Nightmare Before Christmas

19931 h 16 min
Kurzinhalt

Jack Skellington ist der gefeierte Held von Halloweentown. Er treibt die gespenstischen Bewohner des Städtchens jedes Jahr aufs neue dazu an, sich schauerliche Überraschungen und diabolische Gags für das nächste Halloweenfest auszudenken. Doch der jährliche Trott, der sich immer einzig und allein um das Halloween dreht, wird Jack langsam zu eintönig. Als er zufällig die Tür zur fröhlichen und farbigen Weihnachtswelt findet und hindurchtritt, kommt ihm die Idee, das so andersartige Weihnachtsfest dieses Jahr selbst auszurichten ...

Metadaten
Titel Nightmare Before Christmas
Original Titel The Nightmare Before Christmas
Regisseur Henry Selick
Laufzeit 1 h 16 min
Starttermin 9 Oktober 1993
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

Unter der Regie von Henry Selik erschien im Jahre 1993 mit „Nightmare Before Christmas“ der erste abendfüllende Stop-Motion-Kinofilm. Beim Stop-Motion-Verfahren werden modellierte Puppen vor einem starren Hintergrund mit enormem Aufwand millimeterweise bewegt und abfotografiert. Dieses Verfahren, welches seinen filmischen Durchbruch bereits im Jahre 1932 mit dem Film „King Kong und die weisse Frau“ feierte, wurde lange Zeit für Spezialeffekte genutzt. So fand die Technik in den 80er Jahren und auch Anfang der 90er noch ihren Einsatz in Filmen wie „The Terminator“ und „Jurassic Park“, bevor der Computer jegliche Spezialeffekterzeugung übernahm. Mit „Nightmare Before Christmas“, einem skurrilen Grusical über ein Skelett, welches das Weihnachtsfest an sich reißen möchte, wurde bewiesen, zu was für erstaunlich flüssigen und natürlichen Bewegungsabläufen die Stop-Motion-Technik eingesetzt werden kann.

Diesem Stop-Motion-Film von Touchstone Pictures liegt eine Geschichte von Tim Burton zugrunde und er war auch als Produzent mit an der Entwicklung des Filmes beteiligt. egie führte aber Henry Selick. Genau genommen, reden wir hier von einem ziemlich kruden Haufen von Künstlern, Schriftstellern und Filmemachern, deren künstlerische Basis wohl die fast ausschliessliche Beschäftigung mit Unkonformitäten und zudem äusserst, (unpolitisch), schwarz gefärbten Ansichten von Humor ist. Autor und Regisseur, liegen also hier nicht unbedingt weit auseinander. Aber wenn es jemanden gegeben hat, der es bis heute geschafft hat, nicht nur eine geradezu grandiose Gratwanderung zwischen Bildelementen aller möglichen Grenzgebiete dieses Metiers auf ein einziges filmisches Werk zu konzentrieren, – und dies selbst noch bis in die doch eher biederen Disney-Studios zu tragen, dann war es wohl er. Was andere Macher von Animationsfilmen normalerweise in publikumsspezifische Verharmlosungen und Klischees aufteilen müssen, fällt bei ihm einer ungeheuren Sensibilität zum Opfer, die ihm ermöglicht alles zusammen in einen Topf zu werfen, ohne dabei Schwierigkeiten zu bekommen, die Suppe gleichermassen süss wie sauer schmecken zu lassen. Er ist der ungeschlagene Meister des Zwischenraumes. Zwischen Jung und Alt. Zwischen liebevollem Horror und kettensägender Romantik. Zwischen krudem Witz und feinfühligem Schmunzeln.

Die Ästhetik der Hässlichkeit, beherrscht er genauso, wie die Verunglimpfung der Ästhetik, die Profanisierung von Niveau ebenso, wie die niveauvolle Verarbeitung von Klischees. Er dreht die Dinge um, ordnet sie neu und lässt den Betrachter damit irritiert mit den Augen rollend alleine. Wo andere nur genremässig Klamauk auf Klamauk folgen lassen um sinnlos Zwerchfelle zu malträtieren, macht er den Klamauk zur sensiblen Mixtur seiner selbst, greift mit gnadenloser Unverschämtheit in die vollgefüllte Kiste sensibler Unsensibilitäten – und spielt geradezu mit der ganzen Bandbreite von bildlich symbolischen Kombinationen zwischen fein ziselierten Ängsten, Komik und Horror genauso, wie mit Comic-, Zeichentrick- und surrealistischen Sequenzen, deren absolut abgestimmter Wechsel dem möglichen Lachen immer ein zähneklapperndes Schlucken beimischt. „Christmas before Nightmare“ ist der Beweis, dass die niveauvolle Geschmacklosigkeit, einen bestechend wohlriechend ranzigen Geschmack vermitteln kann, welcher einen die Dinge mitunter selber vertauschen lässt.

In Filme von Henry Selick, geht man nicht mehr mit dem üblichen Gefühl, sich über einen Animationsfilm Unterhaltung oder Spaß zu besorgen. Hier geht der Genuss tiefer. Viel tiefer. Und man muss sich von gewohnten Bewertungen befreien können. Man lässt Bilder auf sich wirken, die man ruhig mehrmals ansehen kann, um dabei immer neue Feinheiten entdecken zu können. Selik macht es relativ leicht, den Unterschied zwischen kreativer gestalterischer Liebe und einfacher Produktion von rein abfragebedingtem Füttern von Morbiditäten sichten zu können. Und im Zweifelsfalle, macht er auch da noch aus einer Fliegenpizza ein vielleicht gruseliges, aber immer noch Sahnetörtchen. Und was die anfangs erwähnten Schwierigkeiten im vielleicht interpretationsbedingtem Raum betrifft, werden die Dinge speziell beim Film, „Nightmare before Christmas“, mitunter recht schwierig. Man muss schon das Schlitzohr Selick und auch Burton an ihren sensiblen Möglichkeiten messen, Dinge dort zu verstecken, wo sie niemand vermutet. Immerhin, beschäftigen wir uns hier mit Leuten, die das Herumspielen mit Skurrilitäten in der Psyche bildverarbeitender Menschen für Klavierspielen halten. Und darin, einfach verdammt gut sind.

Die scheinbar lebendig werdenden Puppen versprühen ihren eigenen Charme und sorgen dafür, dass der Film seinen unverwechselbaren, innovativen Look erhält. „Nightmare Before Christmas“ gefällt als etwas anderer Weihnachtsfilm, der durch schaurig-schöne Melodien und eine in sich geschlossenen, bizarren Festtagswelt begeistert. Generell, kann ich nur empfehlen sich den Film zu besorgen, die Salzstangen und Cräcker durch Fischgräten, Zwiebelringe und Knoblauchzehen zu ersetzen und bei einem frischen Bier mit Ketchup, sich auch den Feinheiten genüsslich zu ergeben…