Gestern spielten Metallica im ländlichen Toggenburg. 37’000 Fans aus dem In- und Ausland fanden den Weg ans Konzert und die Band vermochte die Fans mehr als nur zufrieden zu stellen. Zweieinhalb Stunden harter, krachender Thrash Metal vom Feinsten. Es wurden praktisch nur Songs aus den frühen Jahren von Metallica, aus Alben wie „Kill em all“, „Master of Puppets“, „Ride the lightning“ und „…and Justice for all“ gespielt. Metallica. Jonschwil. Wie’s war, mit ein paar Bildern, starren und bewegten.

Nachdem ich nun beinahe einen Tag Zeit hatte, meinen Nacken auszukurieren, möchte ich gerne kurz hier festhalten, wie das Konzert gestern im Degenaupark in Jonschwil war. Auf jeden Fall hab ich noch ein dolles ziehen im Nacken – wie es sein soll – welches sicherlich noch die nächsten Tage bemerkbar ist, aber was solls, eins sei vorweg genommen, das Konzert war der absolute Oberhammer! Aber mal schön eines nach dem anderen…

Gestern Sonntag war es endlich soweit, schliesslich habe ich seit März auf diesen Tag gewartet. Um 15 Uhr machten wir uns auf den Weg von Bern Richtung Ostschweiz, genauer ins Toggenburg, nach Jonschwil. Jonschwil? Wer sich die gleiche Frage stellte, dem sei erklärt, dass das Metallica-Konzert vom SVP-Kantonsrat Linus Thalmann mitorganisiert wurde. Er ist der Gründer des Open-Airs Tufertschwil, das es heute in seiner ursprünglichen Form nicht mehr gibt. Und da der Linus offensichtlich Beziehungen zum Metallica Management pflegt, konnte er diese ins tiefste Toggenburg holen. Schön. Wie auch immer
Wir machten uns also auf den Weg, anders als ursprünglich geplant, nutzten wir dazu nicht den ÖV und die Extrazüge, da sich doch noch Alain dazu entschloss, zu fahren und entsprechend auf Alkohol zu verzichten, was er auch bewundernswert durchzog und den ganzen Abend ein einziges (!) Bier getrunken hat. Wow. Alain, ich danke dir! Aber Moment, im Erzählstrang bin ich ja noch nicht mal in Jonschwil angelangt, also langsam, soweit sind wir ja noch nicht… ;)

Wir fuhren also mit Alains Rally Subaru von Bern Richtung Zürich, dann Winterthur um eigentlich in Wil die Autobahn zu verlassen und ins Toggenburg zu brettern. So war zumindest der Plan, doch welch seltsames Gebilde eröffnete sich vor unseren Augen, als Kilometer vor der Ausfahrt Wil sich der Verkehr staute, um sich anschliessend im Pannenstreifen zu verdichten und dann mehr stehend als rollend sich der Ausfahrt zu nähern. Na toll, dass kann doch nicht wahr sein. Die Ausfahrt selbst ist noch weit weg und so konnte es sich nur noch um Stunden handeln, bis man an den Austragungsort gelangte, war ja schliesslich auch erst 1730, passt wunderbar. Neeeee, dass konnte es ja nicht wirklich sein, dachten wir uns, liessen die Blechschlange rechts liegen und fuhren weiter Richtung Ausfahrt Uzwil, um da unser Glück zu versuchen.

Und siehe da, paar Kilometer weiter war uns Fortuna hold, in Uzwil konnte man gewöhnlich die Autobahnausfahrt nutzen und somit mussten wir keine grosse Wartezeit auf uns nehmen und konnten – geleitet vom netten Fräulein im GPS-Kästchen – den Weg Uzwil – Jonschwil auf uns nehmen. Dies gelang uns prima, auch wenn wir mitten durch ein Dorffest fahren mussten, links das Kinderkarussell und der Zuckerwatte-Stand und rechts das Festzelt mit Hudigägeler und überall jede Menge Leute. Einmal flott aufs Gas gedrückt und der Weg war frei – ne Quatsch, die Menschenmenge teilte sich problemlos beim Anblick von Alains Rally Rakete und so konnten wir wie Moses durchs rote Meer, mitten durch die Dorf-Kilbi fahren. We brake for nobody! :)

