Eines Vorweg, ein Muse Konzert, resp die ganze Show haut einem aus den Socken. Pompöser gehts kaum noch, auch wenn man selbst vielleicht kein allzu dermassen grosser Fan der Band ist, gibt es doch für diese absolut grandiose Inszenierung meinerseits ein: Woooooooooooah!!! Ich war in meinem Leben an so manchem Konzert und für mich darf auch gerne die Musik alleine im Mittelpunkt stehen, aber was Muse am letzten Mittwoch geboten haben, hab ich noch nicht gesehen! Kurz vor halb neun Uhr marschieren rund 70 Demonstranten spielende Fans auf die Bühne und die Lichter der spektakulären Bühnenkonstruktion gehen an.

Wie sicherlich allgemein bekannt sein dürfte, schleppen die Rolling Stones ihre Show jeweils mit knapp 60 Sattelschleppern durch die Welt. Muse schafft zum Auftakt ihrer Stadiontournee ihr beeindruckendes Bühnen-Bauwerk mit rund 50 LKWs nach Bern und ragten locker über das Dach des Stade de Suisse hinaus. Seine futuristische Architektur erinnerte irgendwie an neuzeitliche Bahnhof-Bauten gewisser Schweizer Städte nur mutiert dieser bei Dunkelheit zum imposant blinkenden Licht-Monument, das auch schon mal als Startrampe einer fliegenden Untertasse dient.

Muse wurden 1994 in Teignmouth, Devon in England gegründet und bestehen aus Matthew Bellamy (Gesang, Gitarre, Klavier und Keyboards), Christopher Wolstenholme (E-Bass) und Dominic Howard (Schlagzeug und Percussion). Die Band verbindet stilistisch Alternative, Hard und Progressive Rock sowie klassische Musik und Electronica und traten vor Jahren als bescheidene, scheue Indie-Hoffnung im Freiburger Frison auf. Heute gibts Laser-Gewitter, Videoscreens und ein riesiges Ufo mit einer daran hängenden Akrobatin, welch eine Materialschlacht!

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So verwundert es auch nicht, dass wie eingangs beschrieben der Konzertauftakt sich um das Thema Machtdemonstration drehte und 70 Fans als Pseudo-Demonstranten gewählt wurden, welche vermummt über die Bühne randalieren dürften, bewaffnet mit Transparenten und doch verkommt die Rebellion zur Farce, zu stumpf. „Fight for our rights“ – abgedroschene Floskeln gegen oder für alles und nichts. Wirkte für mich wie eine Parodie aufs Subversive. Wie der letzte Tonträger „The Resistance“, auf welchem die Band die grossen Gesten der Rockmusik zur Karikatur überzeichnet hat, Bohemian Rhapsody lässt Grüssen und nun treibt Muse dies Live zur Grössenwahnsinnigkeit. Das Powertrio schmettert seinen ersten Hit „Uprising“ in den Abendhimmel.

Der Sound kommt absolut bombastisch rüber, jeder Ton sitzt, jede Melodie wird zur Hymne, jedes Gitarrenriff ein Statement und die drei Herren, verstärkt mit einem im Hintergrund agierenden Hilfskeyboarder, klingen wie eine monströses Rock Orchester. Von „New Born“ über „United States of Eurasia“ bis zur Soul-Adaption „Feeling Good“ oder dem poppigen „Undisclosed Desires“, welches auf einem kleinen hydraulischen Roll-Raumschiff gespielt wird, werden die Hits der letzten Jahre mit einer Irrsinns Lightshow wiedergegeben. Doch das ist bloss der Anlauf zu weiteren Ungeheuerlichkeiten: „Starlight“ wird von Muse zu einer solche wuchtigen Schwülstigkeit aufgeblasen, wie sie U2 nicht mal in ihren glanzvollsten Zeiten zu erreichen vermochten, um dann gleich wieder durch „Resistance“ getoppt zu werden. „Es ist grossartig, hier zu singen“, brüllt Matthew Bellamy ins Mic und Muse legen zum Finale hin noch einen nicht für möglich gehaltenen Zacken zu.

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Der Konzert oder besser gesagt Show-Wahnsinn gipfelt nach knapp zwei Stunden in zwei Zugaben, bei welchen Muse noch einmal richtig ausholen und bei „Take a Bow“ und „Knights of Cydonia“ ihre Instrumente so richtig quälen. Fuck! Muse – Musik gewordener Grössenwahn, wie er kaum zu übertreffen sein wird und das mir eigentlich zu erst zu teure Ticket um die 100 Franken absolut wert war! Unglaublich was das Trio da hinschmettert! Einfach grossartig ist da masslos untertrieben…

Setlist:

  • Uprising
  • New Born
  • Supermassive Black Hole
  • Neutron Star Collision (Love Is Forever)
  • Guiding Light
  • Interlude
  • Hysteria
  • Map of the Problematique
  • Nishe
  • United States Of Eurasia
  • I Belong To You
  • Feeling Good
  • MK Jam
  • Undisclosed Desires
  • Starlight
  • Resistance
  • Time Is Running Out
  • Unnatural Selection

Zugabe:

  • Unintended
  • Exogenesis: Symphony, Part 1: Overture
  • Stockholm Syndrome

Zugabe 2:

  • Take A Bow
  • Plug In Baby
  • Knights of Cydonia

Bedanken möchte ich mich bei pip aka flipflop :) , meseontour und chrchr_75 für die Bilder bei flickr und bei BatzhuSchatz und hprichter59 für die Videos bei Youtube!

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