Nun haben wir noch eine letzte Folge vor uns, bevor die erste Staffel „Fear The Walking Dead“ zu Ende geht. In der 5. Episode bringt „Fear The Walking Dead“ seine Figuren ein ganzes Stück weiter. Die vorletzte Folge setzt für das Finale, in dem das Schlimmste befürchtet werden muss, einige Grundsteine und wir konnen davon ausgehen, dass es nochmal so richtig rund gehen wird!

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

In Folge 3 von “ Fear The Walking Dead“ hatte das Militär seinen ersten Auftritt und damit kam zunächst neue Hoffnung in L.A. auf. Würden die Soldaten endlich wieder für Ruhe und Ordnung sorgen können? Doch schnell zeigten sie ihr wahres Gesicht: Sie haben die Waffen, sie haben die Macht! In Folge 4 „Not Fade Away“ bekamen auch unsere Serien-Familien das am eigenen Leib zu spüren. Die Versorgung mit frischem Wasser und Strom ist nicht mehr gewährleistet, ebenso wie die medizinische Versorgung. So kommt es, dass eine Ärztin, Dr. Exner, die Leute, die krank oder verletzt sind, kurzerhand in ein vermeintliches Krankenhaus in der Nähe abtransportieren lässt. Allerdings erinnert das Ganze fast mehr an eine Entführung als an einen Krankentransport. So werden auch Nick und Griselda mitgenommen, doch Daniel, der seine Frau begleiten wollte, durfte nicht mit. In der schmucklosen Folge 5 namens „Cobalt“ sehen wir nun, was die Familien tun, um ihre Angehörigen zu retten und was das Militär tatsächlich vor hat.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Nachdem das Militär also die Führung übernommen hat, haben sich die Umstände trotz einer zunächst bequemen und garantierten Sicherheit vor den wandelnden Toten zum Schlechteren gewendet. Die Bevölkerung wird angesichts der Besatzung und fehlender Informationen unruhig, das Leben wird wieder rauer und spätestens seitdem rigoros gegen mögliche Bedrohungen vorgegangen wird, steht der Bösewicht in den Sicherheitszonen fest. Lieutenant Moyers verleiht der harten Linie des Militärs ein Gesicht. Er bleibt jedoch trotz einiger netter Sprüche recht farblos und eindimensional. Und dennoch kann er uns in seinen wenigen Interaktionen immerhin über den moralischen Stand des Militärs informieren. Er lässt bei seiner Truppe wenig Gnade walten. 50-Stunden-Schichten, Androhungen von Gewalt, ein beunruhigender Sarkasmus. Die Soldaten wissen weitaus mehr als der Zuschauer oder Travis, der mit ihnen auf diese Einschüchterungstour ging. Sie können den Zustand des Kampfes gegen die schwelende Apokalypse besser einschätzen und wenn sie desertieren und sich vom Acker machen wollen, um ihre eigenen Familien (womöglich vor dem Militär) zu retten, spricht das Bände.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Travis versucht, über Oberbefehlshaber Moyers an Informationen zu kommen und schafft es schliesslich, mit den Soldaten loszufahren, um zu dem Krankenhaus zu gelangen. Doch auf dem Weg dahin wird die Truppe zwei Mal gestoppt: Moyers zwingt Travis durch das Fernrohr eines .50 Caliber Scharfschützengewehrs zu blicken und einen Zombie zu töten. Der bisher gutgläubige und naive Travis hadert mit der Herausforderung und kann sich am Ende nicht dazu durchringen. Schliesslich ist er eher friedliebend und wenn er einer gewaltsamen Auseinandersetzung aus dem Weg gehen kann, tut er das auch. Der interessante Aspekt der Figur ist, dass Travis inzwischen durchaus begreifen mag, dass die Kellnerin namens Kimberley nicht mehr zu retten ist und wahrscheinlich sogar erlöst werden sollte. Er selbst kann sich jedoch einfach nicht zu diesem Schritt durchringen. Ob Travis‘ Pazifismus tiefgehende Gründe hat, wird sich noch zeigen. Während sich aber seine Frau sogar recht schnell mit Daniels Foltermethoden anfreunden kann, ist es doch beruhigend, dass mit Travis auch eine komplizierte Figur mit der Situation hadern darf, die als nicht völlig unschuldig idealisiert wird. Beim zweiten Mal halten die Soldaten an einer Bücherei an, die anscheinend voller Infizierter ist. Während es innen zu heftigen Szenen kommt, wobei einige Soldaten auch den Tod finden, wartet Travis draussen im Wagen, bis die Soldaten schliesslich völlig entsetzt zurückkehren und beschliessen, zu ihrer eigenen Sicherheit zur Schutzzone zurückzufahren.