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Gremlins - Kleine Monster

Niedlich. Schlau. Boshaft. Intelligent. Gefährlich.

19841 h 46 min
Kurzinhalt

Warnung: halte sie von Wasser fern – halte sie von Licht fern – aber das Wichtigste überhaupt: egal, wie sehr sie betteln: in keinem Fall dürfen sie nach Mitternacht gefüttert werden – niemals! Drei mysteriöse Warnungen, bevor Billy Pelzer sein neues kuscheliges Haustier in die Arme schließen kann. Doch er hätte besser auf die Warnungen gehört, denn aus dempossierlichen Weihnachtsgeschenk wird ein Albtraum für eine ganze Stadt. Ein kleines, drolliges Tier vermehrt sich in sekundenschnelle und es entstehen grauenvolle und doch hochintelligente Monster.

Metadaten
Titel Gremlins - Kleine Monster
Original Titel Gremlins
Regisseur Joe Dante
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 7 Juni 1984
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

Die Überlieferung von Geschichten über Fabelwesen und übernatürliche Phänomene regt die kollektive Phantasie an. Jede Kultur hat dabei ihre eigenen Mythen und Legenden. So haben im Zweiten Weltkrieg die Bomberpiloten der britischen Royal Air Force technische Probleme mit ihren Maschinen gern der Sabotage durch kleine Gremlins zugeschrieben. Sehr schnell haben die koboldartigen Plagegeister dann auch Eingang in die Filmgeschichte gefunden: Heute sind sie als die kleinen Monster aus Joe Dantes 1984 entstandener Horror-Komödie „Gremlins“ allgemein bekannt. Als eine der ersten Produktionen von Steven Spielbergs neu gegründeter Firma Amblin sollte der Film das dunkle Gegenstück zu E.T. sein. Diese Rechnung ging bei dem auch heute noch vergnüglichen Spektakel nicht nur an den Kinokassen auf.

Nach dem bis dahin beispiellosen Erfolg seines Ausserirdischen-Märchens „E.T.“ konnte Steven Spielberg so ziemlich tun oder lassen, was er wollte. Und so gründete er mit seinen alten Weggefährten Frank Marshall und Kathleen Kennedy (Der seltsame Fall des Benjamin Button) eine Produktionsfirma, die in Reminiszenz an einen frühen Kurzfilm Spielbergs den Namen Amblin erhielt. Hier sollten junge Regisseure die Möglichkeit haben, mit grossen Mitteln für ein grosses Publikum zu arbeiten. Mitte der Achtziger hatte Amblin dann schon vier Hitfilme auf dem Konto, neben „Gremlins“ das Kinderabenteuer „Die Goonies“ von Richard Donner, die Zeitreisekomödie „Zurück in die Zukunft“ von Robert Zemeckis und „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“, Barry Levinsons Schilderung der Erlebnisse des jungen Sherlock Holmes.

Bei „Gremlins“ wurde das ursprüngliche Drehbuch von Amblin-Stammautor Chris Columbus, der später selber zum Regiestar (Kevin – Allein zu Haus, Harry Potter) aufstieg, in einem ausführlichen Umschreibeprozess von Autor, Regisseur und Produzent gemeinsam in die endgültige Form gebracht. So finden sich die Vorlieben aller drei in „Gremlins“, aber Joe Dante hat ihn sicher am nachhaltigsten geprägt. Der Regisseur wurde wegen seiner anarchischen Ader von einem Kritiker als Steven Spielbergs böser Bruder bezeichnet und mehr als eine Kritik zu seinen Filmen trägt den naheliegenden Titel „“Dantes Inferno“. Die heile Welt der Vor- und Kleinstädte erweist sich bei ihm tatsächlich als Hölle, sei es in „Meine teuflischen Nachbarn“, in „Small Soldiers“, bei seinem Segment des „Twilight Zone“-Kinofilms oder eben bei den „Gremlins“. Dazu verweist er häufig auf die liebste Freizeitbeschäftigung der Vorstadtbewohner und setzt ständig laufende Fernseher kommentierend ein. So begleitet etwa ein Ausschnitt aus Don Siegels „Die Dämonischen“ den Verwandlungsprozess der Gremlins.

So ist „Gremlins“ gespickt mit Verweisen, Hommagen und Selbstreflexion, die meisten dieser Bezüge sind für Dante und für Spielberg wichtig. Immer wieder wird auf „E.T.“ angespielt – von der berühmten Zeile „Phone Home“ bis zum Versteck von Stripes, dem bösen Obergremlin, im Puppenregal neben einer Figur des Gnoms aus dem All. Während es Zufall sein könnte, dass der Gesang Gizmos wie die „Chipmunks“ klingt, ist der Verweis auf die Verständigung per musikalischer Tonfolge in „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ an anderer Stelle klare Absicht. Ein Höhepunkt ist die Sequenz, in der die Kobolde ihr zerstörerisches Treiben unterbrechen, um im Kino Disneys „Schneewittchen“ zu schauen. Begeistert singen sie beim Lied der Zwerge mit, aber das Filmtheater geht am Ende trotzdem in die Luft. Die wichtigste Referenz in „Gremlins“ ist der Weihnachtsklassiker Ist das Leben nicht schön?.

Dante verweigert sich den narrativen Konventionen auch, indem er seinen Figuren keine besondere Tiefe oder Glaubwürdigkeit zugesteht. Insbesondere Billy ist nicht mehr als ein Abziehbild. Trotz aller Sabotage wird in *Gremlins* ein ausreichend tragfestes erzählerisches Gerüst errichtet, dieses bringt der Regisseur erst 1990 in der Fortsetzung *Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster* zum Einsturz. Dante huldigt mit vielen visuellen Gags und Überspitzungen auch seiner ersten filmischen Liebe, dem Zeichentrick, der er sich später im lustvoll überdrehten „Looney Tunes: Back In Action“ ganz unverblümt widmen konnte. Trotz des insgesamt leichten, oft fast satirischen Tons von „Gremlins“ lässt Dante gelegentlich der bösen Fantasie mit cartoonesker Überspitzung freien Lauf. Da werden auch mal Gremlins durch den Mixer gejagt oder in der Mikrowelle gegrillt. Was bei „Tom & Jerry“ akzeptabel zu sein scheint, wird hier zur Provokation. Regisseur Joe Dante verschreibt sich in seinen Filmen der Auflösung jeglicher Ordnung und frönt der Lust am Regelbruch.