Totgesagte leben länger. So scheint es zumindest der Fall zu sein bei „Full Devil Jacket„. Nachdem die Amerikaner doch Anfang 2000 auf diversen grossen Festivals spielten und Touren mit Grössen wie „Nickelback“, „Creed“, „Slayer“ und „Slipknot“ veranstalteten, stand die Band kurz vor dem grossen Durchbruch. Doch der Drogenabsturz von Sänger Josh Brown und der Krebstod von Gitarrist Michael Reaves versetzten der Band herbe Schläge und führten zu einem jahrelangen Verschwinden. Jetzt sind Brown und Kollegen wieder zurück, Schlagzeuger Keith Foster aus der Urformation, Bassist Moos Douglass und Gitarrist Paul Varnick vervollständigen das Lineup und an Energie fehlt es der Truppe nicht. Josh Brown und seine Kollegen halten sich nicht mit Kinkerlitzchen auf sondern starten gleich durch.

Album Review: Full Devil Jacket - Valley of Bones

Einst lebten „Full Devil Jacket“ wie im Paradies, bis daraus ein Albtraum wurde. In ihren Anfangstagen tourte die Band mit Giganten wie Nickelback und Creed, mit Slipknot und Slayer, sie gehörte zum Billing des Woodstock 99-Festivals, hatten einen Videoclip auf MTV-Rotation und erfolgreiche Singles in den Hard Rock-Charts. Kurz um „Full Devil Jacket“ standen an der Schwelle zum Universum internationaler Rockeliten. Dann nahm Leadsänger Josh Brown eine Überdosis Heroin und wäre fast gestorben. Dies ist mehr als zehn Jahre her, nun veröffentlichen im Mai 2015 „Full Devil Jacket“ ihr zweites Album „Valley Of Bones“, das von Justin Rimer (12 Stones) produziert wurde. Um „Full Devil Jacket“ musikalisch zu definieren muss man die geradlinigen Grooves und packenden Hooks ihres kraftstrotzenden Hard Rocks erwähnen und ihre Songs all jenen wärmstens ans Herz legen, die auf Bands wie „Alice In Chains“, „Pantera“, „White Zombie“ oder „Korn“ stehen.

Full Devil Jacket

Auf auf „Valley Of Bones“ findet man wahre Geschichten, starke Statements und brutal-ehrliche Beobachtungen vom Leben, von Glauben, Familie und globalen Machtstrukturen. Frontmann Josh Brown kommentiert wichtige und zeitlose Fragen zum Zustand unserer Welt aus seiner ganz persönlichen Perspektive und mit all seiner Erfahrung. „Wenn wir Songs schreiben müssen sie absolut authentisch sein“, erklärt er, „denn ich kann nur über etwas singen, woran ich glaube. Bei heutigen Rock’n’Roll-Bands hört man zwar die gleichen Texte wie bei den Vorbildern meiner Jugend, aber ich kann keine echte Überzeugung darin entdecken. Alle Themen dagegen, die ich anfasse, habe ich selbst er- und gelebt.“ Mit Browns Heroin-Überdosis endete 2002 abrupt der Bilderbuchstart einer Rockgruppe, die Hitsingles wie „Where Did You Go?“ and „Now You Know“ platzieren konnte. Nach einer langen Phase der Rekonvaleszenz kehrte der genesene Brown als Sänger/Songschreiber der Band „Day Of Fire“ ins Scheinwerferlicht zurück. Das Debütalbum der Gruppe wurde für einen Grammy nominiert und gewann 2005 den Preis „Album Of The Year“ des GMA Dove Awards, bei dem „Day Of Fire“ auch in den Sparten „New Artist Of The Year“ und „Rock Song Of The Year“ nominiert waren. Nach insgesamt drei erfolgreichen Scheiben zogen sich „Day Of Fire“ im Jahr 2010 für unbestimmte Zeit aus der Öffentlichkeit zurück.

