31 - A Rob Zombie Film

20161 h 43 min
Kurzinhalt

1976: In der Nacht vor Halloween werden fünf abgebrannte Jahrmarkts-Mitarbeiter von einer Bande sadistischer und spielsüchtiger Hinterwäldler entführt und zu einem mysteriösen, schrecklichen Ort gebracht: der "Murder World". Dort haben sie 12 Stunden Zeit, ein mörderisches Spiel namens „31“ zu überleben. Eine Gruppe von Psychopathen - alle als Clowns maskiert - wird auf sie gehetzt und hat nur eine Aufgabe: die fünf Gefangenen zu töten. Das Spiel kennt keine Regeln, was zählt, ist der pure tierische Überlebensinstinkt.

Metadaten
Titel 31 - A Rob Zombie Film
Original Titel 31
Regisseur Rob Zombie
Laufzeit 1 h 43 min
Starttermin 15 September 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Bilder
Trailer

Holy Shit! Und die Betonung liegt eindeutig auf Letzterem: Heilig ist an Rob Zombies Survival-Horror „31“ nämlich gar nichts – bescheiden und wahrhaft grenzwertig dagegen Einiges. Der Industrial-Rocker und Regisseur polarisierender Genre-Kultstreifen wie „Haus der 1000 Leichen“ (2003) oder „The Devil’s Rejects“ (2005) macht in seinem neuesten Werk keine Gefangenen, auch nicht bei seinem Publikum. Kurze Zeit nach dem schleichenden und teils ziellosen Schauerausflug „Lords of Salem“ (2012) machten Informationen die Runde, dass der Filmemacher an einem weiteren Horrorfilm tüfteln würde, der zu Zombies Regie-Wurzeln zurückkehren sollte. Mehr Härte und Hoffnung auf ein NC-17 (die höchste Freigabe, die Filme in den US&A erhalten können) sollten Erwartungshaltungen schüren. Doch bietet „31“ auch das, was der Musiker, Comicautor und Regisseur seinen Anhängern im Vorfeld versprochen hat? Lasset das Spiel beginnen!

Ursprünglich hatte Rob Zombie sich ja vorgenommen, nach seinem insgesamt recht mauen Spuk „Lords of Salem“ dem Horror zunächst den Rücken zu kehren und endlich sein Herzprojekt – einen Hockey-Film (!) – in Angriff zu nehmen. Doch nachdem dieser Traum im Sand verlaufen ist, blieb der Schuster doch bei seinen Leisten: „31“ ist nach dem relativ zahmen Vorgänger und den kontrovers aufgenommenen „Halloween“-Neuauflagen eine glasklare Rückkehr zu den Grindhouse-Wurzeln Zombies. Hier trifft thematisch die Stephen-King-Adaption „Running Man“ (1987) auf den hysterischen Terror eines Tobe Hooper – nur durch die sehr gewöhnungsbedürftige Brille des Regisseurs und Autoren zusätzlich verzerrt und von nahezu jeglichem Tiefgang und glaubwürdigen Narrativ befreit. „31“ ist Trash und will auch gar nichts anderes sein. Für Fans gedreht und teilweise durch Crowdfunding auch von Fans finanziert, hangelt sich Zombie von einem blutigen Zweikampf zum nächsten. Langeweile kommt dabei nie auf und wer ohnehin auf inhaltliche Erklärungen, ansprechende Dialoge oder sympathisch gezeichnete Protagonisten pfeift, könnte auf einem sehr niedrigen Niveau auf seine Kosten kommen.

Die Filme eines Rob Zombie waren eigentlich noch nie für die breite Masse ausgelegt, auch wenn die beiden „Halloween“ Verfilmungen ein wenig in die Richtung des Mainstream-Horrors abzielten. Mit dem nun erschienenen „31“ wollte der Musiker und Regisseur zu seinen Wurzeln zurückkehren, die bei seinen beiden ersten Filmen „Haus der 1000 Leichen“ und „The Devils Reject“ noch so wunderbar zu erkennen waren. Hat der gute Rob doch seinerzeit wirklich etwas frischen Wind in das Genre gebracht und dabei einen ganz eigenen Stil an den Tag gelegt, indem er mit dreckigem und stellenweise überzeichneten Horror aufwartete, in dem skurrile und schrille Figuren das absolute Markenzeichen waren. Der vorliegende Beitrag kann dann auch wirklich zumindest stellenweise wieder an diese Zeiten anknüpfen, denn Zombie präsentiert einmal mehr eine völlig überzeichnete Story, die auch wieder mit bunten und äusserst eigenwilligen Figuren daher kommt. Rein inhaltlich bietet das Szenario allerdings nichts Neues, so sind beispielsweise starke Anlehnungen an einen Film wie „Slashers“ aus dem Jahr 2001 unübersehbar. So darf man seine reichlich charakterlosen Charaktere gleich zu Beginn beim Sex oder Stuhlgang beobachten, während Sheri Moon Zombie einem notgeilen Tankwart stimulierend zur Hand geht. Aber es geht natürlich noch weiter: Im Verlauf des Szenarios – Handlung wäre hier der falsche Begriff – gibt es noch Hakenkreuze galore, die Toraufschrift von KZs an Türen und eine Ansprache des Führers im Originalton. Wem das noch nicht reicht, muss ausserdem einen Witz über einen Blowjob durch ein Neugeborenes überstehen – nicht bloss unter den hiesigen Jugendschutzbeauftragten dürften ungläubig die Köpfe geschüttelt haben.

