Sound mit viel Herzschmerz, Schmalz und Hudigägeler? Wollt ihr endlich mal Mundart mit Power? Wollt ihr fette Metalriffs angelehnt an Killswitch Engage, Slipknot oder Pantera, welche auf Reime, Gesangslinien und Schreiattacken in breitestem Berndeutsch treffen? Sowas geht nicht, resp kann gar nicht gut tönen? Typischer Fall von Denkste, HAK zeigen Polo wo Gott rockt! Obacht Mami u Papi äs lufdät!
Am letzten Freitag hat ich das Vergnügen die Berner Mundart Band HAK endlich mal Live zu sehen und was soll ich sagen, die Jungs vermögen absolut zu überzeugen! Das ging ab wie Rakete! Genial! Wer die Jungs noch nicht kennen sollte, hier die Biographie, zitiert vom Swiss Music Portal:
wer harte klänge in der mundartszene bis jetzt vermisst hat, kann sich freuen! hier ist HAK, die definitiv härteste band im schweizer mundartzirkus.
hak (bandleader, sänger/shouter) hatte die idee für berner mundartmetal. zusammen mit dänu und räffu (beide gitarre), shady (drums) und cami (bass), fordert er das publikum zum „dürä dräiä“ auf.
berndeutsche musik dieser art gab es bisher nicht. fette metalriffs im stile von killswitch engage, slipknot oder pantera treffen auf reime, gesangslinien und schreiattacken in breitestem berndeutsch. dabei bewegt sich HAK immer auf hohem musikalischem niveau. die berner band versteht es, ihre vorbilder in ihren eigenen stil einfliessen zu lassen, ohne dabei zu einem plagiat zu verkommen.
im jahr 2006 erscheint das debut album „dräiät dürä“ (kunz soundcorp.). der titel ist programm; kompromisslos und hart die musik, provokativ die texte.
mit diversen Auftritten 2007/2008 konnten die Band zahlreiche hörer der harten musik erreichen und ihre musik auch über die kantonsgrenze hinaus tragen.
Im Frühling 2009 ging die band ins studio um die zweite HAK scheibe aufzunehmen. die mundart-metaller veröffentlichen am 25.09.2009 ihr zweites Album „wachät uf“
bei der produktion standen tek the machine (draven) und stefan schroff (N.E.M.P studio) zur seite.
Übrigens liebe Freunde der Gruft, der in der Bio erwähnte Tek the Machine stammt von der Band draven und diese hat mit der Gruft nichts gemein, dennoch möchte ich die Jungs hier erwähnen, da ihr Sound ebenfalls absolut hörenswert ist. Aber bleiben wir nun bei HAK!
Wie bereits erwähnt gingen die Jungs ab wie Rakete und vermochten absolut mit ihrem Sound mitzureissen! Das in der Bio erwähnte hohe musikalische Niveau ist nicht nur eine leere Worthülse, die Berner Band erinnert stark an ihre Vorbilder und versteht es doch ihren absolut eigenen, unverkennbaren Stil rüber zu bringen. Mit Songs wie “Wachät uf”, “Revolution”, “Figg di”, “Das isch doch mir glich”, “Vertrouä” und “Dräiät dürä” bringen die Berner den Club zum Kochen und auch den Hinterletzten zum Bangen! Yeah! Aues geili Siechä! Übrigens erinnert mich alten Thrasher die Band ein wenig an die jungen Pantera und dass zwar nicht als billiger Abklatsch, nein im Gegenteil, mit eigenem Stil. Wenn ich das hier schreibe, mein ich das durchaus Ernst, denn Pantera verehre ich unendlich und bei HAK sehe ich noch ein tierisches Potential, dass bei dieser Combo ebenso unvergessliche Hymnen entstehen könnten, wie bei ihren Vorbildern. Der aktuelle Sound fräst sich auf alle Fälle erbarmungslos in die Gehörgänge! Wer weiss, alles ist möglich und vielleicht werden die Giele noch tierisch von der Muse geküsst…
Wer sich nun von HAK selbst überzeugen möchte kann dies am Samstag 27. März im Turm Thun oder am Samstag 24. April im Mattenhof in Interlaken und ich kann euch die Gigs nur wärmstens empfehlen! Die Scheiben “Dräiät Dürä” und “Wachät Uf” gibts übrigens bei CeDe für je CHF 27.90 und ich hab gerade bestellt! Nachfolgend gibts der Videoclip zu “Hautät mau d’Schnurä”
Believe me, nothing is trivial. Hier schreibt Draven Geschichten aus der Gruft - Dies ist ein privater Weblog. Die hier dargestellte Meinung stimmt sicherlich nicht immer mit der meines Arbeitgebers überein, dies möge man ihm nachsehen. Alle veröffentlichten Beiträge, sind meine persönliche Meinung und sind teilweise satirischer Natur.