Saint

Der Nikolaus hat Euch etwas mitgebracht...

20101 h 25 min
Kurzinhalt

Sankt Nikolaus war mitnichten ein wohltätiger Bischof, sondern ein exkommunizierter Raubritter, der im Mittelalter die Lande terrorisierte, bis ihm Vigilanten den Garaus bereiteten. Doch damit endete der Spuk nicht. Immer nämlich, wenn Vollmond auf den 5. Dezember fällt, kehrt Nikolaus als Dämon zurück und hinterlässt eine Blutspur. Nur der Polizist Goert weiß von dem Geheimnis, doch hält ihn jeder für verrückt. Zumindest, bis sich am 5. im Vollmond die Notrufe häufen. Mitten im Schlamassel: Teenager Frank, dessen Tag heute eh nicht ist.

Metadaten
Titel Saint
Original Titel Sint
Regisseur Dick Maas
Laufzeit 1 h 25 min
Starttermin 31 Oktober 2010
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Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

Nikolaus mal anders. Es ist eine Art abgefahrene Urban Legend, die uns Dick Maas in „Saint“ verzapfen will, verbunden mit Motiven der klassischen Geistergeschichte und der Struktur eines Slashers. Klingt schräg, ist es auch – aber mit der harten und schnellen Gangart, die Maas gleich zu Beginn vorlegt, überfährt der Niederländer alle Zweifel an seiner Zielstrebigkeit. Irgendwo zwischen abgetrennten Gliedmassen und literweise umherspritzendem Blut findet der Regisseur auch noch reichlich Platz für Selbstironie und treffsicheren Humor. Und ist damit auf dem richtigen Weg, denn alle Härte und Spannung können den Trash- und Spasscharakter dieser Nikolaus-Story nicht verschleiern.

In Holland zelebriert man den Nikolaustag etwas ausgelassener: Dort feiert man den „Sinterklaas“ (Sankt Nikolaus), der in der Nacht vom 5. auf den 6.12 vor allem die artigen Kinder mit Süssigkeiten beschenkt, mit einem rauschenden Fest. Grund genug für Regisseur und Drehbuchautor Dick Maas den vorweihnachtlichen Spiess einfach umzudrehen und den „Sinterklass“ in ein mordendes und blutgieriges Etwas zu verwandeln, dass alle 23 Jahre zu Vollmond an einem 5. Dezember seinen Beutezug startet, um Kinder und Jugendliche zu meucheln. Dann werden nicht die Stiefelchen gefüllt, sondern ein Gemetzel unter den Bewohnern von Amsterdam veranstaltet, das nur die Kinder überstehen – weil die nämlich nach Spanien entführt werden, wo weiss der Geier was mit ihnen passiert.

Was uns Regisseur Dick Maas hier an frisch-frivoler Horrorkost vorsetzt ist schon beachtlich und bemerkenswert, bedenkt man, dass es sich bei seinem aktuellen Werk um Horrorkost aus Holland handelt, dass den Vergleich zu diversen anderen internationalen Produktionen nicht scheuen braucht. Zumindest ist es Maas mit „Sint“ gelungen eine wirklich stimmungsvolle Weihnachts-Horror-Komödie zu schaffen, die trotz geringen Budgets überaus hochwertig ausschaut. Dabei drängt sich nicht nur einmal der Gedanke auf, dass Maas scheinbar aktuellen Hochglanz-Hollywood-Produktionen nacheifern wollte. Zumindest im optischen Sinne, der Erzählweise und der Darstellung der wohldosierten Schocks ist dies deutlich spürbar. Klar wirkt das dennoch etwas arg dilettantisch-unbeholfen und irgendwie aufdringlich-aufgesetzt, macht „Saint“ aber gerade deswegen irgendwie sympathisch.

Es gibt noch viel, was man loben kann, von der schick altmodischen Spannungsmusik, die vom Regisseur selbst stammt, über gelungene Reminiszenzen an einige Genre-Klassiker bis hin zu grandiosen Einzelszenen wie der irren Verfolgungsjagd, in der die Cops auf den Strassen versuchen, den Nikolaus im Auge zu behalten, während dieser mit seinem Pferd (!) den Weg über die Dächer nimmt. Und so braucht man relativ lange, bis man die wirklich störenden Baustellen wahrnimmt, die „Saint“ letztlich viel von seiner Gesamtwirkung nehmen. Die unnötigen CGI-Effekte beispielsweise, die fast nur bei den Schiffszenen im Hafen vorkommen, sehen so bemitleidenswert peinlich aus, dass man der Produktion dringend aus eigener Tasche eine neue SFX-Truppe spendieren möchte. Gegen Ende verliert Maas dann auch im selbstverfassten Drehbuch den Faden, sodass man auf ein schnelles Ende hofft, bevor die positiven Eindrücke sich im Nebel der Logikfreiheit verflüchtigen können. Ob am Ende der Ärger über vertane Chancen oder doch die Freude über einige kultige Momente überwiegt, wird wohl je nach Grundstimmung und/oder Alkoholpegel variieren. Auf seine ganz spezielle Weise hat dieser zugleich alberne wie brettharte Trashgrusler durchaus das Potential, seiner Zielgruppe in der kalten Jahreszeit die Herzen zu wärmen. Ein Prequel ist, meines Erachtens, dringend von Nöten.