Ultimatives Gipfeltreffen des Thrash Metal: European Carnage Tour 2011, das sind Megadeth und Slayer im Doppelpack und dieses Super-Paket hat Mitte April im Zürcher Volkshaus halt gemacht. Neben Metallica und Anthrax zählen Megadeth und Slayer seit Mitte der 80er Jahre zu den grossen Vier des Thrash Metal. Für eine Co-Headliner-Show kamen die beiden Bands nach Zürich und so unterschiedlich beide Formationen den Thrash Metal interpretieren, so viel haben sie gleichzeitig gemeinsam – und das nicht nur, weil Gitarrist Kerry King tatsächlich bei beiden Bandgründungen mitwirkte. Zwei Konzerte vollgepackt mit hartem, krachenden Thrash Metal. Und weil hier Name für Programm steht, kamen die Trash-Metal-Fans in Scharen und frohlockten ob all den brachialen Hymnen und melodiösen Salven bester Metal-Mukke.

Am 13. April war es soweit, Megadeth und Slayer waren angesagt im Zürcher Volskhaus. Mit etwas Glück hatte wieder ich ein Meet ’nd Greet mit Megadeth gewonnen, und so sollte man sich bereits schon am frühen Abend am Treffpunkt einfinden. Anders als im Forum Fribourg, waren es dieses Mal um die 10 Metalheads, die Chris Broderick, David Ellefson, Shawn Drover und Dave Mustaine treffen konnten. Im Vorraum des Volkshaus mussten wir kurz warten und schon kam direkt die ganze Band raus. Wie bei solchen Anlässen üblich war das ganze recht steif und oberflächlich, nichts destotrotz hatte ich Freude den Jungs einmal in die Augen sehen, ein paar Worte mit ihnen wechseln zu können und schnell noch paar Fotos machen zu lassen.

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Neben den Hardcore-Slayer-Fans sind auch jede Menge Megadeth-Fans und erfreulicherweise auch viele jüngere Metalfreaks auszumachen. Das ganze Volkshaus wimmelt nur so von schwarz gekleideten Musikfans und Kuttenträgern. Als Lockenkopf Mr. Mustaine um neun Uhr mit „Trust“ die Bühne betritt ist die Hölle los. Neben dem wuchtigen Sound und der sichtbaren Freude am Werken, fällt bei Megadave des weiteren ins Auge, dass er sich an diesem Abend insgesamt sieben verschiedenen Gitarren reichen lässt. Neben dem optischen Erscheinungsbild passt auch das musikalische. Ein bunter Querschnitt durch die turbulente Karriere der Millionenseller lässt keine Wünsche offen.

Dass man die schwächste Phase zur Jahrtausendwende aussen vor lässt, stört bei gezockten Evergreens wie „Hangar 18“, „Sweating Bullets“ oder dem relativ neuen Riffmonster „Head Crusher“ niemanden. Als bei „Peace Sells“ auch noch Maskottchen Vic Rattlesnake die Bühne entert, kennen die Jubelbrandungen keine Grenzen mehr. Mit „Holy Wars… The Punishment Due“ beschliessen Megadeth ein Megaset, bei dem auch Heimkehrer Dave Ellefson und ex-Nevermore Klampfer Chris Broderick in Hochform agierten. Die kollektive Verbeugung zum Schluss hatte was symphatisch-theatralisches.

Megadeth kam, sah und siegte. Anders kann man den Auftritt kaum beschreiben. Megadeth brillierten durch Präzision und Spielfreude. Mustaine wirkt wie bei jedem Konzert zu Beginn fast schon zurückhaltend und taut erst im Lauf des Konzertes auf. Viel Show gibt es also nicht. Aber warum auch? Songs wie „Hangar 18“, dessen ausladender Instrumentalteil nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde oder das lautstark mitgesungene „A Tout Le Monde“ wirken von ganz allein. Mit Songs wie „Wake Up Dead“, „Symphony Of Destruction“, „Peace Sells“, „My Darkest Hour“, „A Tout Le Monde“ und „She-Wolf“ führte Megadeth das begeisterte Publikum durch ihre wohl herausragendsten Jahre und mit dem perfekt dargebotenen “Holy Wars… The Punishment Due” rundeten sie einen exzellenten Auftritt ab.

Wie immer erfüllten Megadeth ihre Pflicht und entliessen das Publikum mit gut trainierten Nackenmuskeln. Wieder einmal ein Hammer Konzert, dass das Volkshaus zum kochen brachte, sich mit viel Power in die Gehörgänge fräste und absolut jeden mitzureissen vermochte. Nach unglaublich kurzweiligen zwölf Songs kündigt Dave Mustaine viel zu früh das Ende der Show an. Nach einer Runde Zugabe-Rufen erscheint die Band ein letztes Mal im Rampenlicht und Frontmann Dave hielt eine kleine Ansprache, dass wir doch unseren Planeten nicht so schlecht behandeln sollen und dass all die Kriege nur sinnloses Blutvergiessen sind. Ohne eine Reaktion des Publikums abzuwarten, beenden Megadeth ihr Konzert mit „Holy Wars… The Punishment Due“. Unter begeistertem Beifall begeben sich alle vier Musiker nach vorne an den Bühnenrand und verbeugen sich vor ihren Fans mit den Worten „you’ve been great, we’ve been Megadeth“, bevor sie endgültig die Bühne räumen. Megadeth kills!