Was besonders auffällt ist die Tatsache, das sämtliche Figuren dermassen unsympathisch gezeichnet wurden, das man auch nicht das geringste Mitleid mit den Spielern haben kann. Vielleicht ist daran auch die gerade zu Beginn fast schon inflationär eingesetzte Fäkalsprache schuld, denn gerade in den ersten Minuten bekommt man sexuelle Anspielungen und Kraftausdrücke ohne Ende serviert. So fällt es dann auch äusserst schwer irgendwelche Sympathiewerte für irgendeine Person zu entwickeln, so das man die Tötungen einzelner Protagonisten eher emotionslos hinnimmt. Das Schauspiel der Akteure ist für einen Film dieser Machart durchaus passend, wobei sich allerdings niemand sonderlich in den Vordergrund spielen kann, geschweige denn durch eine überragende Performance aufwartet. Mit Malcolm McDowell und der sichtbar in die Jahre gekommenen Meg Foster sind bekannte Gesichter mit an Bord und selbstverständlich darf auch Robs angetraute Ehefrau Sheri Moon Zombie nicht fehlen, die ja im Prinzip zur Grundausstattung seiner Filme zu zählen ist und ohne Weiteres auch als Inventar bezeichnet werden könnte. Zombie geizt auch in „31“ nicht mit Blut und Gewalt, ist aber im Vergleich auch nicht wesentlich härter als einige von Zombies früheren Arbeiten. Das ganz grosse Splatter-Feuerwerk bleibt aus – das nur als Warnung an die Gorehounds!

Letztendlich wird auch das vorliegende Werk die Meinungen spalten, mir persönlich hat allerdings gefallen, das Rob Zombie endlich zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt ist. Nach den letzten doch äusserst enttäuschenden Beitrag „Lords of Salem“ ist das mehr als erfreulich und nährt gleichzeitig die Hoffnung, das der gute Mann nun endlich seinem Stil treu bleibt. Sicherlich ist „31“ alles andere als ein Meisterwerk und wird auch längst nicht jeden Geschmack treffen, aber es handelt sich zumindest um einen mehr als ordentlichen Genre-Vertreter, in dem der Regisseur sich endlich wieder auf seine Stärken besonnen hat. In Anbetracht des geringen Budgets mussten inszenatorisch einige Abstriche gemacht werden: Auch wenn der filmemachende Rockstar bereits seit seinen Musikvideos weiss, wie man mit wenig Geld schicke Bilder erzeugen kann, hinterlassen vor allem die billig wirkende Ausstattung und vorallem die wackelige Kameraarbeit einen faden Nachgeschmack. Der mit allen Mitteln auf Nihilismus und Sadismus gekämmte „31“ dürfte von Hardcore-Fans als weiterer – mehr oder weniger – gelungener Eintrag ins Rob-Zombie-Universum gewertet werden, während wohl die Mehrheit der Kinogänger arge Schwierigkeiten mit kleinwüchsigen Hitler-Fetischisten oder mordenden, „Hänschen klein“-singenden Transvestiten haben dürfte. Als gesprächiger Killer Doom-Head hinterlässt der aus Nebenrollen bekannte Richard Brake eine beängstigende Duftmarke. Mich würde es nicht wundern, wenn Quentin Tarantino den Mimen in Zukunft ebenfalls für sich entdeckt. „31“ bietet inhaltlich nichts Neues, die Geschichte wartet aber mit mehreren starken Momenten auf, die sich natürlich zugegebenermassen in der Hauptsache durch die visuelle Härte zu erkennen geben. Wer das als ausreichend empfindet, wird mit diesem Gewaltporno bestens bedient und dürfte am Ende zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen.