Er ist wieder da

20151 h 56 min
Kurzinhalt

Er ist wieder da, der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler im Berlin der Gegenwart. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Angela Merkel und vielen tausend Ausländern startet er, was man am wenigsten von ihm erwartet hätte: eine Karriere im Fernsehen. Denn das Volk, dem er bei eine Reise durch das neue Deutschland begegnet, hält ihn für einen politisch nicht ganz korrekten Comedian und macht ihn zum gefeierten TV-Star. Und das, obwohl sich Adolf Hitler seit 1945 äußerlich und innerlich keinen Deut verändert hat.

Metadaten
Titel Er ist wieder da
Original Titel Er ist wieder da
Regisseur David Wnendt
Laufzeit 1 h 56 min
Starttermin 8 Oktober 2015
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Trailer

Er ist wieder da – naja ich sag mal eher, zum Glück nicht! Trotz vieler Szenen in denen man herzhaft Lachen muss, hat man zum Ende des Films einen Kloss im Hals! Wäre es tatsächlich möglich? Ja, es wäre möglich, man schaue sich nur die Stimmung im Volk und die aktuellen Wahlergebnisse an. Schliesslich hat es vor nicht allzu langer Zeit schon ähnlich geklappt, anfangs belächelt, stiess seine Botschaft auf nur allzu fruchtbaren Boden. Der Film ist ein Spiegel der Gesellschaft, eine tolle Komödie mit einer interessanten Botschaft.

Er ist wieder da

*Er ist wieder da““, nach dem Roman von Timur Vermes, ist reichlich mit Stars besetzt, so spielen Katja Riemann und Christoph Maria Herbst etwa mit. Schauspieler Oliver Masucci gibt in angekokelter Führeruniform denselbigen, der durchs Land reist und eine Botschaft unter die Leute bringt, die sich seit 1933 nicht verändert hat: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Wobei Adolf Hitler sich schon wundert, dass dieses Deutschland, das er 1945 nur noch der Vernichtung für würdig befunden hat, überhaupt noch existiert. Um die Deutschen also geht es und ihnen soll das Lachen im Halse steckenbleiben. Denn die Moral von der Geschichte ist nicht „Er ist wieder da“. Sie lautet: Er war niemals weg, denn er lebt in uns, in jedem einzelnen. Adolf, der Menschenfeind und Massenmörder – das sind wir alle! Mich wirst du nie mehr los, töten kannst du mich schon gar nicht.

Die Ängste und der Egoismus der Menschen lassen sich leider sehr leicht instrumentalisieren. Irgendwie ist es traurig, dass diese Konstante so unveränderlich scheint und so viel Gefahren in sich birgt. Da hat der Führer seinen Siegeszug schon angetreten. Die Menschen jubeln ihm zu, er stellt sich vors Brandenburger Tor und lässt sich fotografieren, geht ins Gasthaus zum Stammtisch, an dem rechte Parolen die Runde machen, tingelt durch Talkshows, wird bestaunt von der Presse, bejubelt vom Boulevard und zum Hit bei Youtube. Die Führung der NPD macht er derweil beim Ortsbesuch in der Parteizentrale zur Minna, weil sie so ein verlorener Haufen sei. Wenn er bloss die SS wieder hätte! Hitlers scheinbar unaufhaltsamer Aufstieg bekommt erst dann einen Knacks, als ein Video auftaucht, das zeigt, wie er einen Hund erschiesst. Hetze gegen Minderheiten, Gefasel vom Wohl des deutschen Volkes – das geht. Kein Herz für Tiere – das geht nicht, vor allem nicht mit den Grünen, die sich der neue, alte Hitler gut als Koalitionspartner vorstellen kann. Schliesslich ist Naturschutz nichts anderes als Heimatschutz, und wie man die Heimat schützt, das weiss niemand besser als er.

Er ist wieder da

„Er ist wieder da“ arbeitet mit einer Spielhandlung und spielt scheindokumentarisch mit Menschen, denen der vermeintliche Hitler in Alltagssituationen vor die Nase gestellt wird. Asiatische Touristen finden ihn lustig, eine junge Frau sagt: „I love Hitler“, Fussballfans rasten aus und verprügeln einen Mann, der „Scheiss Deutschland“ skandiert, am Stammtisch auf Sylt oder in Passau schwadronieren ältere Herren, sie hätten nichts gegen Ausländer, aber! Die Frau von der Imbissbude schliesslich fasst zusammen: Es gibt keine Demokratie, Politiker sind korrupt, Ausländer kriminell, schon deren Kinder eine Plage und seine Meinung darf man auch nicht sagen. Eingeführt hat die Methode der gezielten Provokation der Komiker Sacha Baron Cohen mit seinen Kunstfiguren Ali G., Borat und wie sie alle heissen. Die Randständigen, die Rechten, heben natürlich den Arm zum Gruss. Welche Idioten echt sind und welche Teile der Inszenierung verrät uns der Produzent Berben wohlweislich nicht, der seinem im vergangenen Herbst gedrehten Film offenbar mit Blick auf die jetzige Flüchtlingskrise seherische Qualitäten beimisst. Ein Film der polarisiert!