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Ach ja, genau: Folter. Der zu Beginn durch Ofelia inszenierte Aufstand war lediglich eine Falle für ihren Militärfreund Andrew. Daniel konnte ihn, im Haus angekommen, überwältigen und will nun herausfinden, wo seine Frau hingebracht wurde. Ausserdem wird im Funk der Soldaten immer wieder das Wort „Cobalt“ erwähnt. Um das Geheimnis zu lüften, ist Daniel zu blutigen Methoden bereit, die er nicht zum ersten Mal anwendet. Nein, er wirkt sogar äusserst routiniert. Dass hinter dem unscheinbaren Friseur mehr steckt, konnte man recht früh erahnen. Sein Tatendrang wurde in der letzten Woche zunächst verständlich. Er kennt aufgrund der Übergriffe in seiner Heimat El Salvador die Abgründe der menschlichen Psyche nur allzu gut und wird nicht warten, bis er selbst zum Opfer wird. Doch Soldat Andrew will seine Geheimnisse natürlich nicht preisgeben. Er erzählt zwar, wo sich das Krankenhaus befindet, aber nicht mehr. Daniel foltert ihn auf grausame Weise, schneidet ihm dabei unter anderem mit seinen Rasiermessern den Arm auf, denn er möchte um jeden Preis herausfinden, was sich hinter dem Codenamen „Cobalt“ verbirgt.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Als Ofelia erfährt, dass ihr Vater trotz seines Versprechens den Soldaten foltert, ist sie sehr sauer und enttäuscht. Als Travis von seiner Tour mit den Soldaten zurückkommt, findet er die völlig verstörte Ofelia vor und checkt gleich mal die Lage. Natürlich ist er sauer auf Madison, dass sie die Folter zuliess. Für mich nicht überraschend, dass Madison sich nicht wirklich daran stört, sondern Verständnis hat. Seit der Verdrehung der Tatsachen, die zur Tötung von Osama bin Laden führten, gilt die Folter wieder als legitime Methode, um an bedeutende Informationen zu gelangen. Dass eine Mutter ihr Kind aus der Gefangenschaft befreien will, ist verständlich. Dass Madison sich jedoch derart schnell an ihre neue Umwelt anpassen kann, ist verblüffend und sorgt für einige Spannungen innerhalb der Familie und in der Beziehung mit ihrem Freund. Auch über das Finale hinaus wird dieser Konflikt wohl für durchaus dramatische Momente sorgen dürfen. Was die Truppe jedoch dann von Andrew erfährt, ist noch viel schlimmer: Der Code „Kobalt“ bedeutet die Evakuierung von Los Angeles. Allerdings nur für das Militär. Die verbleibenden Zivilisten sollen umgebracht werden und das schon am nächsten Morgen um neun Uhr.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Das mysteriöse „Krankenhaus“ ist, wie wir schliesslich erfahren, in einer Sporthalle untergebracht und sieht ehrlich gesagt fast ein wenig erbärmlich aus. Auf kleinstem Raum sind die ganzen Kranken und Verletzten zusammengepfercht. Dr. Exner und Liza versorgen hier und da einige Kranke, doch Liza lässt der Gedanke an Nick und Griselda nicht los. Sie kann einen Blick ins Untergeschoss der Halle werfen, doch kann sie Nick nicht finden. Dafür entdeckt sie aber Griselda, der es anscheinend nicht sehr gut geht. Ihr Fuss musste amputiert werden und sie erlitt einen septischen Schock, an welchem sie dann auch stirbt. Dr. Exner erklärt Liza daraufhin, dass alle, die sterben, automatisch als Infizierte ins „Leben“ zurückkehren, wenn man ihnen nicht vorher das Gehirn zerstört. Liza sieht es nun als ihre Pflicht an, diesen Schritt zu erledigen. Sie ist es Daniel und Ofelia schuldig. Doch nicht alle, die als „krank“ bezeichnet wurden, kamen auch wirklich ins Sporthallen-Krankenhaus. Nick und Nachbar Doug landeten etwa irgendwo im Untergeschoss, in einer Art Keller oder unterirdischem Parkhaus, wobei es sich wohl um eine Art Auffangstation handelt. Als Nick von den Soldaten abgeführt werden soll, rettet ihn der charismatische Victor Strand, der bereits am Anfang der Folge mit Doug sprach. Er rettete Nick offenbar und will eine Gruppe von fähigen Leuten um sich scharen, um aus dem Krankenhaus zu entkommen.