Wir nährten uns langsam wieder der Blechschlange, welche bereits kilometerweit vor der Ausfahrt angefangen hatte, nur rollten wir erst bei Jonschwil, kurz vor dem Degenaupark in die Blechlawine und so sind wir auf 1830 endlich auf dem Parkgelände angekommen. Die ganze Einweisung klappte eigentlich ohne Probleme, so dass man nicht die Organisation des Open Airs für den Stau verantwortlich machen konnte, sondern Metallica verursachte schlicht und ergreifend einen Verkehrkollaps in der Ostschweiz. Egal, wir sind ja dabei doch recht gut weg, resp angekommen.

Endlich der Degenaupark, wir waren da! Am Ort wo die Kalifornier auf ihrer „Summer Vacation Tour“ zwischen Belgien und Irland Halt machten. 200 Tonnen Bühnenmaterial wurde aufgefahren und für die 37’000 Fans standen 45’000 Liter Bier, 14’000 Würste, 10’000 Pizzas und rund eine Tonne Brot bereit. Die Aufbauarbeiten liefen schon seit mehr als ­einer Woche. „40 Mitarbeiter sind allein für die Bühne zuständig“, sagt Bühnen-Bauleiter Markus Olma. „Es ist dieselbe Bühne wie beim Rock im Park in Nürnberg.“ Das sah man auch. sehr geil! Zwischen Obstbäumen und Reben eine Riesenbühne, mitten reingepflanzt ins ländliche Toggenburg, das isch Musig! Laut der Tagesschau soll sich James Hetfield beeindruckt gezeigt haben über Auftrittsort: „Als wir hier herausfuhren, sagten wir, schön ist es hier! Aber wo gehen wir bloss hin? Spielen wir zwischen den Kühen?“ Neee, zwischen den Mostbäumen :)

Metallica hat in den beinahe 25 Jahren ihres Bestehens bereits über 100 Millionen Tonträger verkauft. Keine Band hat den Heavy Metal derart stark geprägt wie Metallica und gleichzeitig ein Massenpublikum ansprechen können. Wie man auch am gestrigen Sonntag dem Publikum ansehen konnte. Niemals hätte ich vor knapp 20 Jahren, als ich die Jungs zum ersten Mal in der Festhalle Bern gesehen habe, gedacht, dass diese Band jemals solche Massen ansprechen würde, aber sei’s drum. Die Vorband Mnemic hatten wir dank des Staus verpasst und das Gejodel der Frontfrau Sharon Janny den Adel und den Symphonic Metal von Within Temptation musste keiner von uns haben. Daher erstmal zielstrebig zum Bier Getränke-Stand gestochen, es ist ja schliesslich wichtig, sich ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen. So schnappte man sich pro Nase 3 Bierchen – man will ja den Tag nicht nur mit anstehen verbringen – und pflanzte sich mal auf den Boden, wartend, dass sich jemand der armen, lauthals jammernden Frau auf der Bühne erbarmen und sie vom qualvollen Bühnenleid befreien möge. Endlich fand die geschundene Frau um circa sieben Uhr Erlösung und unser Gehör war frei für metaloide, thrashige Klänge!

Prima. Auf auf, sich nochmals doll mit Flüssigem versorgt und langsam vor die Bühne gestochen, solange der Effekt nach der Vorgruppe noch anhält, dass der Druck gross genug ist, sich auf der Toilette Erleichterung verschaffen zu müssen und somit in den vorderen Rängen Platz für uns zu machen. Sehr schön, klappte alles wie am Schnürchen und so standen wir knapp 10m von der Bühne entfernt, als erst das Intro – seit Jahren „The Ecstasy of Gold“ von Ennio Morricone – ertönte, gefolgt von James Hetfield, Kirk Hammet, Robert Trujillo und Lars Ulrich mit „Creeping Death“. Gelungener, wie altbekannter Einstieg in die Show :)