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Full Devil Jacket - Valley of Bones

Somit war der Weg frei für eine Rückkehr von „Full Devil Jacket“. Die erste Reunion diente dazu, um Geld für Gitarrist Michael Reaves zu sammeln, der an Krebs erkrankt war. Als Reaves dennoch starb entschieden Brown und Schlagzeuger Keith Foster, die Band in Gedenken an ihren verstorbenen Freund wieder zu formieren. „Mike war der Grund, weshalb ich heute Musik mache“, sagt Brown, „er hat mich aufgebaut, er kannte alle Spielregeln. Als wir nach sechs Jahren Pause zum ersten Mal auf die Bühne zurückkehrten, um für ihn Geld zu sammeln, spürte man wieder den Funken überspringen.“ Dieser glüht auch in Shredding-Gitarrist Paul Varnick und Bassist Moose Douglass, die zur 2015er Besetzung der Gruppe zählen. „Full Devil Jacket“ sind also zurück. Und sie präsentieren sich stärker als jemals zuvor. Mit „Valley Of Bones“ kommt ein Album in den Handel, das gleichermassen die Coolness von Down, die mächtig-dunklen Melodien von Alice In Chains und die Modern-Rock-Attitüde von Stone Sour in sich vereinigt.

Full Devil Jacket

Was das Album sicherlich auszeichnet ist die Variabilität, die Dynamik der Tracks. Da gibt es wie gesagt das Metal-Stück mit Hardcore-Inlet ebenso wie die Rockballade, die fadengerade Rocknummer oder den Midtempo-Burner. Insgesamt dreiviertel Stunden solider und spielfreudiger Rock! Josh Brown klingt ein wenig wie der Kanadier Chad Kroeger, nur spielt seine Truppe den Sound, den Nickelback machen müssten, damit ich die Band auch heute noch hören könnte, den Balladen können nämlich auch wie „Paper Crown“ klingen. Doch gibt es auf dem Album noch einige gute Tracks mehr. Der Song „Picturebox Voodoo“ rechnet scharfzüngig mit Mainstream-Medien und der heutigen Popkultur ab, während sich „Seven Times Down“ als aggressives Riff-Monster erweist und „Paper Crown“ all jene entlarvt, hinter deren offen zur Schau gestellter Grossmäuligkeit sich in Wirklichkeit Minderwertigkeitskomplexe verstecken. Auch den Titeltrack „Valley Of Bones“ sollte man sich zu Gemüte führen oder auch die zwei Balladen „The Moment“ und „August“. Ebenso hebt sich „7xDown“ etwas hervor, genau so wie „Blood of the Innocent“, was mein ganz persönlicher Favorit ist.

Full Devil Jacket

„Valley of Bones“ ist ein echt gelungenes Comeback. „Full Devil Jacket“ machen das, was sie schon vor 15 Jahren verdammt gut konnten: Harten, facettenreichen Rock. Oft klingt „Valley Of Bones“ wie eine Zeitreise, doch es ist in keiner Weise überholt oder langweilig. Grade der Mix aus harten Rocknummern und doch eher ruhigeren Tönen wie im Song „What If I Say“ machen intensive und energiegeladene Album aus. Es legt Zeugnis ab von einer Band, welche sich nach einem fulminanten Start, einem desaströsen Absturz und Schickalsschlägen wieder aufrappelt und mit noch mehr Energie und Power zurückmeldet. Wenn „Full Devil Jacket“ live nur halb soviel bieten wie auf dieser Scheibe, dann gute Nacht. Bühnen dieser Welt, seit gewarnt! „Valley Of Bones“ von „Full Devil Jacket“ ist ein überraschendes sowie gelungenes Comeback, ein so richtig gutes. Hoffen wir, dass wir nun keine 15 Jahre mehr auf das nächste Album warten müssen.

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Tracklist

  1. Killers
  2. Valley of Bones
  3. 7X Down
  4. The Moment
  5. We Got The Love
  6. What If I Say
  7. Blood of the Innocent
  8. Picturebox Voodoo
  9. Paper Crown
  10. August
  11. Time in The Flames
Album Review: Full Devil Jacket - Valley of Bones
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Gesang8
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