  1. Trust
  2. In My Darkest Hour
  3. Hangar 18
  4. Wake Up Dead
  5. Poison Was the Cure
  6. 1,320′
  7. Sweating Bullets
  8. She-Wolf
  9. Head Crusher
  10. A Tout Le Monde
  11. Symphony of Destruction
  12. Peace Sells

Als Zugabe:

  1. Holy Wars… The Punishment Due
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Nun sind vermehrt „Slaaaaaaayer“ Rufe zu hören. Das Bühnenlicht leuchtet blutend Rot, toxisch Gelb oder mystisch Blau und schon donnert „World Painted Blood“ aus den Boxen. Im Gegensatz zu Megadeth sind Slayer eine Rampensau, ganz klar. Nachdem schon mit dem dritten Song ein Klassiker ausgepackt wird, gibt es spätestens ab hier zumindest im ersten Drittel des Volkshauses kein Halten mehr. Tom Arayas Kreuz soll wieder voll funktionsfähig sein und trotzdem gab es eine temporäre Line-Up Änderungen: Vor kurzem hat sich Jeff Hanneman eine Infektionskrankheit zugezogen, wodurch erst Exodus-Klampfer Gary Holt ins Boot geholt wurde.

Nachdem dieser aber mit seiner Hauptband durch Südamerika tingelt, kam Cannibal Corpse Gitarrist Pat O’Brien in den Genuss, für die letzten Dates der Europa-Tour einzuspringen. Der Todmetaller macht sich schnell Freunde im Volkshaus, denn Hannemans Solos schienen dem Amerikaner keine Probleme zu bereiten. Nach den melodischen Megadeth-Salven wirkte die unerreichte Brutalität Slayers um einen Zacken aggressiver. Tom Araya präsentierte sich in bester Laune und trat auch gerne mit dem Publikum in Interaktion. Bei den Klassikern wie „War Ensemble“ oder „South Of Heaven“ geht es richtig ab, doch auch die neueren Songs werden durchweg positiv aufgenommen.

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Neben unverzichtbaren Klassikern der Marke „Angel Of Death“ oder „South Of Heaven“ überraschen Slayer an diesem Abend mit den Uralt-Nummern „Black Magic“, „The Antichrist“, „Dead Skin Mask“ und „Seasons In The Abyss“. Wer Slayer mag weiss aber was er kriegt und das sind schlussendlich ein wild posendes Tätowiermodel namens Kerry King und einen alles zerberstenden Knüppelgott namens Dave Lombardo – der ein unglaubliches Gebolze bei „Americon“ bot.

Mitte der 80er Jahre schufen Slayer einige der härtesten Alben, die die Rockwelt je gehört hatte. Mit der Verbindung aus Heavy Metal, Elementen des Hardcore und der Geschwindigkeit des Speed Metal gilt der Klassiker „Reign In Blood“ mit Songs, die bis zu 250 Beats pro Minute aufweisen, als eines der schnellsten und härtesten Alben der Rockhistorie. Auf eine Zäsur Ende der 90er Jahre kamen Slayer 2001 erneut in Originalbesetzung zusammen. Seitdem zeigen sie sich von einem Arbeitsethos, der sprachlos macht: Rund 150 Konzerte pro Jahr sowie alle 18 Monate eine neue Veröffentlichung sind der Beleg für die ungebrochene Intensität und Kraft, mit der Slayer auch heute noch die Metal-Welt begeistern. Die verschwitzten Körper und zerstörten Kehlen im Volkshaus bewiesen deutlich, dass Slayer nach wie vor eine einzigartige Dampfwalze sind. Die Höhepunkte der Show sind die letzten vier Titel. So ausgelutscht und totgehört wie die Lieder auch sind, live knallen die Teile ordentlich rein.

  1. World Painted Blood
  2. Hate Worldwide
  3. War Ensemble
  4. Postmortem
  5. Temptation
  6. Dead Skin Mask
  7. Silent Scream
  8. The Antichrist
  9. Americon
  10. Payback
  11. Seasons in the Abyss
  12. Snuff

Zugaben:

  1. South of Heaven
  2. Raining Blood
  3. Black Magic
  4. Angel of Death
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Gegen 23.00 Uhr endete ein grossartiger und vor allem lauter Abend. Beide Bands liessen sich keineswegs Lumpen und zeigten so richtig, was sie drauf haben. Insgesamt betrachtet ein sehr aufregender Konzertabend mit guter Stimmung, motivierten Bands und bewegungsbedürftig Fans. Ja, der Abend vermochte Metal Freunde in Ekstase zu versetzen. Die Megadeth Maschinerie präsentierte sich gut geölt, die Kolben und Zylinder blubberten zuverlässig die Emissionen aus fast drei Jahrzehnten Bandhistorie in die Synapsen der wie immer begeisterten Jüngerschar. Kraftklumpen Kerry King und seine Krachkumpanen knüppelten wie eh und je drauf los, dass einem – auf eine wohlige Art und Weise wohl bemerkt – Angst und Bange wurde. Und die Menge tat es ihnen gleich – hunderte Luftgitarren wurden teils virtuos von ihren Besitzern bis aufs Äusserste gequält und malträtiert und so schien doch ein jeder Thrasher auf seine Kosten gekommen zu sein. Thrash as thrash can!

Ich danke Youtube User dafrepe71 und Fetisov45 für ihre Videos und art-noir.ch für die Bilder.

Megadeth und Slayer - European Carnage Tour
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