Album Review: Ace Frehley – Space Invader

Wer Ace Frehley’s Biografie „Keine Kompromisse“ („No Regrets“ in der englischen Originalfassung) gelesen hat wird sich wundern, dass der Space-Ace noch immer unter den Lebenden weilt. Der langjährige Kiss-Gitarrist will es noch einmal wissen: Nachdem seine frühere Band derzeit bei Tourneen gross abräumt und der jüngere Tommy Thayer dabei die Rolle und das Kostüm von Frehley übernommen hat, bringt der 65-Jährige ein neues Solo-Album heraus. Der „einzig wahre“ KISS-Gitarrist ist nun schon seit fast einer Dekade trocken und veröffentlicht mehr oder weniger regelmässig neues Solo-Material. Das letzte hörte auf den Namen „Anomaly“, erschien im Jahr 2009 und war ebenso Easy Listening wie das nun gereichte „Space Invader“. Den Sound des Albums darf man über weite Strecken als „klassisch Kiss“ bezeichnen.

Ace Frehley - Space Invader

Der Spaceman kultiviert auch auf der neuen Platte „Space Invader“ sein extraterrestrisches Image, angefangen beim schnieken Artwork und den Weltraum-Bezug verströmenden Album- und Songtiteln. Mit dem Titeltrack „Space Invader“ rockt die Scheibe gleich ordentlich los, auch das nachfolgende „Gimme A Feelin'“ weiss trotz seiner auf Mainstream-Rock-Radio polierten Fassade mit einer lässigen Eingängigkeit zu überzeugen. Wer aber nach dieser Eröffnung auf eine echte Monster-Platte gehofft hat, wird im weiteren Verlauf des Albums enttäuscht. Das insgesamt sechste Solo-Studio-Album des ehemaligen KISS-Gitarristen fällt nie in zweitklassige Gefilde ab, hat aber mit wenigen Ausnahmen nicht mehr als solide Hausmannskost zu bieten. Songs wie das mit einem unbeeindruckenden Refrain versehene „Toys“, die vertonte Belanglosigkeit „What Every Girl Wants“, das handzahme „I Wanna Hold You“ oder das Steve Miller-Cover „The Joker“ liefern zwar den Beweis, das Frehley immer noch ein Gitarrist der Extraklasse ist – können aber nicht über das etwas altbacken wirkende Songwriting hinweg täuschen. Zudem hat sich mit dem abschliessenden (Beinahe-)Instrumental „Starship“ dann auch ein echter Langweiler auf „Space Invader“ eingenistet.

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Ace Frehley - Gimme A Feelin

Da gefallen hingegen das mit leichter Psychedelic-Rock-Schlagseite veredelte „Reckless“, das mit einem tollen Refrain ausgestattet ist und auch das lässige „Immortal Pleasures“ sowie das spacige „Inside The Vortex“ haben durchaus ihre spannenden Momente – Ace liefert sowohl am Mikro als auch am Bass eine ordentliche Leistung ab. Qualitativ bewegt sich „Space Invader“ auf etwa dem selben Niveau wie „Monster“, der aktuellen Scheibe seiner ehemaligen Band-Kollegen KISS. Einige Songs, wie das fulminante Titelstück, das banale wie amüsante „Toys“ oder das locker-flockige „Gimme A Feeling“ hätten „Monster“ ganz gutgetan. Und weil „Space Invader“ so retro klingt, steuerte Ken Kelly das Cover bei. Der Zeichner war für die Gestaltung der Verpackung der beiden beliebten Kiss-Alben „Love Gun“ und „Destroyer“ verantwortlich. Ace hat in der Vergangenheit wiederholt seinen Unmut darüber geäussert, dass bei Kiss ein anderer Musiker in seiner Maske und seinem Kostüm auftritt. Als die New Yorker Formation im Frühjahr in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde, waren zwar die beiden Ex-Gründungsmitglieder Frehley und Peter Criss (Drums) dabei, zu einem gemeinsamen Auftritt mit Paul Stanley (Gesang, Gitarre) und Gene Simmons (Bass, Gesang) kam es nicht – die beiden Kiss-„Chefs“ hatten das vehement verweigert.

Ace Frehley

Die Gitarrenarbeit jenes Mannes, der bei KISS für die wirklich harten Töne zuständig war, ist jedoch immer noch atemberaubend. Der Kerl versteht es aus zu Anfang unscheinbaren Riffs oder Licks etwas Besonders zu machen, allein die zwingenden Songwriting-Skills, welche sein bahnbrechendes Solo-Album aus dem Jahr 1978 ausgezeichnet hatten, die sind dem guten Ace über die Jahre wohl davongeschwommen. So plätschert der in ein von Ken Kelly entworfenes Kleid gehüllte „Space Invader“ ebenso wie das vor fünf Jahren erschiene „Anomaly“ mehr oder weniger unspektakulär aus den Boxen, weiss kaum ein Song so richtig aufzuregen und auch die zwingend im Hirn festfräsenden Refrains sucht man in diesem wieder sehr Weltraum-lastigen Ambiente eher mit der Lupe.

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Ace Frehley - Space Invader

Tracklist:

  1. Space Invader
  2. Gimme A Feelin` (Radio Edit)
  3. I Wanna Hold You
  4. Change
  5. Toys
  6. Immortal Pleasures
  7. Inside The Vortex
  8. What Every Girl Wants
  9. Past The Milky Way
  10. Reckless
  11. The Joker
  12. Starship
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