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Es ist erfreulich, dass das Militär anscheinend tatsächlich nur den Menschen helfen will und keine Experimente an ihnen durchführt. Das wäre ein Schritt zu weit gewesen. Regisseurin Kari Skogland zeigt den Moment der Tötung von Griselda aus der Ferne und erst später ein Close-up von Griseldas Stirn. Ein würdevoller Abschied von einer uns kaum bekannten Figur und diese Szene sagt auch sehr viel über die Herangehensweise und Zukunft der Serie aus. Während „The Walking Dead“ keine Gelegenheit auslässt, einen gore-haften Moment nach dem nächsten zu suchen, ist das Spin-off weitaus vielschichtiger und nuancierter. Ebenso verharrt die Kamera nicht lange auf dem Kopfschuss von Kimberley. Das Gemetzel in der Bibliothek ist ebenfalls nicht zu sehen, sondern nur zu hören. Die Kamera verharrt auf Travis. In Fear geht es nicht um die Zombies, sondern um die Menschen und ihre Reaktion auf diese neue Welt. So erfährt Liza hier auch, dass alle Menschen zu Zombies werden – selbst wenn sie nicht gebissen wurden. Alicia und Chris, die sich ja eigentlich nicht so gut verstehen, scheinen durch ihre missliche Lage einander näherzukommen. Sie gehen gemeinsam in ein Haus einer gut betuchten Familie in der Nachbarschaft und lassen mal so richtig die Sau raus. Sie betrinken sich, nehmen das Zeug der anderen Leute, verkleiden sich und schlagen dann alles kurz und klein. Nachdem die beiden endlich ihren Frust und ihre Wut auf ihre Familie und die Situation auslassen konnten, geht es ihnen scheinbar besser. Doch nicht lange, denn sie bemerken, dass die Soldaten nicht mehr patrouillieren, sondern ihren Kram packen und sich zum Aufbruch bereit machen!

Fear The Walking Dead: So war Episode 5

Die Gefahr geht also weniger von den Infizierten aus, als vielmehr vom Militär! Was werden die Familien jetzt machen? Werden sie Nick und Liza rechtzeitig wiederfinden? Und wie werden Ofelia und Daniel reagieren, wenn sie von Griseldas Tod erfahren bzw. dass Liza ihre Frau und Mutter schliesslich sogar erschoss? Ist das Stadion voller Zombies innerhalb der Sicherheitszone? Wo genau war eigentlich die Bibliothek? Hat das Militär hunderttausende Menschen binnen der übersprungenen Woche getötet? Haben Millionen von Menschen Los Angeles einfach so verlassen? Wenn ja, wo ist das Chaos? Wenn nicht, wo sind alle? Wieso ist alles so leer? Manche, das haben wir letzte Woche gesehen, verstecken sich in ihren Häusern. Doch das erklärt ja nicht die Abwesenheit eines Grossteils der Bevölkerung. Diese schmucklose Folge ohne visuelle Highlights oder Höhepunkte legt den Grundstein für ein zombiereiches, wenn auch vorhersehbares Finale, da ich davon ausgehe, dass Daniel die Tore des Stadions öffnet und von dem Chaos profitieren will. Doch die Staffel scheint gerade jetzt zu enden, wo es interessant wird. Wahrscheinlich dürften alle Figuren das nun beginnende Chaos überleben und den Untergang der letzten Herrschaft in Los Angeles mitansehen. Wahrscheinlich endet die Staffel sogar mit der Bombardierung der Stadt, ähnlich wie in dem oft vergessen Auftakt der zweiten Staffel der Originalserie. Dort bombardiert das Militär Atlanta mit Napalm. Womöglich ist das auch die Lösung aller Probleme für Los Angeles, wir werden es nächste Woche in der finalen sechsten Folge („The Good Man“) der ersten Staffel von „Fear The Walking Dead“ erfahren.