Don't Breathe

20161 h 28 min
Kurzinhalt

Der Vater von Alex (Dylan Minnette) arbeitet im Sicherheitsgeschäft – sehr praktisch, wenn man wie Alex ein Dieb ist. Das Insiderwissen hilft dem jungen Mann, die teuren Sicherheitssysteme reicher Leute zu überwinden und in Villen fette Beute zu machen. Alex ist auf diesen Diebestouren nicht allein: Rocky (Jane Levy), als sein heimlicher Schwarm die Hauptmotivation für die Einbrüche, begleitet ihn, um sich und ihrer kleinen Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Dritter im Bunde ist Money (Daniel Zovatto), Rockys Freund, der des Kicks wegen mitmacht. Ein Kick der besonderen Art steht dem Trio bevor, als es in das Haus eines Kriegsveteranen (Stephen Lang) einsteigt, der nach dem Unfalltod seines einzigen Kindes ein großes Schmerzensgeld bekommen haben soll. Der Veteran ist blind, was kann also schiefgehen? Nun, eine Menge…

Metadaten
Titel Don't Breathe
Original Titel Don't Breathe
Regisseur Fede Alvarez
Laufzeit 1 h 28 min
Starttermin 25 August 2016
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Trailer

In „Don’t Breathe“ von Fede Alvarez bekommt es eine Gruppe junger Einbrecher mit dem ultimativen Widersacher zu tun: einem blinden einsamen alten Mann! Es ist kein Geheimnis und sogar wissenschaftlich bestätigt, blinde Menschen haben einen stark verschärften Hör-, Riech-, Schmeck- und Tastsinn. Die Protagonisten in „Don’t Breathe“ scheinen darüber nicht nachzudenken. Sie planen einen Raubzug und glauben leichtes Spiel zu haben. Das dass Opfer Norman Nordstrom auch noch ein Kriegsveteran ist, beunruhigt das Trio nicht.

Don't Breathe

Das neuste Werk von Fede Alvarez (Evil Dead) ist in vielerlei Hinsicht besonders. Man fühlt sich ein wenig in die Zeit von „Blair Witch Projekt“ 1999 oder vom ersten „Paranormal Activity“ Teil 2007 versetzt, denn auch bei diesen Filmen war das Set und der Cast eher minimalistisch. Auch bei „Don’t Breathe“ gibt es im Grunde nicht viel zu sehen. Das Haus des Opfers, ein paar Aussenaufnahmen und die vier Protagonisten. Das war es auch schon. Löblicherweise arbeitet „Don’t Breathe“ nicht mit Wackelkamera und auch beim Budget unterscheidet sich der Film von den oben genannten. Satte 9’900’000 US-Dollar betrugen die Produktionskosten, im Vergleich: „Blair Witch Projekt“ kostete gerade mal 60’000 US-Dollar und die mickrigen 15’000 US-Dollar für „Paranormal Activity 1“ sind da im wahrsten Sinne des Wortes nur Peanuts! Aber auch wenn „Don’t Breathe“ im Vergleich viel mehr Geld verschlungen hat, so besitzt der Horror-Thriller den gleichen Charme und die gleiche Raffinesse. „Don’t Breathe“ presst die ganze Tristesse der armen Seite Amerikas in die Magengrube, was die Verzweiflung der Jugendlichen besonders greifbar macht, an Geld kommen zu müssen. Dem nächtlichen Elend entkommen, das will der blinde Hausbesitzer auch, der sich zwischen Selbstschutz, -justiz, Sadismus und Opferrolle gleitend bewegt, so dass man sich nie ganz sicher ist, ob man ihn nun bedauern oder verfluchen soll. Mit Stephen Lang, dem zackigen Colonel Miles Quaritch aus „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, hätte auch keine bessere Besetzung des Army-Veteranen gefunden werden können. Der Mann strahlt Selbstsicherheit, Zuversicht und Dominanz aus und das spürt man als Zuschauer in den ganzen nervenaufreibenden Minuten.

Don't Breathe

Jane Levy, Dylan Minnette und Daniel Zovatto haben dabei einiges durchzumachen, die zwischen jugendlicher Arroganz, alltäglichen Bürden und dem grossen Traum, ans schnelle Geld zu kommen, tänzeln. Hier werden Leute, die nicht wirklich sympathisch wirken, in eine Hölle aus Dunkelheit und Angst geworfen. So mancher Film versagt, wenn es darum geht, Leute mit Ecken und Kanten, die man selbst ungern als Nachbar hätte,zu etablieren, um deren Wohl man sich hier so manches Mal sorgt. In „Don’t Breathe“ erschafft Alvarez ein simples, aber effektives Versteckspiel, in dem die Sympathien jedoch nie ganz zwingend klar verteilt sind. Ob Schreckmomente oder die richtige musikalisch-minimale Untermalung, einfache Zutaten, die neben guten Darstellern einen wirkungsvollen Horrorthriller erschaffen. Zu dem reduzierten Set kommt ein grandioses Drehbuch. Es erzählt eine Geschichte von Rache, Macht, Verzweiflung und Angst. Im Grunde haben in „Don’t Breathe“ alle Dreck am Stecken. Mit keinem der Protagonisten kann man sich identifizieren. Man kann die Beweggründe verstehen und nachvollziehen. So wie bei Rocky, sie will ein besseres Leben für ihre 7 jährige Schwester, die gemeinsam mit ihr bei der alkoholkranken Mutter lebt. Das ist eine Besonderheit. Wo man in den ersten 30 Minuten noch auf der Seite des blinden Kriegsveteranen ist, immerhin hat er seine Tochter verloren, verschwinden auch schnell seine Sympathiepunkte. Denn der alte Mann versteckt nicht nur eine Menge Geld in seinem Haus, sondern auch ein dunkles Geheimnis.“Don’t Breathe“ arbeitet mit einem weiten Spannungsbogen, der die 88 Minuten Laufzeit perfekt ausfüllt. Der Film überrascht, lässt Situationen anders ausgehen, als man es vermutet hätte und packt den Zuschauer mit seinen Suspense-Momenten jedesmal aufs Neue.

Don't Breathe

Bei „Don’t Breathe“ passt einfach alles und das Ende des Films, bietet sogar Stoff für einen zweiten Teil. Das wird aber im Film-Business gerne mal vom Erfolg abhängig gemacht und den hat der Film auf jeden Fall. Damit ist Fede Alvarez, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb ein ansehnlicher finanzieller Erfolg gelungen. Das freut mich, weil der Film auf der einen Seite wirklich sensationell ist und auf der anderen, weil damit der Weg für kleinere Ideen abseits von Hollywood Blockbustern wieder offen ist. Ganz neu ist die Geschichte nicht, aber mit netten und dabei äusserst effizienten Anleihen bei anderen Filmen. „Don’t Breathe“ fühlt sich an wie ein bisschen Panic Room, gemischt mit einer Mini-Prise Das Schweigen der Lämmer und Cujo. Ein hervorragend inszenierter No-Nonsense-Home-Invasion-Thriller, der seine ungeheure Effektivität vor allem seinem konsequenten Minimalismus verdankt.