Der Mann, der selbst nie Horrorfilme schaute, wusste, was die Leute wollen: „Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute“, sagte er vor ein paar Jahren. So simpel das Rezept klingt, so erfolgreich war Craven damit. Der Amerikaner war der erfolgreichste Horrorregisseur unserer Zeit, der das Genre revolutionierte und so gleich mehrere Klassiker schuf wie „The Last House On The Left“, „Scream“ oder „A Nightmare on Elm Street“. Am Sonntag ist er im Alter von 76 Jahren, im Beisein seiner Angehörigen in seinem Haus in Los Angeles gestorben. Der Filmemacher war an einem Hirntumor erkrankt.

Master of Horror Wes Craven gestorben

Craven wuchs in Cleveland, Ohio in einer Familie strenggläubiger Baptisten auf: Alkohol, Tabak, Kartenspiel waren verboten – und Kino auch. Mit 17 hatte der spätere Meister des Horrors noch Träume und wollte tatsächlich Kampfpilot bei der Navy werden. So einer, der richtig vom Flugzeugträger abhebt. Doch mit 19 Jahren kam ihm Transverse Myelitis, eine Form von Rückenmarkentzündung in die Quere und er war für eine ganze Weile von der Brust abwärts gelähmt. Drei Monate lang konnte er sich gar nicht bewegen, ein Jahr dauerte die Reha und es brauchte noch viel länger, bis er sich ganz erholt hatte. So studierte der junge Wesley Literatur und Psychologie an der renommierten Johns Hopkins-Universität und war etwas später als Lehrer an der Clarkson University in Potsdam, N.Y. tätig. Nach Hollywood kam er eher aus Versehen. Aber er blieb, erfand ein ganzes Filmgenre neu und wurde so einer der wichtigsten Regisseure der letzten Jahrzehnte.

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Top 10 Wes Craven Movies (Part 1)

Seinen ersten Film „Together“ aus dem Jahre 1971 drehte er zusammen mit Sean S. Cunningham, der später den Kult-Slasher Jason Vorhees aus „Friday the 13th“ erschuf. Craven und Cunningham gelang der Durchbruch mit „Last House on the Left“ Anfang der siebziger Jahre. Der bis heute umstrittene Splatterfilm revolutionierte die Art und Weise, in der Horrorfilme gedreht wurden und gab dem Genre durch seinen kritischen Bezug auf den Vietnam-Krieg eine fast politische Botschaft, was die Darstellung von Gewalt und Folter anbelangt. Er schrieb das Buch frei nach einem Film von Ingmar Bergman und führte Regie: Ein paar junge Männer vergewaltigen und ermorden zwei Mädchen und die Eltern nehmen blutige Rache. Das war und blieb das Rezept des Wes Craven und wurde dutzendfach kopiert: Rache! Die Rache von Opfern oder deren Angehörigen an Tätern. Und die Täter, die zu Opfern werden, sind meistens Teenager – genau wie die Konsumenten dieser Filme.

Freddy Krueger

Seinen gradlinigen und verstörenden Stil setzte er 1977 in „The Hills Have Eyes“ (Hügel der blutigen Augen) fort. Die Geschichte einer Familie, die in der Einöde von einem Rudel mutierter Kannibalen gejagt und getötet wird, wurde ein noch grösserer Erfolg als „Last House On The Left“. Mitte der achtziger Jahre gelang Craven dann der endgültige Durchbruch, als er mit dem Alptraummörder Freddy in „Nightmare on Elm Street“ auf die Leinwand brachte. Mit dem Alptraummörder Freddy brachte er eine neue Dimension des Horrors auf die Leinwand. Wes Craven liess Millionen Menschen erschaudern. Der Film kostete 1984 gerade einmal 1,8 Millionen Dollar und spielte das 15-fache ein. Neun Filme wurden insgesamt gedreht, eine Fernsehserie und diverse Comics und Ähnliches. Und Hauptfigur Freddy Krueger, der Mann mit den Klingenhänden, der vom Täter zum Opfer zum Täter wurde, wurde zur Kultfigur. 1994 versuchte er mit „Freddy’s New Nightmare“ die inzwischen durch die Fortsetzungen verwässerte Geschichte um den Schlitzer Freddy zu einem würdigen Ende zu bringen – was durch „Freddy vs. Jason“ 2003 wieder relativiert wurde. Im Jahr 1996 gelang es Craven mit „Scream – Schrei!“ das totgeglaubte Slasherfilm-Genre mit neuem Leben zu füllen. Der Mörder in der Munch-Maske (Ghost) entwickelte sich rasch zu einer Pop-Ikone und die satirische Geschichte um eine Gruppe Jugendlicher, die trotz ihrer Kenntnisse von Horrorfilmen schliesslich auf die gleiche Weise umkommen wie in diesen Filmen dargestellt, wurde ein Kassenschlager, der finanziell vom Nachfolger „Scream 2“ sogar noch übertroffen wurde.

