Der Kult - Die Toten kommen wieder

20161 h 33 min
Kurzinhalt

Vor dreißig Jahren begingen die Mitglieder einer religiös-kultischen Gruppe um Sekten-Guru Jim Jacobs (Thomas Jane) einen furchtbaren Massenselbstmord. Sarah Hope (Lily Rabe) kam damals als Einzige mit dem Leben davon, aber nicht ohne schwerwiegende Folgen: Das fünfjährige Mädchen erlitt ein Trauma. Nach drei Jahrzehnten kehrt sie nun zum Ort des Geschehens zurück. Im Schlepptau hat sie die Journalistin Maggie Price (Jessica Alba) und ein Filmteam. Gemeinsam wollen sie der schrecklichen Tragödie auf den Grund gehen. Die vergangenen Ereignisse jagen Sarah auch heute noch einen gehörigen Schrecken ein. Und so kostet es sie einiges an Überwindung, sich wieder mit der Sekte auseinanderzusetzen. Sie sorgt sich ganz zurecht: Schon bald entdeckt das Team etwas, das beängstigender ist als ihre schlimmsten Albträume.

Metadaten
Titel Der Kult - Die Toten kommen wieder
Original Titel The Veil
Regisseur Phil Joanou
Laufzeit 1 h 33 min
Starttermin 21 April 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Trailer

Sekten-Horrorfilme sind wieder da! In „Der Kult – Die Toten kommen wieder“ (The Veil) macht sich Jessica Alba mit ihrem Filmteam und einer Überlebenden von damals auf, um hinter das Geheimnis eines 30 Jahre zurückliegenden Gruppen-Selbstmordes zu kommen. Die Geister aller Sektenmitglieder können nach dem Massenselbstmord nicht ruhen und nutzen die Gunst der Stunde, um nach Jahren ewigen Wartens in die Körper der unangemeldeten Besucher zu schlüpfen. Was folgt ist vorhersehbar, besessene Dokumentarfilmer ermorden Kollegen, damit sich ausgewählte Sektenanhänger den Körpern der Toten bemächtigen können. Mit finsterem Filmlook, schaurig schönem Sound und gut platzierten Schocksequenzen macht der Film aber vieles wieder gut, weil er gekonnt das Sekten-Genre mit Elementen aus Found-Footage, Geister- sowie Slasherfilmen verbindet.

Der Kult - Die Toten kommen wieder

Am Horrorthriller „Der Kult – Die Toten kommen wieder“ interessiert zunächst einmal wegen dem Regisseur Phil Joanou, der mit „Im Vorhof der Hölle“ nicht nur schon Anfang der 90er Jahre gutes Genrekino gedreht hat, von ihm stammt mit „Dirty Laundry“ auch eine der besten Marvel-Adaptionen überhaupt. In diesem ultrabrutalen Kurzfilm ist Thomas Jane als Punisher dermassen knallhart und saucool, dass selbst Deadpool nur noch feige den Schwanz einziehen kann (wer den Kurzfilm nicht gesehen hat, bitte hier entlang Herrschaften). Thomas Jane ist nun auch in „Der Kult“ dabei und dies als Sektenprediger Jim Jacobs mit dunkler Sonnenbrille und wilden Hippie-Haaren. Er gibt zwar bei weitem keine so ambivalente Guru-Performance wie etwa Gene Jones als Vater in „The Sacrament“, aber zumindest dreht er so sehr auf, dass er als wahnsinniger Bösewicht mächtig Laune macht.

Der Kult - Die Toten kommen wieder

Bei besten Voraussetzungen bleibt die Handlung leider beliebig, unspannend und irgendwie kam die Atmosphäre nicht so richtig rüber, wie sie eigentlich hätte sein können oder gar müssen. Leider bleibt Jim Jacobs die einzig wirklich unterhaltsame Figur. Trotz Mitwirkens des Regisseurs Phil Joanou und einer für das Genre vergleichsweise prominenten Besetzung kommt „The Veil“ leider nicht über Mittelmass hinaus und trampelt auf den in den letzten Jahren doch arg ausgetretenen Pfaden des Found-Footage-Horrors. Immerhin nimmt das Found-Footage-Material hier nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Films ein, so dass man die meiste Zeit über keine billige Video-Wackeloptik, sondern ein durchaus stimmungsvolles Backwood-Setting präsentiert kriegt. Gerade in der ersten Hälfte läuft trotzdem alles nach Schema X ab, dazu gesellen sich einige unschöne Logikfragen: Da hat vor 30 Jahren ein Gruppenselbstmord stattgefunden und niemand hat in all den Jahren das in der Nähe zum Hauptkomplex befindliche Haus – natürlich samt Leichen und Videoaufzeichnungen – gefunden? Das Finale weiss zum Glück einigermassen zu überzeugen und bietet immerhin einen Schuss Originalität.

Der Kult - Die Toten kommen wieder

Jessica Alba stolpert als Maggie Price mit ihrem Team gelangweilt durch den austauschbaren Plot und selbst als sie sich gerade völlig abgefahrene Videobänder aus der Sektenzeit ansehen oder einen toten Kumpel finden, sitzt die Filmcrew anschliessend immer noch total entspannt auf dem Sofa. Jessica Alba muss erst an einen Baum genagelt werden, damit sie überhaupt mal Emotionen zeigt. Die einzelnen Mitglieder des Hipster-Filmteams lassen sich bis zum Schluss kaum auseinanderhalten, keiner von ihnen hat irgendetwas Besonderes oder einen Funken Charme an sich. Dazu geht es in jeder zweiten Szene sowieso nur darum, noch einen neuen Grund zu finden, sich weiter aufzuteilen. Das langweilt schnell, zumal Phil Joanou seinen Bildern fast vollständig die Farbe genommen hat, weshalb der Zuschauer die meiste Zeit auf einen gräulichen Matsch starrt. Da sitzt man also, zunehmend angeödet und wartet auf die nächste Rückblende mit Thomas Jane. Aber zumindest wird man für seine Geduld mit einer schön fiesen Wendung gegen Ende ein kleines bisschen entschädigt. In den letzten 20 Minuten nimmt der Film erstmals richtig Fahrt auf, aber das ist einfach zu spät und zu wenig, um die vorherigen 70 Minuten uninspirierten Grusel-Einerlei wiedergutzumachen.

Der Kult - Die Toten kommen wieder

Leider bleiben die Schauspieler blass. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn die Geheimzutat ist ohnehin der etwas andere Erzählstil, der durch das Abspielen von gefundenen Filmrollen und der Rekonstruktion längst vergangener Verbrechen ein wenig an Deodatos „Cannibal Holocaust“ erinnert. Viel Mord und Totschlag gibt es nicht zu sehen. In der ersten Stunden werden kaum Schauwerte geboten. Nachdem sich der Sekten-Thriller zum Geister-Slasher entwickelt hat, gibt es ein paar Tote zu verzeichnen. Leider passieren die meisten Morde im Off oder die Kamera blendet weg, sobald es ernst wird, daher hat es für „Der Kult“ auch eine FSK16 gegeben. Insgesamt ein verstörender Trip in die Vergangenheit eines tödlichen Kults, doch vom Produzenten von „Paranormal Activity“ und „The Purge“ habe ich mehr erwartet. Genrefans sollten durchaus mal einen Blick riskieren, dabei aber keine allzu hohen Erwartungen haben…