Dark Star: HR Gigers Welt

Was wir fliehen, ist sein zu Hause. Was wir fürchten, ist sein Lebensraum. Was wir verdrängen, bringt er an die Oberfläche.

2014Länge unbekannt
Kurzinhalt

Zeit seines Lebens hat sich HR Giger im Unheimlichen eingerichtet, in einer dunklen Welt voller Abgründe. Er kreierte diese Welt nicht, weil sie ihm so gut gefiel, sondern weil er gar nicht anders konnte. Nur so hielt dieser liebenswerte, bescheidene und humorvolle Mann seine eigenen Ängste im Zaum. Giger war nur der Überbringer der dunklen Botschaften, er kartographierte unsere Albträume, zeichnete Landkarten des Unterbewussten und modellierte unsere Ur-Ängste. Mitten in Zürich lebte HR Giger in einer beinahe in sich geschlossenen Parallelwelt. Aus der Zeit gefallen und hinter geschlossenen Fensterläden verschwimmen hier die Grenzen zwischen Tag und Nacht. Nur seine Familie, seine engsten Freunde und wenige Mitarbeiter haben Zugang zu dieser Welt. Behutsam tastet sich der Film in dieses Universum vor, in ein Leben voller Überraschungen, schwerer Schicksalsschläge und grosser Erfolge (Oscar für „Alien“). Ein Film mit und über den international verehrten und umstrittenen Maler, Skulpteur,Architekten und Designer.

Metadaten
Titel Dark Star: HR Gigers Welt
Original Titel Dark Star: HR Gigers Welt
Regisseur Belinda Sallin
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 23 Oktober 2014
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Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Trailer

Der Schweizer Hansruedi „HR“ Giger war einer der wenigen modernen Künstler, dem erfolgreich der Spagat zwischen Kunstwelt und Popkultur gelang. Bei der Betrachtung der kurz vor seinem Tod entstandenen Dokumention „Dark Star – HR Gigers Welt“ sieht man allerdings, dass Giger gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe war und sein labyrinthisches und vollgestopftes Haus mit den steilen engen Holztreppen für einen gebrechlichen alten Mann nicht ganz ungefährlich war. Im Mai 2014 verstarb im Alter von 74 Jahren HR Giger an den Folgen eines Sturzes in seinem Haus. Dieses filmische Porträt ist zugleich Einladung und Hommage an Gigers Welt. Eine Begegnung der besonderen Art.

Seine Welt war nicht von dieser Welt – und doch war er mitten unter uns, im quirligen Zürich-Oerlikon. Hier lebte Hansruedi Giger in seiner eigenen Welt, mit seinen Zeichnungen, Bildern, Skulpturen, Gestalten und Visionen. Für Ridley Scotts „Alien“ schuf der Bündner, 1940 in Chur geboren, das berühmte Ungeheuer im Raumschiff und wurde dafür 1980 mit einem Oscar für die besten visuellen Effekte ausgezeichnet. Eine seltsame Parallelwelt, in der Giger umgeben von modernen Hochhäusern in Zürich lebte und die er in seinem letzten Lebensjahr kaum noch verliess. Und so wurde aus einer Würdigung seines von schweren Schicksalsschlägen (1975 nahm sich seine damalige Lebensgefährtin Li Tobler das Leben) und grossen Erfolgen geprägten abgründigen Werks eine Art leiser und traurig stimmender Abschied für diesen kontroversen Künstler, der wie kaum ein anderer den tiefenpsychologischen Gegensatz zwischen Eros und Thanatos in seinen auf viele Leute abstossend und verstörend wirkenden Bildern thematisiert hatte.

Vorschaubild

Die Zürcher Filmerin Belinda Sallin hatte Sandra Beretta kennen gelernt, eine langjährige Lebensgefährtin Gigers. Sie trennte sich 1995 von ihm, blieb ihm aber gewogen. Die Bekanntschaft mit Beretta wurde zur Initialzündung für das Filmprojekt, sie war die Türöffnerin zum verschwiegenen Winkel mitten im pulsierenden Zürich-Oerlikon, in eine abseitige, in sich schlummernde Welt – zu Gigers Dark Star eben. Viele Male hat Sallin das Haus besucht, das anfänglich bedrohlich auf sie wirkte. „Das Gefühl der Düsternis wich jenem der Geborgenheit, das Gefühl der Bedrohung jenem der Erkenntnis“, erzählt sie. Und so lädt ihr sehr intimer, erhellender Film zu einer weitläufigen Reise ein, zu Gigers Anfängen in Graubünden, seiner Zeit als Designer, seinen Gestaltungen von Plattencover bis zu seinen Arbeiten fürs Kino. Die Gespräche mit Giger, Begleitern und Frauen erschliessen den Künstler und Menschen. Gigers Fantasien, aber auch Ängste werden greifbar, verständlich: Seine Bilder bieten Einblicke in den Urgrund der Seele, skizzieren, visualisieren Leben und Tod. Giger fühle sich im Unheimlichen zuhause, meint Carmen Maria Giger, Ehefrau, Managerin und Erbhüterin. Eine allumfassende Aufarbeitung von Gigers Leben und Schaffen darf man beim Film von Belinda Sallin aber nicht erwarten – das konnte schon „H.R. Giger Revealed“ von 2010 nicht, dafür gelang der Regisseurin aber ein sehr persönlicher und fast familiärer Einblick in Gigers Kunst, geprägt von den Äusserungen seiner engsten Freunde und Mitarbeiter. Darunter auch Tom Gabriel Fischer, einer der letzten Assistenten Gigers, ehemals Frontmann von „Celtic Frost“, deren Debütalbum von 1985 ein Bild des Schweizer Künstlers zierte.