Wer hat es erfunden? Genau, die Schweizer. Bei „Expenzer“ ist Thrash Metal der etwas zeitgemässeren Sorte angesagt, die Schweizer wurden nicht nur von ihrem Landsmann V.O. Pulver produziert, sondern auch massgeblich von dessen Arbeit bei „GurD“ beeinflusst. Aber auch verschiedene schwedische Acts, die einen Hang zur Bay Area haben, scheinen auf den Plattentellern der fünf Musiker in Dauerrotation zu laufen, allen voran „The Haunted“. Somit haben die Schweizer den Thrash Metal nicht (neu)erfunden, aber die gute alte Härte mit kleinen musikalischen Sahnehäubchen und dazu die unbändige Spielfreude machen „Expenzer“ zum Erlebnis internationaler Klasse. Cleverer und geistreicher Metal aus der Schweiz in einem fantastischen Artwork! „Expenzer“ haben ihre Seele dem Thrash Metal verkauft und das ist gut so!

Expenzer - Kill The Conductor

Aus der Asche Pigskin’s machten sich die verbliebenen Jungs im Frühling 2014 ans Werk und so kroch „Expenzer“ ans Licht! Die Band teilte sich bereits mit Genregrössen wie Kreator, Vader und Satyricon die Bretter, die noch immer die Welt bedeuten. Das Thrash-Quintett aus dem schweizerischen Siebnen besteht aus Renato Burkhard (Guitars), Pieric Grosjean (Guitars), Reto Bachmann (Drums), Gregor Luther (Bass) und Tom Kapeller (Vocals) und bringt Bay Area in die Moderne. Aber auch Freunde des gepflegten Death Metals kommen auf ihre Kosten, besonders diejenigen, die es verspielt mögen, denn „Expenzer“ können einiges an ihren Instrumenten und beweisen dies, in dem sie einige progressive und deathige Elemente mit einbauen, ohne dabei überladen zu wirken.

Expenzer Band

Mit „Kill The Conductor“ thrashen uns elf Songs das Hirn aus dem Schädel. Jeder Song ist durchdacht und eigentlich handelt es sich ja bei „Kill The Conductor“ um ein Thrash Metal-Album, doch vieles wird darauf verarbeitet. Teilweise wird man vulgär bedient und bekommt einen Arschtritt á la „Pantera“ oder „Machine Head, um dann ins Moderne zu wechseln und loszudonnern wie „The Haunted“ in ihren besten Zeiten. Die Technik und die Riffs von Bands wie „Testament“ oder „Exodus“ findet ja auch immer wieder Abnehmer in Europa und auch „Expenzer“ bedienen sich dort, ohne zu klauen. Hier und da darf auch ein bisschen „Slayer“ nicht fehlen und dazu ist das Teil sehr fett produziert. „Kill The Conductor“ wurde im Little Creek Studio in Gelterkinden von V.O. Pulver aufgenommen, abgemischt und gemastert. Das Label „Czar of Bullets“ schmeisst es auf den Markt und darf mehr als zufrieden sein, denn diese Mischung aus Siebnen ballert echt ordentlich, klingt nicht nach 08/15 und macht mehr als einfach nur Spass.

Expenzer Logo

Rein musikalisch geht mit „Kill The Conducator“ nichts schief, im Gegenteil, es ist Abriss angesagt! Dafür, dass die Band erst seit kurzem am Start ist, agiert sie bereits auf einem sehr hohen spieltechnischen und kompositorischen Level. Die Riffs sägen herrlich und die Uptempo-Parts knallen mit Nachdruck. Der Titeltrack ist nach dem Opener „Bitter End“ gleich ein Anspieltipp, den ich hier hervorheben möchte. Mit „Play for the Deaf“ kommt ein sehr abwechslungsreicher Track daher und aus meiner Sicht wohl einer der besten Songs von „Kill the Conductor“. In „Unicorn“ sticht rein musikalisch die Gitarre mit den geilen Solis sowie dem sehr technisierten Robot-Gesangseffekt heraus. Coole Idee, um sich von der Masse etwas abzuheben, dennoch ausbaufähig, würde ich meinen. Zu „Light Speed Heart Beat“ gibt es auch ein Video, das ihr unbedingt nachfolgend checken solltet. Mit „Silence of the Amps“ gibt es einen überaus melodischen Song, der alles hat, was eine Abrissbirne benötigt: Groove, Geschwindigkeit, Melodie und eine richtig fette, dem Song dienliche, Gesangs-Performance. Ein Song, den man gleich wieder zurück skippen möchte, um ihn gleich noch einmal zu hören. Als Rausschmeisser wird dann noch den bereits angesprochenen „The Haunted“ mit dem Coversong „Chasm“ gehuldigt.

Video Thumbnail
Light Speed Heart Beat OFFICIAL MUSIC VIDEO

„Kill The Conductor“ ist definitiv eine coole Thrash-Groove Metal Scheibe, sehr straight gehalten, ohne viele Umschweife in den Midtempo-Bereich. Dies hat mitunter zur Folge, dass gerade zum Ende der Platte eine kreative Flaute Einzug hält, die das Quintett aber mit astreinen Songs und einem Dauerfeuer an Riff-Gewalt wieder zu kompensieren weiss. Cool ist auch, ist dass sich „Expenzer“ nicht wirklich dem klassischen Thrash unterordnen, sondern jeweils den Song suchen. Der Song definiert die Mittel und nicht umgekehrt. Was man ein wenig sucht, ist das Hitpotential, denn trotz den melodischen Momenten kann man keine Ohrwürmer ausmachen. Kompositorisch sind die elf Thrash Granaten gut, doch sind etliche Vibes noch ausbaufähig. Als Debüt darf man sich jedoch stolz auf die Schultern klopfen, denn die steten Wechsel zwischen Melodie, Groove und kernigen Thrash Attacken sind gut und bohren sich gewaltig in den Gehörgang. Somit ist sicher noch etwas Luft nach oben hin offen, aber als erste Vorstellung ist „Kill The Conductor“ sehr gut und man darf gespannt sein, was uns die Zukunft bringt! Wer „The Haunted“ mag und den jüngsten Werdegang der Veteranen nicht sonderlich begrüsst, findet in „Expenzer“ respektive „Kill The Conductor“ eine zuverlässige Ersatzdroge!

Tracklist:

  1. Bitter End
  2. Kill The Conductor
  3. A Dying T-Rex
  4. Play For The Deaf
  5. Amorphous Flowing Ice
  6. Pelvic Fin
  7. Erase It
  8. Unicorn
  9. Light Speed Heart Beat
  10. Silence Of The Amps
  11. Chasm
Album Review: Expenzer - Kill The Conductor
8.5 Total
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Originalität8.5
Tempo9.4
Musikalische Fähigkeiten9
Gesang8.5
Songtexte8
Substanz8
Produktion9.5
Langlebigkeit7
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