Hobo with a Shotgun

Er sorgt für Gerechtigkeit - Kugel für Kugel

20111 h 26 min
Kurzinhalt

Ein Landstreicher (Rutger Hauer) zieht in eine Stadt namens Hope Town, in der das Gesetz nichts zu melden und das Verbrechen die Gegend beherrscht. Er macht sich jedoch nichts daraus und will dort als Landschaftsgestalter seinen Lebensunterhalt bestreiten. Dafür benötigt er jedoch einen Rasenmäher, der in einem Pfandhaus knappe 50 Dollar kostet. Um sich diesen kaufen zu können, geht er betteln. Dabei beobachtet er, wie die mörderischen Brüder Ivan und Slick, deren Vater „The Drake“ das Sagen in Hope Town hat, einen Jungen bedrohen. Nachdem die Prostituierte Abby erfolglos eingreift, schnappt sich der Landstreicher Slick und bringt ihn zur Polizeistation. Aufgrund eines perfiden Korruptionssystems wollen ihm die Gesetzeshüter jedoch nicht helfen. So macht es sich der Landstreicher zur Aufgabe, sich selbst um das verbrecherische Gesindel zu kümmern – inklusive pädophiler Weihnachtsmänner und Drogendealer – und kauft sich für sein erbetteltes Geld keinen Rasenmäher, sondern eine Shotgun…

Metadaten
Titel Hobo with a Shotgun
Original Titel Hobo with a Shotgun
Regisseur Jason Eisener
Laufzeit 1 h 26 min
Starttermin 6 Mai 2011
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Rutger Hauer, Gregory Smith, Robb Wells, Brian Downey, Molly Dunsworth
Trailer

Dieser Streifen ist ein Gewaltporno. Liebevoll ad absurdum geführte Gewaltorgien im Gewandt des inzwischen trendgewordenen Retroparodiegenres. Wahrscheinlich der Film, der Machete gerne gewesen wäre. Ich hab eine kleine Schwäche für ausgemachte, sinnlos gewalttätige Filme und schon ein paar Sekunden Rutger Hauer als Train Tramp in einer in den sattesten Technicolor-Sommer-der-Liebe-Farben erstrahlenden Landschaft entlarven all die Anti-Hype-Aktivisiten als Lügenmäuler. Nennt mich Fanboy, nennt mich meinetwegen Arschloch, aber selten hat mich ein Vorspann mehr begeistert. Und danach lässt es der Film so richtig krachen! Aber so richtig und nonstop! Political Correctness? Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen „Selbstjustiz“ oder „gesellschaftliche Außenseiter“? Eine richtige Story? Nada! Gespielt wird ohne Rücksicht auf Verluste im hemmungslosen Crescendo eine Ode an das gewalttätig(st)e Grindhouse-Kino der Siebziger.

Hobo with a Shotgun

Wie erwähnt ist „Hobo with a Shotgun“ genau das, was „Machete“ sein wollte: ein Grindhouse- Film, ein Trashfilm. „Machete“ ist ein guter Film, aber eben kein Grindhouse-Trash. Rudger Hauer, der einzige grosse Name des Films, mimt den namensgebenden Penner mit Schrotflinte. Die Geschichte ist in etwa „Ein Mann sieht rot“ auf Drogen. Der Film ist ein einziges Feuerwerk aus Overacting, Splatter und Zynismus. Einige Witze sind tatsächlich sehr makaber und sensiblen Menschen auf keinen Fall zu empfehlen. Auch der Gewaltgrad ist sehr hoch: Abgerissene und abgeschossene Körperteile, Eingeweide und sonstige Unappetitlichkeiten am laufenden Band. Jeder der also eher aus dem Action-Bereich als dem Horror-Splatter-Bereich kommt sei hiermit gewarnt. Hier werden einige Grenzen überschritten. Jeder, der damit kein Problem hat, kann 86 ungeschnittene Minuten herrlichen Trash erleben.

Hobo with a Shotgun

Als die kanadischen Filmemacher Jason Eisener, John Davies und Rob Cotterill im Jahr 2006 mit „Hobo with a Shotgun“ ihren Beitrag zu einem von Robert Rodriguez ausgerufenen Fake-Trailer-Wettbewerb lieferten, ahnte wohl keiner von ihnen, dass ihre Idee von einem Obdachlosen, der für sein letztes Geld eine Schrotflinte kauft und damit gegen das Unrecht vorrückt, dermassen gut ankommen und sogar den Weg für einen abendfüllenden Spielfilm ebnen würde. Dabei schaffte es der Trailer nur in Kanada und in wenigen US-amerikanischen Kinos in die Vorschau von Rodriguez‘ und Quentin Tarantinos „Grindhouse“-Doppel. Das Konzept des eine Minute und 58 Sekunden langen Vorfilms mag für eine Adaption in Spielfilmlänge etwas zu knapp scheinen und tatsächlich ist mit dem Titel „Hobo With A Shotgun“ eigentlich schon alles Wesentliche über die Handlung gesagt. Doch angesichts des originellen Looks, massig Gore und vor allem dank des charismatischen Hauptdarstellers Rutger Hauer wird die schnell zur Nebensache.

Hobo with a Shotgun

„Hobo with a Shotgun“ präsentiert sich von Beginn an in übersättigter Technicolor–Pracht und liefert dazu passend einen Score, der sofort in die 70er Jahre zurück katapultiert. Einzig der sichtlich gealterte Rutger Hauer entlarvt die ansonsten perfekte Illusion der Eröffnungssequenz. Die Schauspiellegende, die mit der Verkörperung eines künstlichen Menschen in Ridley Scotts düsterer Zukunftsvision „Blade Runner“ berühmt wurde, ist trotz unzähliger, missglückter B-Movies immer noch ein Star und schaffte in den 2000ern mit kleineren Auftritten in „Sin City“ und „Batman Begins“ sogar ein Kino-Comeback. Hauers Darstellung des verrückten Obdachlosen, der mit seiner Schrotflinte die Welt zu einem besseren Ort machen möchte, ist durchweg mit der Intensität gespielt, die den Niederländer zu einem der aussergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation machte. Der restliche Cast verkörpert die genregemäss überzeichneten und eindimensionalen Figuren solide, kann aber dabei nicht mit so originellen Entwürfen spielen, wie sie die Darsteller in Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez‘ Grindhouse-Würfen vorgelegt bekommen – etwa wie Cheech Marin als schiesswütiger Priester aus „Machete“.

Hobo with a Shotgun

An brutalen Gemeinheiten wurde nicht gespart, Gorehounds kommen voll auf ihre Kosten: offene Knochenbrüche, Stacheldraht-Enthauptungen, platzende Köpfe – und freilich hat auch Hobos heissersehnter Rasenmäher noch seinen blutigen Auftritt. Auch die Jüngsten bleiben nicht verschont: Babys werden mit Schusswaffen bedroht und ein ganzer Schulbus wird in ein flammendes Inferno verwandelt. „Hobo with a Shotgun“ ist definitiv nichts für schwache Nerven!