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Top 10 Wes Craven Movies (Part 2)

15 Millionen kostete „Scream“, das 17-fache spielte er ein. Kein Wunder, dass „Scream 2“ nicht einmal ein Jahr später kam und dann noch „Scream 3“ und „Scream 4“. Drew Barrymore, Courteney Cox, Neve Campbell, David Arquette, Rose McGowan, Liev Schreiber, Patrick Dempsey, Jenny McCarthy – keiner war sich zu schade für die Metzelfilme. Neben seiner Arbeit an „Scream“ drehte Craven ausserdem „Music of the Heart“, die wahre Geschichte einer Musiklehrerin aus Brooklyn, mit der sich Craven aus dem bekannten Horrorterrain herauswagte. Meryl Streep konnte eine Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin verzeichnen. Nachdem Craven 2000 mit „Scream 3“ die Scream-Trilogie beendet hatte, versuchte er sich zunächst am Werwolf-Genre, welches mit „Cursed“ (Verflucht) 2005 einen sowohl finanziellen als auch künstlerischen Reinfall markierte. Im selben Jahr konnte der König der Metzger allerdings mit „Red Eye“, einem Thriller mit Rachel McAdams und Cillian Murphy, zu alter Form zurückfinden. Mit diesem Film setzte der Altmeister des Horrors auf einen weniger blutrünstigen, dafür mehr psychologischen Horror und signalisierte damit eine Abkehr vom Slashergenre.

Scream

„Als Horrorfilm-Macher sage ich: Ich werde euch die absolute Wahrheit zeigen, und sie ist blutig und scheusslich und gefährlich“, sagte Craven einmal. Und so wurde bei ihm zerstückelt, zerschlitzt und erhängt, aufgegessen und gefoltert, alles schön blutig. Craven metzelte vermutlich mehr Menschen als alle anderen Regisseure nieder, aber er tat es mit Stil. Er selbst mochte aber eigentlich gar keinen Horror. Die Filme der Kollegen guckte er nicht und selbst „Alien“ oder Mel Gibsons Bibelverfilmung „Die Passion Christi“ schaute er aus dem Grund, er bekomme Angst, nicht an! Seine letzte Arbeit war die auf seinen Filmen basierende Fernsehserie „Scream“, bei der er allerdings nur noch Produzent tätig war. Craven starb am Sonntag an einem Hirntumor in seinem Haus in Los Angeles im Kreise seiner Familie, umgeben von Liebe wie es im offiziellen Statement heisst. Er hinterlässt seine Frau Iya Labunka, mit der er seit 2004 in dritter Ehe verheiratet war.

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Wes Craven Masters of Horror part 1

Danke Wes für deine blutigen wie tiefgründigen Horrorfilme! Danke für dein letztes Haus links, die Hügel der blutigen Augen und das Ding aus dem Sumpf! Danke für all die Jahre mit den Rasierklingen von Freddy Krueger! Danke für die Schlange im Regenbogen, Shocker und das Haus der Vergessenen! Wir werden dich nie vergessen „Sultan of Slash“! Danke für deine Filme und die darin dargestellte Gewalt, welche das gegenwärtige amerikanische Horrorkino prägten. Deine Visualisierung von Gewalt war stets realistisch und du zeigtest uns Gewalt und Folter als hässlichste Form der menschlichen Seele, ohne jegliche Stilisierung und Glorifikation, ganz im Gegensatz zu Regisseuren wie Tarantino und Roberto Rodriguez. Bei dir waren Gewalt und Horror niemals ästhetisch oder reines Mittel zum Zweck, sie dienten dir zur klaren Abgrenzung zwischen Gut und Böse. Danke Wes Craven und um eine deiner Figuren zu zitieren: „Oh, I was not made for heaven. No, I don’t want to go to heaven. Hell is much better. Think of all the interesting people you’re going to meet down there!“ Danke Wes, du warst ein Guter und ich habe deine Arbeit geliebt! Wir sehen uns, egal wo…..

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Wes Craven Masters of Horror part 2