Album Review: Abandon Hope – Settle The Score

Bands aus Amerika haben schon längst kein Monopol mehr auf groovigen, dreckigen Südstaaten-Rock, denn moderner Heavy Metal, mit Southern Rock Einschlag, kommt auch aus dem deutschen Münster! Das groovende Quartett „Abandon Hope“ stammt aber sicherlich aus der südlichsten Ecke der Stadt. Irgendwo zwischen der örtlichen Whiskey-Destillerie und einer Lagerfeuerstätte, wo man in die laue Sommernacht hinein zusammen abhängen kann, um, vom Klang der zirpenden Grillen begleitet, die Gitarre auszupacken. Das Lagerfeuer wird dann auch mal schnell plattgewalzt und die akustische Gitarre am Baum zerschmettert. Denn „Abandon Hope“ rocken und das gewaltig. Da steckt viel drin von der tief-düsteren, schwermetallisch-endzeitlichen Whiskey-Seligkeit der „Black Label Society“. Bei „Abandon Hope“ klingt schon der Bandname düster und so ist auch die Atmosphäre, welche das Album „Settle The Score“ verbreitet.

Abandon Hope - Settle The Score

Obwohl die Band bereits seit mehr als zehn Jahren aktiv ist, stellt das aktuelle Werk „Settle The Score“ erst die zweite Veröffentlichung neben der EP „Existence“ dar. Und das Debüt „The Endless Ride“ hat auch schon satte acht Jahre auf dem Buckel. „Settle The Score“ ist allgemein betrachtet eine ordentlich produzierte Scheibe, die einige Durchläufe benötigt, da man im ersten Augenblick etwas verwirrt ist. Man bekommt den Gedanken nicht los, dass hier vielleicht mehrere Bands auftrumpfen, denn Einflüsse von Zakk Wylde, Life of Agony, Danzig, Soundgarden, Pantera, Alice in Chains, Clutch, Orange Goblin und Co. lassen sich nicht leugnen. Doch diese sind nicht der Massstab, sondern lediglich die Inspirationsquelle der Band. Denn sicherlich erreichen „Abandon Hope“ nicht die Qualität dieser Grössen, aber den besonderen Effekt an einem Song hängen zu bleiben und abzugehen, erreichen sie allemal.

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Abandon Hope - Sally (official video)

Auf „Settle The Score“ ziehen die vier Musiker los, als hätten sie noch eine Rechnung zu begleichen. Generell gefällt die abwechslungsreiche Gitarren-Arbeit von Waik auf diesem Album sehr gut. Die stöhnend-röhrenden Riffs klingen schmutzig, flutschen aber „wie geölt“ und peitschen die Mucke ordentlich vorwärts. Die Felle von Drummer Alex sind stramm gespannt und Sänger Hommel singt dazu angenehm unfreundlich. Zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, da diese beim ersten Höreindruck „unsauber“ wirkt, als ob er die Töne nicht richtig treffen würde. Vermutlich stehen hier – wie auch bei der Musik – wohl eher der Transport der Emotionen und der dazu nötige Ausdruck der Stimme im Vordergrund, als immer die „richtige“ Tonlage zu treffen oder zu halten. Aber ich kann verstehen, wenn das dem einen oder anderen vielleicht den Genuss der Musik von „Abandon Hope“ schmälert.

Abandon Hope

Schon im Opener „Right Or Not“ hebt der Gesang im Refrain zu einem Aufwärtsschlenker ab. Auch „Catharsis“ startet betörend dampfwalzig und lässt später Dichte und Druck variieren, wenn es im Gesang und auch in den Solo-Lines melodiös wird. Auch „Jackyll & Daniels“ geht mit wildem Anlauf in einen getragenen, atmosphärisch Chorus und ganz zum Schluss erstarrt der Song wie kalt werdende Lava. Am Besten gelingt der Spagat aber bei „The Core“, einem Highlight des Albums: Erst nackenbrechender Kopfschüttler, dann halluzinös-ruhig, in grungiger, zäher Düsternis. Später fährt man noch ein Stück weiter runter und addiert tiefe Pianoklänge. Vielschichtigkeit beherrschen Abandon Hope also. So drückt „Sweet Surrender“ tüchtig aufs Tempo und „The City“ macht richtig Lärm und zerrt im Refrain heavy-doomig an der Spannungskurve. Positiv auffällig sind die beiden Stücke, zu denen man auch Videos veröffentlichte: „Sally“ ist so eine Art „Powerballade“ und könnte auch mal auf einer Nevermore-Scheibe gewesen sein. Und dann sticht da noch der Titeltrack „Settle The Score“ heraus, der gaaaanz langsam ausgepackt wird…

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Abandon Hope - Settle The Score

Das Album klingt unterm Strich noch zu oft zu erwartbar, nachdem man die Richtung kapiert hat und der Gesamt-Wumms kommt nicht an Kapellen wie besagte Black Label Society ran. Dennoch eine feine Sache und man hört den Jungs an, dass diese Musik genau das ist, was sie machen wollen. „Abandon Hope“ machen hier deutlich mehr richtig als falsch. Die Musik rockt heftig aus den Boxen, der Sound ist erdig aber nicht zu matschig. Die Songs sind abwechslungsreich ohne stilistisch beliebig zu wirken. Dabei spricht die Musik deutlich mehr das Gefühlszentrum im Bauch an, als die feinen Synapsen im Gehirn. Aber es fühlt sich einfach richtig und gut an. „Settle The Score“ ist ein Album, bei dem der Hörspass im Vordergrund steht.

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Tracklist:

  1. Right or Not
  2. Catharsis
  3. Turmoil
  4. The Core
  5. Settle the Score
  6. Jackyl & Daniels
  7. Memories
  8. The City
  9. Sally
  10. Sweet Surrender
Album Review: Abandon Hope - Settle The Score
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Originalität7
Tempo7
Musikalische Fähigkeiten9
Gesang7
Songtexte8
Substanz9
Produktion9
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