Gestern sind wir auch schon beim Midseason-Finale von „Fear The Walking Dead“ Staffel 2 angelangt. Ein bisschen Familiendrama, ein schizophrener Flashback und viel Gelaber – damit verabschiedet sich „Fear The Walking Dead“ ohne grosses Tamtam und Cliffhanger in die Sommerpause. Wenn die Serie im August wieder startet, muss sie deutlichere Akzente setzen, um weiterhin zu überzeugen.

Fear The Walking Dead: Review zum Midseason-Finale und Datum zum Start der zweiten Season-Hälfte

„Fear the Walking Dead“ liefert in seinem ersten Midseason-Finale zwar Zombies, Flammen, Zerstörung und Drama, aber leider ohne sinnvolle Verknüpfung der Elemente. Alle Aspekte sind dermassen verteilt und dies teilweise auch geographisch und unfokussiert, dass sich kein schlüssiges Bild ergibt. Die Folge beginnt so unaufgeregt wie sie endet. Nachdem Strand seinem Freund in der letzten Folge die letzte Gnade erwies, muss er das Gelände verlassen. Celias Glaubensansicht wird von allen Anwohnern bis auf die Neuankömmlinge ohne Zweifel geteilt. Aus dieser Perspektive hat Strand seinen Freund nicht vor der schrecklichen Unendlichkeit als Walker bewahrt, sondern ein Nachleben in der neuen Welt verwehrt. Derweil ist Daniel mit seiner Vergangenheit schwer beschäftigt. War er zu Anfang noch der kompetente und angsteinflössende Mann für die harten Entscheidungen, brach Daniel nach der Ankunft auf dem Weingut allmählich ein. Unter der zähen Oberfläche brodelte schon lange ein Konflikt mit der persönlichen Vergangenheit, der nun zusammen mit unterschiedlichen Ansichten zur Bekämpfung der Zombies zu einer gefährlichen Mixtur gerät. Daniel steht zwar lange angewurzelt neben den Flammen, nachdem er sich von dem Geist seiner Frau und seiner Vergangenheit mit radikalen Mitteln verabschiedet, doch auch ihn werden wir nach der Sommerpause wiedersehen dürfen. Ebenso wie Celia sehen wir ihn noch am Ende aus dem Weinkeller fliehen, somit dürfte auch die Gutsherrin diese Flammenhölle überlebt haben.

Fear The Walking Dead: Review zum Midseason-Finale und Datum zum Start der zweiten Season-Hälfte

Währenddessen verfolgt Travis seinen Sohn über die Grenzen des sicheren Weinguts zu einem Haus, in dem Chris den Sohn eines anderen Mannes als Geisel genommen hat. Chris‘ Handlungsstrang ist definitiv die bisher kontroverseste der gesamten Serie. Dabei sind Chris‘ Zweifel berechtigt. Reed hat zwar die Ängste des ohnehin verunsicherten Sohnes gesteigert, doch prinzipiell weiss auch Chris, dass die Zombieapokalypse eine Reduzierung auf den Nukleus der Gesellschaft, die Familie, zur Folge hat und die porösen Strukturen der Patchwork-Familie waren bereits vor den Zombies ein Grund für Zweifel an Travis‘ Bekenntnis zu seinem Sohn. Dass Chris nun die direkte Zusicherung der Unterstützung seines Vaters erfährt, mit all den Konsequenzen, die das beinhaltet, wird ihn beruhigen, normalisieren und wieder in die Gruppe zurückführen, auch wenn Vater und Sohn vorerst alleine zurück bleiben in den Bergen. Wie es für sie weitergeht, zeigt sich in der nächsten Episode im August.

Fear The Walking Dead: Review zum Midseason-Finale und Datum zum Start der zweiten Season-Hälfte

Grundlegend hat die Auftrennung der Figuren wohl zur folge, das uns nach der Sommerpause einzelne Episoden mit einem Fokus auf die charakterliche Entwicklung erwarten dürften. Prinzipiell ist daran nichts verwerflich, es wäre nur wünschenswert, wenn dies nicht ganz so offensichtlich gestaltet würde. Die Trennungen der Figuren erscheint glaubhaft, wurden doch die Gräben in den letzten Episoden tiefer und die Unterschiede grösser. Besonders der schwelende Konflikt zwischen Nick und seiner Mutter bietet interessante Ansätze. Während die Beisser in der Originalserie und besonders im Comic nach der anfänglichen Apokalypse ruckartig in den Hintergrund geraten und zur Naturkatastrophe reduziert werden, die dem eigentlichen Drama nur als Rahmengeschichte dient, bietet „Fear The Walking Dead“ einen erheblich tiefergehenden Ansatz. Dies ermöglicht die Figur von Nick und das nicht ohne Grund. Nick ist die erste Person, die wir sehen und er hat auch den ersten Kontakt mit einem Walker in Los Angeles. Seine Perspektive auf die Zombies ist zentral und somit ist auch der zweiepisodische Abstecher zu Celias Weingut notwendig, denn sie ist es, die Nick akzeptiert und bei sich willkommen heisst. Sie sieht die Zombies nur als bemitleidenswerte Kreaturen, die den nächsten Schritt gemacht haben – ungewollt und gleichzeitig auch unschuldig – und nun einen extremen Hunger besitzen. Dieser Hunger, dieses Verlangen, wider besseren Wissens, ist Nick als ehemaliger Junkie sehr gut bekannt.

Fear The Walking Dead: Review zum Midseason-Finale und Datum zum Start der zweiten Season-Hälfte

Der Zombie als Junkie ist definitiv keine neue Interpretation, doch die gleichzeitige Barmherzigkeit, das Mitleid, die Sorge um das Schicksal von Wegbegleitern nach dem Sieg des Zombievirus – all das scheinen vielversprechende und neue Ansätze für den weiteren Verlauf von „Fear The Walking Dead“, wenn man sich traut, diese zu verfolgen und zu Ende zu denken. Nick, der als blutverschmierter Zombie durch die Horde spaziert und sich dort mehr akzeptiert und zu Hause fühlt, ist definitiv eines der spannendsten Bilder des gesamten Serienuniversums. Wenn „Fear the Walking Dead“ es jetzt noch schafft, mehr als eine Figur auf dieses Niveau zu heben, könnten Kirkman und Co. die Kurve kriegen. Wir sind gespannt, wie es nach der Sommerpause am 21. August weitergehen wird! Für die zweite Hälfte verspricht das Team einige interessante neue Charaktere, besonders hispanischer Herkunft…