Album Review: Cycle Beating – The Age Of Depression

Mit „Cycle Beating“ begibt sich eine weitere junge Formation auf das aktuell recht angesagte Schlachtfeld moderner Death-/Thrash-Kapellen. Das deutsche Metal-Quartett lässt mit „The The Age Of Depression“ ihren durchweg brutalen und gleichzeitigen groovigen Thrash’n’Death-Erstling auf die Metalgemeinde los. „I Hate Myself“ sind die letzten Worte des zackigen Titelsongs und diese Aussage ist wegweisend für die Stimmung, die „Cycle Beating“ sehr erfolgreich transportieren. Herbe Enttäuschung und triste Atmosphäre überschatten das komplette Album. Was man da zu hören bekommt, reisst von Beginn an mit und lässt einem die vollen knapp 40 Minuten Spielzeit nicht mehr los.

Cycle Beating - The Age Of Depression

Diese junge Truppe kommt aus dem schönen Schwarzwald und hat sich dem Thrash Metal verschrieben, wobei man sich dankenswerterweise der heftigen und rohen Seite dieses Genres zugetan fühlt. „Cycle Beating“ haben sich 2012 gegründet, um eine Mischung aus Thrash, Groove Metal und Hardcore zu spielen und veröffentlichen schon zwei Jahre nach ihrer Gründung in Eigenregie ihr erstes Album namens „The Age Of Depression“. Kann man gerne in Eigenregie machen, wenn man etwas von der Materie versteht. Und die vier Jungs aus Lehr tun das offensichtlich, denn nicht nur sehen CD und Booklet sehr professionell aus, sondern auch an der Produktion gibt es wenig zu meckern. Da steckt ordentlich Power dahinter, auch wenn man darüber streiten könnte, ob die Vocals und die Gitarren noch einen Zacken stärker in den Vordergrund gemischt werden sollten. Wie auch immer, musikalisch machen „Cycle Beating“ keine Gefangenen und schnetzeln sich gnadenlos durch ihre zehn Songs. Neues gibt es wenig zu hören, dafür eine recht interessante Mischung aus „Pantera“, „Ektomorf“ und „Sick of it All“.

Cycle Beating Band

„Cycle Beating“ legen auch sehr viel Wert auf melodiöse Momente, man höre sich zum Beispiel „Burning Down The Bridge“ oder auch „254“ an. Diese eher sanfteren Passagen sind willkommene Pausen und verleihen der Musik zusätzliche Tiefe. Auf „The Age Of Depression“ wird mit einem bedrohlichen Streicher-Dark-Metal-Intro von anderthalb Minuten Länge inklusive Intro-Monolog und Soundeffekten gekonnt Atmosphäre aufgebaut und mit den Worten „This will be my last day…“ zum Titeltrack in ein headbangtaugliches, melodisches Thrash-Riff übergeleitet. Die Thrash-Heimat ist genauso wenig zu leugnen wie der Einschlag zum (Melodic) Death, das alles garniert mit dezentem, Core-esken Finish. „Cycle Beating“ haben einen Hang zur klassischen Melodiebildung, die sich durch viele der Gitarrenlines zieht. Die klassische Melodieführung wird auf metallischer Seite durch fies stampfende Thrash-Riffs ergänzt, die sich auch mal für einen Breakdown-Part nicht zu schade sind. Die Mischung stimmt, gerade die Saitenfront gibt vielen der neun Songs richtigen Ohrwurmcharakter.

Video Thumbnail
Cycle Beating -Burning down the Bridge-

Die schnellen Drumparts wirken gerade beim Titelsong fast schon behäbig und damit umso bedrohlicher. Schnelle 32stel, Doublebass, Blasts, Breakdowns, da sitzt jeder Schlag. Niklas Maier Beckenarbeit ist exzellent und die öfters zu hörenden ganz hohen Splashes sind eine Ohrenweide. Dagegen nimmt sich der Gesang schon fast langweilig aus. Growler Robert Wagner wagt sich die ganze Platte über nicht aus der einzigen Growling-Stimmlage heraus. Dies kann auch ein Stilmittel sein, jedenfalls verleihen die schmutzigen Vocals von Robert dem Sound einen angenehmen Old School-Touch. Der Refrain des Titelsongs, „This is the age of depression“, entfaltet aber gerade deswegen auch eine fast hypnotische Wirkung und bleibt noch lange im grauen Denkpudding hängen. Düster und melancholisch bleibt die Grundstimmung trotz der harmonischen Gitarren die ganze Zeit über, ohne in die Monotonie abzugleiten, dazu passen die Vocals auf jeden Fall.