Der dritte Song war bereits eine Kostprobe auf das neue Album “Death Magnetic”, welches am 12. September erscheint, Cyanide wurde angespielt und anhand der frühen Platzierung des neuen Songs in der Show durfte der geneigte Fan vermuten, dass an diesem Abend vor allem die älteren Songs von Metallica zum Zuge kommen. Yeah! Genau so war es dann auch! :)

Bereits beim ersten Song konnte ich mir mal wieder das Headbangen nicht verkneifen und habe dies vom Anfang bis zum Schluss äusserst genossen. Lustig fand ich dabei u.a. das Mädel, welches plötzlich bewundernd neben mir stand und meinte, es sei „u cool“ was ich da mache. Euhm, ja… Ich erwiderte, dass dies aus meiner Sicht überhaupt nix besonderes wäre, sei schliesslich ja ein Metallica Konzert und überhaupt. Sie entgegnete, dass ich mal in die Runde gucken solle, ich sei der Einzige auf weiter Flur, der seinen Nacken entsprechend zur Musik schüttelt. Erstaunt musste ich ihr recht gegeben, nachdem ich mal um mich blickte und tatsächlich niemanden sehen konnte, der es mir gleich tat! Nur verwunderte Blicke erntete ich, als käme ich vom Mars mit grünen Schoggihörnern! Hallo-o? Ja gibt es den sowas?! Ich, mit meinen über 35 Lenzen in dem ganzen Publikum – und da hatte es einiges jüngeres auch mit dabei – der einzige Headbanger? Gibts doch gar nicht :-o Mir egal. Die Band spielt „Whiplash“ und da gibts kein halten mehr: Acting like a maniac! Whiplash!!!

Das Konzert der US-Rocker dauerte übrigens rund zweieinhalb Stunden und ein jeder Anwesende sollte wohl auf seine Rechnung gekommen sein. Hetfield, Hammet, Trujillo und Ulrich heizten den frenetischen Metallica-Fans kräftig ein. Übrig bleib ein riesen Schlachtfeld aus Müll, Plastic-Bechern und Tellern und Tüten und vieles andere mehr. Eine solche Müllhalde nach einem Konzert habe ich auf einem Open Air noch selten gesehen. Linus sollte sich allenfalls bei einem anderen Open Air ein bessere Müllkonzept überlegen.

Am Tag nach dem Konzert konnte auch Linus Thalmann auf Anfrage der SDA eine positive Bilanz ziehen. Es sei eine Sensation, dass eine Band wie Metallica in einem kleinen Dorf im Toggenburg aufgetreten sei (dem kann ich nur beipflichten!). Finanziell hat sich der Grossanlass wohl für alle Beteiligten gelohnt. Alleine durch den Ticketverkauf wurden mehr als drei Millionen Franken in die Kasse der Veranstalter gespült. Der Erlös aus Getränken und Lebensmitteln wird sich vermutlich in der Hälfte bewegen. Metallica, die Jungs sind ja bekannt für ihre astronomischen Gagenforderungen, werden dabei rund einen Drittel abgegriffen haben, aber dies waren sie auf jeden Fall auch wert, den dieses Konzert war um Längen besser als das Letzte im Letzigrund. Geniales Konzert! Genialer Abend! Thx Metallica!

Die in diesem Artikel verwendeten Bilder habe ich übrigens aus dem flickr-Album vom Webtuefu. Da ich selbst kein begnadeter Fotograf bin und Fotografieren zusammen mit bangen nicht gut kommt, bin ich ihm sehr dankbar! Er stellt dort die Bilder unter Creative Commons zur Verfügung. Es sei dir gedankt!

Videos vom Konzert gibts übrigens nach dem Klick :)

Vorschaubild

Metallica – Master of Puppets, Jonschwil 2008
Vorschaubild
Metallica – So What, Jonschwil 2008
Vorschaubild
Metallica – Seek & Destroy, Jonschwil 2008

Und wer will, findet bei Youtube noch jede Menge Videos zu dem absoluten Hammerkonzert von gestern :)