Cycle Beating Band

Die Gitarristen und der Bass fallen erst beim zweiten Hinhören ins Gewicht. Dann fällt unweigerlich auf, dass Bassist Lars und die Gitarristen Kim und Robert sehr eingeschworen und stimmig agieren. „Cycle Beating“ werden nie hymnisch, setzen aber trotzdem eine stimmige Mischung aus harschen Riffs und warmen Melodiebögen ab. Dabei schwingt immer eine gewisse Melancholie mit und es gibt zahlreiche, sehr fein abgebremste und drückende Mosh-Momente. „Cycle Beating“ punkten mit der Tatsache, eine authentische Metalband zu sein, die Emotionen nicht mit Keyboard-Bombast oder gekünstelten Cleangesang transportiert, sondern schlicht mit den traditionellen Zutaten: Schlagzeug, Bass, Gitarre und Wut! Auch angenehm fällt auf, dass sich die vier Jungs nicht darauf beschränken, irgendwelche Gewalt-Exzesse in das Mirko zu gröhlen, sondern sich politisch und sozialkritisch zeigen. Das macht das Blättern durch das professionell aufgemachte Booklet gleich noch angenehmer.

Cycle Beating Logo

Moderner Metal ist heutzutage leider sehr austauschbar geworden, doch „Cycle Beating“ zeigen, dass man mit einem gut ausgenutzten Genremix noch überraschen kann. Denn da wo eine Thrash Metal Band an die Grenzen der Musikrichtung stösst oder eine Metalcore Band nicht mehr weiss, wie man moderne Einflüsse ohne Synthesizer stilisiert, hat das Quartett genau den richtigen Weg gefunden. So bekommt man mal eine tragende Melodie, mal holt man sich wie im Song „Burning Down The Bridge“ die Groove-geladene Gitarre aus dem Schrank oder verarbeitet Hardcore-Elemente im Song „No Regrets“. So kommt selten Langeweile auf und man kann nicht nur eine kleine Gruppe bedienen, sondern aus jeder Schublade einige. Es wäre interessant zu wissen, wer zum Text von „Who Do You Think You Are?“ inspiriert hat, denn hier vertonen die Thrasher die gnadenlose Rache an Menschen, denen man zu Unrecht vertraut hat. Den Song dürfen „Cycle Beating“ musikalisch gerne als Blaupause für die Zukunft verwenden, denn hier kommen wirklich alle Stärken der vier Musiker zu Geltung. Die Gitarre gibt uns moshbaren Stakkato, es gibt eine groovige, einprägsame Hook und eine wiederkehrende Gitarren-Lead, die hängenbleibt und schlichtweg geil ist.

Cycle Beating Band

„The Age Of Depression“ lädt zum gepflegten Headbangen ein. Die Groove-Metal- und Hardcore-Elemente im Sound der Badener hätten dabei gerne noch stärker betont werden dürfen. Die Band ist nicht auf pure Brutalität ausgelegt, sondern wirkt melodiös und durchdacht. Ich bin mir sicher, dass die Mucke auf der Bühne noch weitaus mehr knallt, als sie es auf dem Silberling ohnehin schon tut! „The Age Of Depression“ ist ein recht querschnittliches Werk aus Thrash, Death und etwas Core, das mit seinem düsteren Groove Anhänger jeder dieser Spielarten ansprechen wird. Ein anständiges Stück Metal mit ordentlichem Wums und „Cycle Beating“ ist eine Band mit Potential, die live sicher keinen unnötigen Schnack macht. „The Age Of Depression“ wird die Welt nicht revolutionieren, aber wer Lust hat, die Mähne durchzuschütteln, der sollte sich das Album kaufen!

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Trackliste:

  1. Intro
  2. The Age Of Depression
  3. Burning Down The Bridge
  4. 254
  5. No Regrets
  6. Still Sober
  7. The Wrong Path
  8. Mass Corruption
  9. Who Do You Think You Are
  10. In My Darkest Dreams
Album Review: Cycle Beating - The Age Of Depression
8.3 Total
0 Besucherwertung (0 votes)
Originalität8
Tempo7
Musikalische Fähigkeiten8
Gesang7
Songtexte10
Substanz8
Produktion10
Langlebigkeit8
Bewertung der Besucher Wie bewertest Du?
Sort by:

Be the first to leave a review.

User Avatar
Verified

Show more
{{ pageNumber+1 }}
Wie bewertest Du?

Your browser does not support images upload. Please choose a modern one